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Porträts: Porträtmalerei und Atelierzeichnungen im Met in New York

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Das Hauptmerkmal großartiger Porträtkunst ist das Vermögen, den inneren Charakter oder die Geschichte des Modells bloßzulegen. Es heißt, dass jeder Mensch vor seinen Mitmenschen gewohnheitsmäßig eine Maske trage und diese lediglich in unbewussten Momenten ablege.

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Raffael (Raffaello Sanzio) (1483-1520), Italiener, Porträt von Pietro Bembo,
1504-1506. Öl auf Tafel, 54 x 39 cm. Museum der Schönen Künste, Budapest.

Der großartige Porträtmaler muss in der Lage sein, das wahre Wesen des Individuums einzufangen – eine unsagbar schwierige Herausforderung, der er oft nur in flüchtigen Momenten gerecht werden kann. Laut dem Dichter Tennyson vertieft sich solch ein Maler in ein Gesicht und „erspäht dabei gottgleich, vorbei an allen Hindernissen, den Menschen dahinter, den er so malt, dass sein Gesicht, die Umrisse und Farben eines Geistes und Lebens für seine Kinder stets aufs Beste lebendig bleiben.“ Gemäß Aristoteles’ Aussage „Ziel der Kunst ist es nicht, die äußere Erscheinung der Dinge, sondern deren innere Bedeutung darzustellen“, ging es nicht darum, nur die physischen Eigenschaften, sondern das gesamte Wesen des Individuums abzubilden. Interpretative Porträtmalerei war häufig Leonardo da Vincis berühmter Mona Lisa nachempfunden.

Leonardo-da-Vinci-Mona-Lisa
Leonardo da Vinci (1452-1519), Italiener, Mona Lisa (La Gioconda),
um 1503-1506. Öl auf Pappelholz, 77 x 53 cm. Musée du Louvre, Paris.

Das Mysteriöse im Gesichtsausdruck der Mona Lisa verleiht ihrem Charakter Tiefe – der Betrachter ist auf der Stelle fasziniert und möchte erfahren, was sie womöglich zu verbergen hat. Um solch ein Niveau des Porträtierens zu erreichen, muss der Künstler sich bewusst in das Wesen seines Gegenstands einfühlen. Zudem steht die Mona Lisa nicht nur vom kompositorischen Standpunkt aus gesehen für Perfektion, ihre genauen Proportionen und die Verwendung einer atmosphärischen Perspektive sichern gleichermaßen ihre gefeierte Stellung in der Kunstwelt. Viele Porträtmaler haben da Vinci seither idealisiert und sich – wenn auch weit davon entfernt, sein Ideal zu erreichen – von seinem Werk inspirieren lassen. James Abbott McNeill Whistler hatte eine beträchtliche Machtstellung innerhalb seines eigenen Kreises inne, während Franz Hals und Diego Velázquez allgemeinere Anerkennung genossen. Die Persönlichkeit des Posierenden offenbart sich häufig mittels eines direkten Blicks, der den Gegenstand mit etwas Faszinierendem zu umgeben scheint.

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Claude Monet (1840-1926), Franzose, Die Japanerin (Camille Monet im
japanischen Kostüm), 1879. Öl auf Leinwand, 231,8 x 142,3 cm.
Museum of Fine Arts, Boston. Impressionismus.

Ob freudvoll oder ernst, die Augen des Modells scheinen den Betrachter mit einem Gefühl von „Intimität“ zu involvieren, das sich schwer abstellen oder definieren lässt. Diese Eigenschaft zeigt sich besonders im heiteren Charakter von Hals’ Porträts, in dem für Joshua Reynolds typischen freundlichen Lächeln, im weisen Blick, den Rembrandt in seinen Porträts einfängt, oder im melancholischen Anklang der Bilder eines Domenico Morone. Ein anderes Mal ist der Blick des Modells abgewandt und letzteres ist sich des Beobachtetwerdens so gut wie unbewusst. Der Künstler hat das Modell im Moment vertrauter Einkehr gemalt, wie es häufig bei Tizian der Fall ist. Aus diesem Grund ist die Fähigkeit des Künstlers, das Innenleben des Modells darzustellen, eine unglaublich subjektive Kunst geworden. Als die Porträtmalerei zunächst bestimmten gesellschaftlichen Klassen, dem Adel, der Kirche und der oberen Mittelklasse oder der Bourgeoisie vorbehalten war, musste das Porträt eine schmeichelnde Darstellung seines Motivs abgeben. Endlich konnten sich Künstler mit dem Malen eines Porträts auf ihre eigene introspektive Art frei ausdrücken.

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Rembrandt (Rembrandt Harmenszoon van Rijn) (1606-1669), Niederländer,
Flora, (Porträt der Saskia als Flora), 1634. Öl auf Leinwand, 125 x 101 cm.
Eremitage, St. Petersburg. Barock.

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