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Ikonen

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Buch Ikonen von Nikodim Pawlowich Kondakow, herausgegeben von Parkstone International.

Ikonen 1
Verherrlichter Christus und Segen, 4. Jahrhundert. Opus-sectile-Dekoration aus einem Gebaude nahe Port Marina. Museo Ostiense, Ostia.

Unter der gegenständlichen Kunst nahm die Ikone im russischen Leben den ersten Platz ein. Abgesehen von der frühen Wandmalerei Nowgorods können wir die Ikone bereits im 14. Jahrhundert als die führende Ausdrucksform religiösen Denkens und volkstümlichen Empfindens bezeichnen. Später wurde die Wandmalerei der Ikonenmalerei untergeordnet, und damit wurde die Ikone für den Glauben zum einzigen und ausschließlichen Symbol. Im Hinblick auf diese besondere Bedeutung und deren Ableitung aus dem byzantinischen Modell nimmt die russische Ikone in der Fortsetzung einer großen künstlerischen Tradition ihren Platz ein. Ihre Entwicklung stellt ein einmaliges Beispiel künstlerischen Könnens dar. Mit ihrer dekorativen Beschaffenheit, ihrer mit keiner anderen vergleichbaren Komposition, mit der Strenge ihrer Ausführung, dem ideellen Charakter und der spirituellen Tiefe des von ihr transportierten religiösen Denkens ist die Ikone mit der frühen Periode religiöser Kunst im Westen Europas zu vergleichen. Davon abgesehen, muss der Kunsthistoriker auch bedenken, dass das Staffelei-Gemälde erst im Lauf der Zeit aus der Ikone entstanden ist. Er muss auch alle Anstrengungen unternehmen, um auf die von der russischen Ikone repräsentierte Kunstart einen genauen Blick zu erhalten, wenn er die historischen, dem Bild zu Grunde liegenden Traditionen verstehen möchte. Letztendlich hat die russische Ikone bereits seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts und bis zum heutigen Tag als Kunsthandwerk oder kustár-Produkt und damit seit langer Zeit existiert.

Ikonen 2
Das Konzil von Nicaa I, Melkite-Ikone aus dem 17. Jahrhundert. Sammlung Abou Abdal, Paris. 
Ikonen 3
Das auf drei Ebenen aufgerichtete Kreuz, ikonoklastische Phase, 13. Jahrhundert. Halb-Kuppel der Apsis des Altarraums, Sankt-Irenen- Basilika, Konstantinopel.

In dieser Form verdient es heute, da das Kunsthandwerk für die historische Interpretation ein äußerst komplexes und schwieriges Problem darstellt und seine Erforschung vermutlich deswegen bisher vermieden wurde, die Aufmerksamkeit der Kunsthistoriker. Für die russische Altertumskunde ist die Zeit gekommen, die Ikonenmalerei zu erforschen und die Entwicklung eines eigenen Kunstphänomens über fünf Jahrhunderte nachzuzeichnen. Mit dem Zaren Peter der Große (1672 bis 1725) begann ein zwei Jahrhunderte dauerndes, das russische Volk von der letzten blühenden Periode der Ikonenmalerei trennendes Versäumnis, durch das mehr Darstellungen zerstört wurden als durch alle Hausbrände oder landschaftliche Verwüstungen in der Gegend um Moskau.

Ikonen 4
Die Verkundigung, die Jungfrau, 18. und 19. Jahrhundert. Peribleptos-Kirche von Ohrid (heute Sankt Klement-Kirche), Mazedonien.

Aus Inventarlisten wissen wir genau, wie reich an Ikonen die russischen Klöster, Kathedralen und Privathäuser waren und wie sehr die Moskowiter die klassischen und geheiligten Ikonen verehrten. Sogar noch genauer können wir nachverfolgen, wie seit dem 18. Jahrhundert unzählige dieser Ikonen aus russischen Kirchen verschwanden. Sogar noch im frühen 19. Jahrhundert waren die Kirchen Moskaus voller alter Kirchengegenstände. An den Wänden der Klöster hingen „Weih-“ und „Fest“-Ikonen und in den Vorräumen der Kapellen Tafeln mit den Heiligen des Kalenders (Menaea). Als man sich nicht mehr um sie kümmerte, sie vergaß und nicht mehr pflegte (und sie benötigen regelmäßige Instandhaltung), wurden sie eingelagert – und dies bedeutete gleichzeitig die massenhafte Zerstörung der schönsten Ikonen.

Ikonen 5
Menologie zum Monat Februar, etwa 15. Jahrhundert. Sankt Katherinen-Kloster, Sinai, Agypten.

Angesichts dieser planmäßigen Vernichtung tauchten alle Arten von Imitationen auf: aus Stanniol (fólezhnoe), Simulation2, Papier und andere Arbeiten der einfachsten Art. Die Ikonenmalerei versteckte sich im tiefsten Hinterland: In Suzdal und im dortigen Bezirk entstanden ganze Siedlungen mit Ikonenmalern, so etwa Msiera, Palekh und Kholuj, wobei aber die Ikonen aus Palekh und Kholuj bereits den „fränkischen“ Stil3 vertraten und die „naturalistische“ Malerei („zhívopis“) übernommen hatten. In Klein-Russland gab es bereits im 17. Jahrhundert plumpe „naturalistische“ Ikonen…

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