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Vielen Dank und auf Wiedersehen, Karl LAGERFELD

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Als Folge einer zufälligen Begegnung in einer Berliner Buchhandlung zu Beginn des Parkstone International Verlags in den 1990er Jahren, schrieb Karl Lagerfeld, ein Fan von Fächern, freundlicherweise eine Einführung für eine unserer ersten Publikationen mit dem Titel Fächer.

Für die Frau des 19. Jahrhunderts war der Fächer das, was für den Mann der Degen war, nämlich ein ‘Überzeugungsinstrument’. So beschreibt die damalige Gesellschaft dieses in Frauenhänden zum ‘bewaffneten Arm’ der Verführungskunst gewordene Requisit. Doch bis dahin sollte noch viel Zeit vergehen, denn bereits in der Antike zwang die drückende ägyptische Schwüle den Pharao, sich in der sanften Brise eines von einem auf das Wohlbehagen seines göttlichen Herrn bedachten Sklaven langsam bewegten Palmwedels niederzulassen.

Lange Zeit blieb das Zufächeln von Kühlung der einzige Zweck des Fächers. So widmet auch der berühmte Modeschöpfer Karl Lagerfeld folgerichtig die von ihm über diesen zauberhaften Gegenstand verfassten Schriften dem griechischen Windgott Äolus. Überwog das Nützliche auch das Frivole, so rankte sich das Bild des Fächers doch stets um so angenehme Empfindungen wie Entspannung, Ruhe, wehmütiges Schmachten oder gar völlige körperliche und geistige Hingabe. So wurde das elegante Requisit Spiegelbild oder Ausdruck von Sinnlichkeit, von Hingezogensein zum anderen, von schwelgerischer Lebensart.

Die bemalten Fächer haben ihren Ursprung in Japan und China. Sie kamen im 16. Jahrhundert über Portugal und Spanien nach Europa. Die Mode der nachfolgenden Jahrhunderte machte den Fächer rasch zum unentbehrlichen Bestandteil der weiblichen Garderobe. Etwa 1770 übertrafen sich in Paris mehr als hundertfünfzig Handwerker in der Kunst seiner Herstellung. Die Maler schufen zahlreiche Porträts von Frauen, die ausnahmslos mit diesem eleganten Accessoire ausgestattet waren.

Der zum Kunstgegenstand gewordene ‘Luftfächler’ stellte sich in den Dienst der Koketterie. Und dies sehr zur Freude der Liebhaber, denn die Frauen wussten ihn zu mehr zu gebrauchen als lediglich zur Abkühlung. In ihren geschickten Händen wandelte sich der Fächer zum Liebesboten, sehr zum Leidwesen der Anstandsdamen, Hauslehrer, gehörnten Ehemänner und sonstigen abgewiesenen Liebhaber, die eine bloße Bewegung des bewussten Gegenstands nun zur Verzweiflung trieb…

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