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Sex in the Cities – Berlin

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Sex in the Cities – Berlin von Hans-Jürgen Döpp, herausgegeben von Parkstone International.

Auf dieser Reise durch das Museum werden wir einer Vielfalt von Sichtweisen der tausend Metamorphosen der Sexualität begegnen. Sie zeigt, dass nichts natürlicher ist als das sexuelle Verlangen und nichts weniger natürlich als die Formen, in denen es sich äußert und befriedigt. Was in den Tresoren öffentlicher Museen und in den Kabinetten privater Sammler lange Jahre verborgen blieb: Hier können Sie es sehen! „Verbotene Bilder“ – untersagt insbesondere in unserem westlichen, dem Sexuellen gegenüber wenig aufgeschlossenen Kulturkreis. Diese Bilder gewähren uns einen uneingeschränkten und um so faszinierenderen Blick auf das, was seit jeher zur menschlichen Natur gehört.

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Otto Schoff, um 1930.

Vor allem die östlichen Kulturen haben es verstanden, diesen Aspekt des menschlichen Wesens schon früh in ihre Kunst und Kultur einzubeziehen. So hat die chinesische Religion, ganz frei vom westlichen Sündenbegriff, Lust und Liebe als „reine Dinge“ angesehen. In der Vereinigung von Mann und Frau im Zeichen des Tao drückt sich ihr zufolge die gleiche Harmonie aus wie im Wechsel zwischen Tag und Nacht, Winter und Sommer. Mit Recht lässt sich sagen, dass das jahrtausendealte chinesische Denken seinen Ursprung in sexuellen Vorstellungen hat: Yin und Yang bestimmen das Universum. Auf diese Weise beinhaltet die erotische Philosophie der alten Chinesen zugleich eine Kosmologie. Die Sexualität ist integrierter Bestandteil ihrer Weltanschauung und von ihr nicht zu trennen. So versichert eine der ältesten und anregendsten Zivilisationen der Erde durch ihre Religion, dass es gut und der religiösen Philosophie entsprechend ist, die Liebe erfinderisch, poetisch und leidenschaftlich zu gestalten.

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Dominique Larrivaz, Pariser Bordell, 1989 und 1991. Installation. Paris und Manheim.

Auch die großen Meister Japans schufen einen Reichtum erotischer Bildfolgen, die im gleichen Rang mit anderen Kunstwerken stehen. Keiner staatlichen Zensurmaßnahme gelang es je, diese geheime Produktion vollständig zu unterdrücken. Die sogenannten Shungas, die „Frühlingsbilder“, loben die sehr irdischen Vergnügungen der Welt. Man empfand es als natürlich, die fleischliche Lust zu suchen, in welcher Form auch immer, und da das Wort „Laster“ im alten Japan nicht ausgesprochen wurde, galt unter anderen selbst die Sodomie als eine sexuelle Praktik. Zu den in technischer und künstlerischer Hinsicht vollkommenen Werken gehört die Gattung der Ukiyo-e, der „Bilder einer fließenden, vergänglichen Welt“. Sie zeigen, dass in der japanischen Kunst, wie übrigens auch in der Literatur, das Groteske und Fantastische schon früh zu voller Entfaltung gelangte.

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Édouard Chimot, Le petit chat est mort, 1932.

Die tausend Metamorphosen der Sexualität erfuhren je nach Kultur die unterschiedlichsten Ausformungen. In Indien wurden sie in Hindutempeln geheiligt. Für die Griechen vereinigten sich im Kult der Schönheit die Freuden des Körpers mit denen des Geistes, gemäß ihrer Philosophie, die die Welt als ein Zusammenspiel von Apollon und Dionysos, von Vernunft und Ekstase, begriff. Erst das Christentum setzte sie in Beziehung zu Sünde und Hölle und schuf damit unversöhnliche Gegensätze. „Der Teufel Eros ist allmählich den Menschen interessanter als alle Engel und Heiligen geworden.“ Dieses abendländische Wort Nietzsches dürfte im fernöstlichen Japan auf Unverständnis stoßen: Eros wurde dort nie verteufelt. Weder in Japan noch in anderen östlichen Kulturen ereignete sich das, was Nietzsche für das Abendland beklagte: „Das Christentum gab dem Eros Gift zu trinken.“ Hier wurden erotische Darstellungen in geheime Kabinette verbannt, die „fließende, vergängliche Welt“ vom begrifflichen Gitter der entstehenden Sexualwissenschaften eingefangen, sodass es heute der Wissenschaft nur mit Mühe gelingt, die Sexualität von der Schlacke der Entfremdung, Abwertung, der Vorurteile und des Schuldbewusstseins zu befreien. Es ist darum auch nicht weiter erstaunlich, dass sich die Sexualwissenschaften gerade dort entwickelten, wo das Verhältnis zu Erotik und Sexualität in besonderer Weise gestört war. Dies ist mit ein Grund, warum dem großen Berliner Sexualforscher Magnus Hirschfeld (1868-1935), der sich für die Straffreiheit der Homosexualität einsetzte, im Erotik-Museum ein Denkmal gesetzt wurde.

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Kartendeck mit indischen Miniaturen, 19. Jh. Elfenbein.
Für europäische Kolonialherren angefertigt.

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