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Der Traum vom Orient
Jean-Auguste-Dominique Ingres provokantes Gemälde Das türkische Bad, das erstmals postum 1905 auf dem Salon de l’Automne zusehen war, erstaunte unter anderem den Maler Félix Vallotton und faszinierte ihn sofort. Das Meisterwerk des Neoklassizisten, einem Vorbild Vallottons, inspirierte ihn zu einer eigenen Interpretation des Gemäldes im Jahre 1907. In Vallottons Version sieht der Betrachter sechs nackte Frauen in einem gekachelten Dampfbad. Eine im Wasser stehende Rückenfigur trocknet sich gerade den Oberkörper, während eine weitere Person lasziv auf den Fliesen liegt und eine am rechten Bildrand sitzende Blondine, kurioserweise mit einem Dackel im Arm, scheinbar abwesend ins Leere starrt. Hinter ihr befinden sich drei weitere Frauen, die jede für sich und isoliert…
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Rivalen unter sich
Ein die Renaissance charakterisierendes Thema war die Auseinandersetzung mit der Antike. Man entdeckte das antike Erbe durch erste archäologische Ausgrabungsfunde und deren Dokumentation wieder, die die Künstler inspirierten, sich fortan am antiken Schönheitsideal zu orientieren. Zu dieser Zeit gehörten zu den herausragenden Genies die Italiener Raffael da Urbino, Michelangelo Buonarotti und Leonardo da Vinci. Raffaels Figuren in seinen Meisterwerken sind harmonisch und von ausgewogener Komposition; er malt bevorzugt liebliche Madonnenbilder mit einem antikisierten Schönheitsideal. Seine Kunst besitzt einen hohen ästhetischen Wert, da nur sie der an sich unvollkommenen Natur zur Vervollkommung verhelfen kann. Seine Vorbilder waren auch gleichzeitig seine Rivalen: Michelangelo und Leonardo. Ähnlich erging es auch dem etwa acht…





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