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Süße Träume

Träume suchen uns heim, sie verfolgen uns, machen uns Angst, beflügeln und inspirieren uns. In Träumen sind wir nicht nur mit uns selbst, sondern auch mit unterschiedlichsten Phänomenen konfrontiert, wie etwa dem falschen Erwachen oder Klarträumen, in denen der Träumende die Inhalte seines Traumes selbst kontrollieren kann. Außerdem scheint es, dass, je stärker wir versuchen, uns an unsere Träume zu erinnern, um sie greifbar zu machen, sie uns umso schneller durch die Finger zu rinnen scheinen.

Ein Philosoph des Alten Chinas stellte sich nach einem Traum, in dem er ein Schmetterling war, die Frage, ob er denn nun ein Mensch sei, der geträumt hat, ein Schmetterling zu sein, oder ob es nicht möglich sei, dass er ein Schmetterling sei, der gerade träumt, ein Mensch zu sein. Dieses Bild zeigt deutlich, dass es uns schlicht unmöglich ist, zwischen diesen beiden Zuständen sicher zu unterscheiden, und wir somit über keinen Zugang zu einer objektiven Realität verfügen.

Träume spielen auch in der Wissenschaft und der Philosophie, wie etwa der Bewusstseinsforschung, eine wichtige Rolle, um Sachverhalte anschaulich zu machen. Über die Bedeutung von Träumen streiten Wissenschaftler aller Disziplinen. So können Freuds Psychoanalyse (Träume als Zugang zu unserem Ich) oder die Evolutionstheorie (Träume als funktionslose Begleiterscheinung) zwar ergänzende Ansätze, aber keine hinreichende Erklärung liefern.

Das Phänomen Traum hat außerdem Kreative aller Art inspiriert. Ob nun in der Literatur, wie die traumartigen Science Fiction-Welten eines Philip K. Dick, in denen die Protagonisten über die Realität an sich im Unklaren bleiben. Oder in Filmen wie Waking Life von Richard Linklater, in dem es ihm wie keinem andereren gelingt, das Phänomen des Traumes auf die Leinwand zu bringen.

Auch oder gerade in der bildenden Kunst bietet sich eine weitere optimale Möglichkeit, unsere rein subjektiven allnächtlichen Erlebnisse Anderen zu zeigen. Renaissance-Meister wie Hieronymus Bosch und El Greco beschäftigten sich teils intensiv mit Traumwelten.

Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, Tryptichon, rechter Innenflügel (Detail), 1500-1505. Öl und Grisaillemalerei auf Holztafel, 220 x 389 cm. Museo nacional del Prado, Madrid.
Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, Tryptichon, rechter Innenflügel (Detail), 1500-1505. Öl und Grisaillemalerei auf Holztafel, 220 x 389 cm. Museo nacional del Prado, Madrid.
El Greco, Anbetung des Namen Jesu(Der Traum Philipps II.), 1577–1579. Öl auf Leinwand, 140 × 110 cm. El Escorial, San Lorenzo de El Escorial.
El Greco, Anbetung des Namen Jesu (Der Traum Philipps II.), 1577–1579. Öl auf Leinwand, 140 × 110 cm. El Escorial, San Lorenzo de El Escorial.

Wer sich an der Darstellung von Träumen in der Renaissancemalerei erfreuen möchte, dem sei die Ausstellung The Renaissance and Dream vom 09. Oktober 2013 bis zum 26. Januar 2014 im Musée du Luxembourg in Paris empfohlen.

Ein passender Begleiter dazu und für zu Hause ist der Titel Die Kunst der Renaissance des Verlages Parkstone International.

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