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BONNARD – Farbiges Gedächtnis

Im Oktober 1947 veranstaltete das Musée de l’Orangerie in Paris eine postume Ausstellung der Werke von Pierre Bonnard. Gegen Ende desselben Jahres erschien in der einflussreichen Zeitschrift “Cahiers d’Art” auf der ersten Seite eine Besprechung, verfasst vom Herausgeber, Christian Zervos. Die provokative Überschrift lautete: “Ist Pierre Bonnard ein großer Maler?”. Im ersten Abschnitt verleiht Zervos seinem Erstaunen über den großen Umfang der Exposition Ausdruck, kannte man doch bisher Bonnard nur aufgrund von seltenen und eher bescheidenen Ausstellungen. Er sei, so sagt Zervos, von der Ausstellung enttäuscht, die Werke seien es nicht wert, dass ihnen eine umfassende Ausstellung gewidmet würde.

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Bonnard um 1890. Fotografiert von Alfred Natanson.

“…Vergessen wir nicht, dass Bonnards Anfänge vom wunderbaren Licht des Impressionismus erhellt sind. In mancher Hinsicht war er der letzte Träger jener Ä sthetik. Doch war er ein schwacher Träger, ohne großes Talent. Das überrascht kaum. Willensschwach und wenig origi nell, vermochte er nicht, dem Impressionismus einen neuen Aufschwung zu verleihen, seine Elemente durch eine handwerkliche Basis zu untermauern oder ihnen zum mindesten eine neue Wendung zu geben.

Pierre-Bonnard-Selbstbildnis,
Pierre Bonnard, Selbstbildnis, 1889. Tempera auf Karton, 21,5 x 15,8 cm. Privatsammlung.
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Weiblicher Akt im Gegenlicht (Das Toilettenzimmer), 1908. Ö l auf Leinwand, 124,5 cm x 108 cm, Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel.

Obwohl er überzeugt davon war, dass man sich in der Kunst nicht nur von Gefühlen leiten lassen darf wie die Impressionisten, war er nicht imstande, seine Malerei mit geistigen Werten zu beseelen. Er wusste sehr wohl, dass das Ziel der Kunst nicht mehr die Nachbildung der Wirklichkeit war, fand aber nicht die schöpferische Kraft wie einige andere Künstler seiner Zeit, die das Glück hatten, sofort gegen den Impressionismus zu rebellieren. In Bonnards Werken wird der Impressionismus fade und zerfällt.”

Pierre-Bonnard-Der-Spaziergang
Der Spaziergang, ca. 1900. Ö l auf Leinwand, 38 x 31 cm, Privatsammlung
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Kirschen essende Kinder, 1895. Ö l auf Leinwand, 52 x 41 cm, National Gallery of Ireland, Dublin.

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Zervos’ Urteil auf persönlicher Animosität gründete. Er war ganz einfach das Sprachrohr der Avantgarde, welche die Entwicklung der modernen Kunst als eine Abfolge radikaler Bewegungen sah, von denen jede neue die vorherige ersetzte und und ihre eigene Welt schuf, die sich jeweils ein Stück mehr von der Realität entfernte als die vorangehende. Diese Sichtweise der Geschichte der Malerei als eine Chronik avantgardistischer Strömungen ließ Bonnard keinen Platz, um so weniger, als er selbst sich niemals in den Vordergrund drängte und sich überhaupt von allen Kontroversen fernhielt.

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Das gelbe Boot, 1938. Ö l auf Leinwand, 58 x 76 cm, Aufenthaltsort unbekannt.

Außerdem lebte er größtenteils nicht in Paris und stellte nur ganz selten aus. Mit Sicherheit hätten sich nicht alle Avantgardisten Zervos’ Meinung angeschlossen. Picasso zum Beispiel schätzte Bonnard als Maler sehr, ganz im Unterschied also zu Zervos, der übrigens ein großer Verehrer von Picasso war und einen voll ständigen Katalog seiner Gemälde und Zeichnungen herausgegeben hatte. Als Matisse den Artikel in den “Cahiers d’Art” zu Gesicht bekam, packte ihn der Zorn. In großen Zügen schrieb er auf den Blattrand: “Ja! Ich bezeuge, dass Pierre Bonnard ein großer Künstler unserer Zeit und fraglos der Zukunft ist. Henri Matisse. Jan. 48.”

Pierre-Bonnard-Badezimmerspiegel
Badezimmerspiegel, 1914. Ö l auf Leinwand, 72 x 88,5 cm, Metropolitan Museum, New York.
Pierre-Bonnard-Toilettentisch-mit-dem-rot-gelben-Blumenstrauß
Toilettentisch mit dem rot-gelben Blumenstrauß, 1913. Ö l auf Leinwand, 125 x 110 cm, Museum of Fine Arts, Houston.

Matisse sollte Recht behalten. Bereits um die Mitte des 20. Jahrhunderts zog Bonnards Malerei junge Künstler wesentlich mehr an als etwa in den 20er oder 30er Jahren. Fama spielte ein seltsames Spiel mit ihm. Gleich von Anfang fand er in gewissen Kreisen Anerkennung. Er musste nicht Armut und Ablehnung erfahren wie so viele der führenden Avantgardisten, die entweder erst spät in ihrem Leben oder gar erst nach ihrem Tod Ruhm erlangten. Die populäre Vorstellung vom verkannten Künstler, einem armen Hungerleider aus der Boheme, der auf Unverständnis stößt, weil er mit den alten Normen bricht, passt ganz und gar nicht auf Bonnard. Er fand immer wieder Abnehmer für seine Gemälde. Schon früh hatte er unter Künstlern und Sammlern manchen Kenner für sich gewonnen, der ihn zu schätzen wusste. Allerdings war ihre Zahl beschränkt; die generelle Anerkennung, die er durchaus verdient hätte, ließ lange auf sich warten.

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