Kleine Würfel – Große Kunst

Kunst muss nicht gegenständlich sein, weder Figuren noch eindeutige Motive haben und erst recht nicht auf den ersten Blick zu durchschauen sein, aber oft wünscht sich genau dies der Besucher beim Betrachten von Kunstwerken. Daher geht er an Werke mit abstrahierten Motiven, die ihm vor allem Rätsel aufgeben, skeptisch und mit Vorbehalten heran.

Besucher im Grand Palais Museum vor den Gemälden von Georges Braque, Les Oiseaux en vol,1959; Les Oiseaux,1954-1962; L'Oiseau noir et l'oiseau blanc, 1960. Fotografiert von Céline Piettre.
Besucher im Grand Palais Museum vor den Gemälden von Georges Braque, Les Oiseaux en vol,1959; Les Oiseaux,1954-1962; L’Oiseau noir et l’oiseau blanc, 1960. Fotografiert von Céline Piettre.

Allerdings hat die moderne kunstgeschichtliche Entwicklung gezeigt, dass es möglich ist, blaue Kreise und schwarze Quadrate oder auch nur weiße Leinwände zu bedeutenden Meisterwerken zu erheben – doch dies war nicht immer so. Am Anfang des 20. Jahrhunderts schockierten zwei Künstler die Pariser Öffentlichkeit mit kleinen Würfeln und geometrischen Formen, mit deren Hilfe sie Formen und Figuren in ihren Bildern auflösten und neu wieder zusammensetzten.

Diese zwei Künstler, Georges Braque und Pablo Picasso, entwickelten gemeinsam den von der Kunstkritik und Presse als Kubismus bezeichneten Malstil, der als Wegbereiter für die Abstraktion dienen sollte. Der Kubimus an sich ist jedoch kein Stil der völligen Abstraktion und der kompletten Auflösung der Gegenstände, da kubistische Bilder immer einen realen und auch greifbaren Bildinhalt haben, beispielsweise fügte Braque einigen seiner Bilder und Kollagen Zahlen und Buchstaben bei.

Georges Braque: Der Hafen, 1909. Öl auf Leinwand, 40,6 x 48,2 cm. Washington, National Gallery of Art.
Georges Braque: Der Hafen, 1909. Öl auf Leinwand, 40,6 x 48,2 cm. Washington, National Gallery of Art.

Das Pariser Grand Palais zeigt zum ersten Mal nach 40 Jahren in einer Retrospektive 260 Gemälde, Kollagen und Skulpturen von Georges Braque, einem der wichtigen Künstler der Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Noch bis zum 6. Januar 2014 können Besucher die Werke Braques bewundern und sich ihrer Fantasie und ihrem Einfallsreichtum hingeben, wenn sie versuchen, Figuren und Gegenstände in den vielen aneinandergereihten und angehäuften Würfeln zu entdecken.

Das im Parkstone International Verlag erschienene E-Book Kubismus von den Autoren Guillaume Apollinaire, Dorothea Eimert und Anatoli Podoksik gibt einen Einblick in die frühe und vielleicht auch radikalste Bewegung der modernen Kunst.