-
Vorhang auf für die Expressionisten im Käfig der wilden Bestien
Die Versteigerung dauerte gerade mal 12 Minuten, dann stand im Mai 2012 beim New Yorker Auktionshaus Sotheby’s die neue Rekordsumme fest: 91,033,826 Millionen Euro (107 Millionen Dollar zuzüglich des Zuschlags für das Auktionshaus) für den letzten sich bis dato in Privatbesitz befindlichen Schrei von Edvard Munch (1863-1944). 70 Jahre lang befand sich das Werk im Privatbesitz der Olsen Familie. Thomas Olsen, ein Nachbar Munchs und Nachkomme der großen norwegischen Reederei-Dynastie, war nicht nur ein Freund, sondern auch einer der größten Förderer des Künstlers. Damit ist das 1895 gemalte Pastell das teuerste je versteigerte Kunstwerk der Welt und verdrängte den bisherigen Rekordhalter, das im Jahr 2010 für 106,5 Millionen Dollar im…
-
Die Sonderbundausstellung – erneut in Köln
Haben Sie schon einmal vor einem Kunstwerk gestanden und waren innerlich wirklich bewegt? Vielleicht, weil Sie die Geschichte zum Werk oder die künstlerische Intention kannten, weil Sie von der Technik überwältigt waren oder einfach nur, weil es in dem Moment, in dem Sie es betrachteten, nahezu zusammenhanglos alles in Ihnen aufwühlte, Sie unglaublich beeindruckte? Dieses Gefühl ist überwältigend und leider auch viel zu selten. Es gibt viele Meisterwerke der Kunst, aber nur wenige, die uns persönlich anregen, über ein „wunderschön“ hinausgehen. Klitzekleine Synapsen in unserem Körper reagieren auf unsere Sinneseindrücke: tasten, schmecken, riechen, hören und SEHEN. Jede Epoche hat Kunstwerke hervorgebracht, die die Fähigkeit besitzen, zu bewegen. Versuchen Sie es…
-
Flucht in die Abstraktion – Die Fantasielandschaften van Goghs und Kandinskys
„Je schreckensvoller diese Welt, desto abstrakter die Kunst“, notierte Paul Klee (1879-1940) ein Jahr nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914-1918) in seinem Tagebuch. „Man verlässt die diesseitige Gegend und baut dafür hinüber in eine Jenseitige, die ganz ja sein darf“. Zur Entstehungszeit des Bildes Sternennachtbefand sich van Gogh in einer Nervenheilanstalt, das Gemälde ist nicht durch eine tatsächliche Nachtszene inspiriert. Die Farben widersprechen einer wirklichkeitsgetreuen Darstellung, die kreisförmigen und wellenartigen Formen, die flammenähnlich in den Himmel ragenden Baumkronen, die kleine Ortschaft mit den krummen Häusern und die dahinterliegende unregelmäßige Berglandschaft erzeugen eine chaotische, beunruhigende Dynamik. Ein romantischer, sternenbehangener Nachthimmel? Weit gefehlt! Sowohl Vincent van Gogh (1853-1890) als auch andere…
-
Edvard Munch – soviel mehr als nur ein Schrei
Wer den Namen Edvard Munch hört, mag wohl zuerst an eine Landschaft aus Blau und Rot denken, in der sich eine Brücke diagonal in den Bildhintergrund verjüngt. Zwei Personen sind am Ende der Brücke nur schemenhaft zu erkennen und im Vordergrund zeigt sich dem Betrachter eine scheinbar verzeichnete Figur, die Hände an den Wangen, mit weit aufgerissenem Mund und Augen. Der Schrei, so laut und doch stumm, hat es nicht zuletzt aufgrund des Diebstahls 2006 oder dem mit einem dreistelligen Millionenbetrag höchsten je erzielten Auktionsergebnis im Frühjahr 2012 auf die Bestsellerliste geschafft. Aber Munch ist so viel mehr als ein Symbolist mit pessimistischer Lebensphilosophie, seine Bilder sind…
-
Turner, Monet und Twombly
Geboren im 18., 19., bzw. 20. Jahrhundert; ein Brite, ein Franzose und ein Amerikaner; Romantiker, Impressionist und abstrakter Expressionist. Drei Maler, die von ihren Grundvoraussetzungen her unterschiedlicher kaum sein könnten, und dennoch scheinen J. M. W. Turner, Claude Monet und Cy Twombly irgendetwas gemeinsam zu haben, das einen Vergleich der Werke ihrer jeweils letzten Schaffensjahre rechtfertigt. Versuchen wir einmal den riesigen Pulk an Werken ein wenig zu vergessen, die ihren jeweiligen Stil „allgemein“ kennzeichnen und werfen wir ausschließlich einen Blick auf ihre letzten etwa 20 Jahre. So wird vor allem bei Turner die Wandlung des Stils in Richtung einer impressionistischen Malweise erkennbar, die dann wiederum mit der Monets‘ vergleichbar wird.…















You must be logged in to post a comment.