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Die Olympischen Spiele in London – Zeit für Kultur

Wer bei den Olympischen Spielen ausschließlich an Sport denkt, liegt völlig falsch. Nicht nur der Sport und die Kunst, sondern auch die Musik, die Literatur und die Religion waren wichtige Pfeiler der antiken Kultur, die seither eng miteinander verknüpft sind.
Der Ursprung der Olympischen Spiele lässt sich bis weit vor Christi Geburt zurückverfolgen. Bei den antiken Spielen stand, anders als heutzutage, nicht der Sport, sondern die religiöse Feier im Vordergrund. Die Wettkämpfe wurden zu Ehren des Göttervaters Zeus und des göttlichen Helden Pelops ausgetragen. Die Eröffnung mit verschiedenen kultischen Zeremonien und dem festlichen Einzug der Athleten in den heiligen Hain von Olympia dauerte einen ganzen Tag. In den darauf folgenden Tagen wurden, wiederum anders als heutzutage, neben den sportlichen Wettkämpfen auch musikalische Dichter-Wettkämpfe ausgetragen, die bei den Zuschauern denselben hohen Stellenwert einnahmen.

Tizian, Aktaion überrascht Diana beim Bade, 1556 – 1559.
Öl auf Leinwand, 184,5 x 202,2 cm, National Gallery of London.

Auch bei der aktuellen Olympiade in Großbritannien gibt es, parallel zu den sportlichen Spielen, ein landesweites Kulturprogramm mit Ausstellungen, Installationen, Musik-, Tanz-, Film- und Theateraufführungen, und Vieles davon sogar unentgeltlich.
Ein Highlight dieser Kultur-Olympiade ist die Tizian-Ausstellung „Metamorphosis: Tizian2012“ in der Londoner National Gallery, deren Mittelpunkt drei GemäldeTizians bilden, die zum ersten Mal seit dem 18. Jahrhundert wieder gemeinsam ausgestellt werden. Die drei Gemälde behandeln Episoden aus dem in Ovids Metamorphosen geschilderten Mythos der Jagdgöttin Diana. Zwei dieser Darstellungen stellen das tragische Schicksal des Jägers Aktaion dar, der auf einem Streifzug durch den Wald ungewollt die Jagdgöttin Diana und ihre Nymphen beim Baden in einer Quelle überrascht, deswegen von der Göttin in einen Hirsch verwandelt und von seinen eigenen Hunden zerfleischt wird.

Den Werken Tizians werden in der Ausstellung Arbeiten zeitgenössischer Künstler gegenübergestellt, die zeigen sollen, das Tizian, einer der bedeutendsten Maler der venezianischen Hochrenaissance, bis heute eine Inspirationsquelle darstellt.
In einer einzigartigen Kooperation haben u. a. die drei zeitgenössische britische Künstler Chris Ofili, Conrad Shawcross und Mark Wallinger das Bühnenbild und die Kostüme für drei neue, durch die Gemälde Tizians angeregte,Ballettaufführungen des Royal Opera Houses entworfen. Die zu großen Teilen eigens für diese Ausstellung in Auftrag gegebenen multimedialen Werke entstanden in Zusammenarbeit mit Dichtern, Komponisten und Choreographen.

Wenn Sie nun selbst von Tizian inspiriert werden möchten, empfehlen wir Ihnen neben dem Besuch der Ausstellung „Metamorphosis: Tizian 2012“, die noch bis zum 23. September 2012 in der Londoner National Gallery zu sehen ist, das im Parkstone Verlag erschienene großformatige Buch Tizian, das mit vielen qualitativ hochwertigen Abbildungen eine hervorragende Inspirationsquelle darstellt.

-C. Schmidt