Liebe und Leidenschaft

Liebe, Angst, Trauer, Freude und Lust sind Gefühle, mit denen wohl jeder schon einmal konfrontiert worden ist. Resultierend aus Emotionen, die wiederum eine Folge aus verschiedenen im Körper ablaufenden chemischen Reaktionen sind, die dann im Gehirn zu einem dieser Gefühle verarbeitet werden und anschließend in der Kontraktion verschiedener, die Gestik und Mimik beeinflussender Muskeln für unsere Umwelt sichtbar werden.

Die Rationalität eines Gefühls und seiner Entstehung erscheint in der Selbsterfahrung jedoch häufig irrational, und so ist es auch für den Menschenkenner nicht immer ein Leichtes, verschiedene Gefühlsregungen seines Gegenüber richtig zu deuten. Das mit oder über jemanden Lachen, kann ähnlich missverstanden werden wie das Weinen vor Freude, Wut oder Trauer.

Während die Deutung der Gestik und Mimik eines Gegenüber mitunter schon schwierig sein kann, sehen wir uns ebenso mit dem Versuch konfrontiert, die Empfindungen einer Mona Lisa, eines Pygmalion oder einer geraubten Europa, gelegentlich fast verzweifelnd, nachzuempfinden.

Dante Gabriel Rossetti, Paolo and Francesca da Rimini, 1867.
Aquarell, Gouache und arabischer Gummi über Bleistift auf zwei Blättern Papier, 43,7 x 36,1 cm.
National Gallery of Victoria, Melbourne.

Selbst der auf den ersten Blick recht unmissverständlich erscheinende Kuss ist nicht nur Ausdruck der Lust, der puren Leidenschaft oder gar der Liebe, er kann ebenso nur freundschaftlicher Natur sein oder verräterisch.

Besonders faszinierend ist das seit Jahrhunderten sichtbare Interesse der Künstler an der Darstellung der menschlichen Empfindungen, in ihrer Schönheit und gesamten Differenziertheit. Die Herausarbeitung von Gestik und Mimik sowie die Einbettung in eine das Gefühl widerspiegelnde Bildatmosphäre mit flirrenden Farben, dunklen Räumen oder abstrakten Formen geben dem Betrachter die Möglichkeit, die Liebe, Wut, Angst und Freude nachzuvollziehen, garantieren aber nicht immer eine ultimative Antwort. So verlangt auch der romantische Kuss häufig nach der Geschichte der Liebenden, um ihn besser verstehen zu können.

Francesco Hayez, Der Kuss, 1859.
Öl auf Leinwand, 110 x 88 cm.
Pinacoteca di Brera, Milan.

Vielleicht ist es aber gerade diese kleine, bis zuletzt offen gehaltene und übrig bleibende Unklarheit über das Gefühl, die die Magie der Darstellungen ausmacht.

Noch bis zum 12. August 2012 können Sie im schwedischen Nationalmuseum in Stockholm in der Ausstellung Passions – Five Centuries of Art and the Emotions Künstler auf ihrer Entdeckungsreise des menschlichen Gefühls begleiten oder sich mit diesem wunderschön illustrierten Buch Love im handlichen Geschenkformat die Liebe zumindest visuell schon einmal nach Hause holen.

 

Wenn Sie sich mehr für den physischen Aspekt der Liebe und zwischenmenschlichen Beziehung interessieren, sollten Sie unbedingt einen Blick in unsere Bildbände Erotische Kunst, Encyclopædia Erotica und Das erotische Foto werfen.