Verkopfte Romanze

Es ist, was es ist, sagt die Liebe. Allein der Versuch, sie in Worte zu fassen, scheint zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Lastwagenladungen voller Romane, Filme, Kunstwerke und wissenschaftlicher Arbeiten haben es nicht geschafft, zu ergründen, was passiert, wenn jemand in unserem Umfeld eine absolut irrationale Entscheidung trifft, dabei lediglich lächelnd mit den Schultern zuckt und meint: „Es ist eben Liebe.“

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Angelica Mestiti, Rapture (silent anthem), 2009 (Filmstill).
HD-Video, Farbe, ohne Ton, 10:10 min

„Aber ist es tatsächlich so einfach?“ wird sich der Realist fragen, und der Zyniker kann dazu nur müde den Kopf schütteln. Spätestens nach zwei, drei in die Brüche gegangenen Romanzen beginnen wir enttäuscht zu überlegen, ob das Herz nicht in Wirklichkeit doch nur ein Muskel ist und das Gehirn endlich die volle Verantwortung für unsere Taten übernehmen sollte. In wen verlieben wir uns wirklich – in eine Person oder in die Idee, die wir von ihr haben? Wo genau sitzt unser „Bauchgefühl“ und wie geht es ihm bei einer Magenverstimmung? Was passiert, wenn uns das Herz in die Hose rutscht – und wer holt es dort wieder heraus?

Fragen wie diese werden Künstler und Otto Normalverbraucher wohl noch ein paar Jahrhunderte lang um den Schlaf bringen – und bieten vor allem Ersteren schier endlose Möglichkeiten zur gestalterischen Umsetzung.

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David Rosetzky, How to feel, 2011 (Filmstill).
HD Video, Farbe, Ton, 148:39 min.

Man könnte meinen, ein derart universelles Thema wie die einzigartige, die ganz große Liebe, sollte in einer Ausstellung wahrscheinlich leicht zu kuratieren sein – doch We used to talk about love in der Art Gallery NSW in Sydney macht es sich alles andere als einfach. Von linkischen Annäherungsversuchen bei der ersten Begegnung, der Euphorie bei der Eroberung des Objekts der Begierde bis hin zum gebrochenen Herzen reicht die Spannweite der Emotionen, die ein liebeswilliger Mensch durchleben muss – und We used to talk about love versucht genau diese Höhen und Tiefen in all ihren Facetten zu präsentieren.

Und so ist es vielleicht sogar ganz erfreulich, dass sich die Mysterien der Liebe wohl nie ganz entzaubern lassen werden – denn sonst hätten die Künstler nichts mehr zu tun – und wir nichts mehr zu sehen.

Falls sie der schier unerklärlichen Liebe dennoch auf die Spur kommen wollen, finden Sie jede Menge Anregungen in Jp. A. Calosses „Love“ vom Verlag Parkstone International. Weiterführendes Expertenwissen können Sie sich außerdem mithilfe des „Kamasutra“ von Klaus H. Carl aneignen.

T.Lachner