Eng an eng – Dancing with Renoir

Das, was heutzutage als eine altmodische Form der Annäherung an das andere Geschlecht eher belächelt wird, war zu Lebzeiten Pierre-Auguste Renoirs mit dem Paartanz wie Polka oder Walzer, um nur zwei zu nennen, bei gesellschaftlichen Anlässen aller Art der Standard und eine beliebte Beschäftigung im Ballsaal oder im Freien. Renoir bildet in vielen seiner Werke die lebensbejahenden Seiten des Lebens ab, fröhliche gesellschaftliche Zusammenkünfte, das anmutige Zusammenspiel der Tanzenden – Harmonie und Lebensfreude tauchen in vielen seinerGemälde als Grundmotive auf.

Zum ersten Mal seit über 25 Jahren sind die drei etwa zwei Meter hohen Gemälde der tanzenden Paare Renoirs Tanz in Bougival, Tanz auf dem Land und Tanz in der Stadt wieder im Museum of Fine Arts in Boston in einer Ausstellung vereint. Das erste Gemälde gehört dem Bostoner Museum, die beiden anderen sind Leihgaben des Musée d’Orsay in Paris.

Von links nach rechts:
Pierre-Auguste Renoir, Tanz in der Stadt, 1883. Öl auf Leinwand, 180 x 90 cm.
Musée d’Orsay, Paris.
Pierre-Auguste Renoir, Tanz auf dem Land, 1883. Öl auf Leinwand, 180 x 90 cm.
Musée d’Orsay, Paris.
Pierre-Auguste Renoir, Tanz in Bougival, 1883. Öl auf Leinwand, 181,9 x 98,1 cm.
Museum of Fine Arts, Boston.

Seine Lehre als Porzellanmaler zeigt sich in seiner detaillierten Ausführung der Gesichter und der Kleidung, während der in impressionistischer Manier mit raschen, rhythmischen Pinselstrichen und hellen Farben gemalte Hintergrund einem Farbspiel aus Licht- und Schatten gleicht. Durch den verwischten Hintergrund rücken die tanzenden Paare in den Vordergrund. Herausgehoben aus Zeit und Raum genießen die nahezu die gesamte Fläche des Gemäldes einnehmenden und damit fast lebensgroßen Paare ihre Zweisamkeit.

Besonders auf den beiden Gemälden der tanzenden Landbevölkerung herrscht eine entspannte und harmonische Atmosphäre, während die elegant gekleideten städtischen Tänzer passend zu der Atmosphäre des Salons eine gewisse Zurückhaltung pflegen.

Die Gemälde wirken wie Zeugen einer fröhlichen sorgenfreien Zeit und spiegeln eine Form des Amüsements und der sommerlichen Freizeitidyllen wider. Zur Entstehungszeit der Gemälde lag der Preußisch-Französische Krieg bereits mehr als 10 Jahre zurück, die französische Republik schien stabil und die Industrialisierung Frankreichs leitete einen Wirtschaftsaufschwung ein.

Die Leichtigkeit und Heiterkeit der Gemälde können wir auch heute in unstabilen wirtschaftlichen Zeiten als Ablenkung gut gebrauchen. Die Gemälde sind wie eine rosarote Brille, die alles Negative zu filtern vermag und beim Betrachter ein unbeschwertes leichtes Gefühl hinterlässt.

Die Ausstellung „Dancing with Renoir” des Museums of Fine Arts in Boston zeigt die drei Gemälde noch bis zum 3. September. Wenn Sie es nicht nach Boston schaffen, können Sie sich Renoir auch als E-Book mit einer großen Auswahl seiner beeindruckenden impressionistischen Gemälden nach Hause holen.

-C. Schmidt