La Belle Époque – Eine Hommage auf die Freizeit

Ein gemeinsames Frühstück im Grünen, danach ein Ausritt oder vielleicht eine Kutschfahrt? Zum Mittagessen in eines der schönen Restaurants am Grand Boulevard, dann ein ausgedehnter Schaufensterbummel, ein kurzer Plausch im Café und abends vielleicht ins Theater, in die Oper oder doch lieber zum Ballett?

Eine der großen Neuerungen, die die zweite Welle der Industriellen Revolution in Frankreich mit sich brachte, war die „Freizeit“. Die materielle und politische Absicherung des Bürgertums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ die Menschen der sogenannten Belle Époque optimistisch in die Zukunft blicken. Mit dem Wirtschaftsaufschwung ging auch ein kultureller Aufschwung einher: Neue Cafés, Ateliers, Galerien, Salons und Konzertsäle mit einem vielfältigen kulturellen Freizeitangebot wurden eröffnet.

Auguste Renoir, Der Spaziergang, 1870.
Öl auf Leinwand, 80 x 64 cm.
J. Paul Getty Museum, Los Angeles.
Édouard Manet, Portrait des Théodore Duret, 1868.
Öl auf Leinwand, 43 x 35 cm.
Paris, Musée du Petit Palais.

Die bildende Kunst wurde zum Spiegel dieser neuen freizeitlichen Vergnügungen.Wie kaum zuvor rückte der Impressionismus (ca. 1860 – 1900) den Menschen und das alltägliche Leben ins Bildzentrum. Auf Auguste Renoirs (1841-1919) Gemälde Der Spaziergang (1870) wird ein wichtiger Grundsatz der Belle Époque deutlich: Unabhängig von der Art der Freizeitbeschäftigung, sei es ein Opernbesuch oder ein Spaziergang im Wald, war es überaus wichtig, stets gut gekleidet zu sein. Die wohlhabende Oberschicht stellte ihren neuen Reichtum durch die Kleidung oft äußerst großspurig zur Schau. Man ging nicht mehr zum Schneider und ließ sich ein Nullachtfünfzehn-Kleid anfertigen, sondern blätterte zunächst in den zahlreichen Modezeitschriften, um dann bei dem 1845 aus Lincolnshire eingewanderten und schnell berühmt gewordenen „Modeschöpfer“ Charles Frederik Worth (1825- 1895) Schlange zu stehen.

Je nach Ort und Anlass galt es, einen bestimmten Dresscode einzuhalten. Die wallenden, bevorzugt in hellen Farben gehaltenen leichten Sommerkleider waren aufwendig mit Rüschen, Spitzen und Volants besetzt. Die Männer trugen schwarze Sakkos und Krawatte. Ein – bei den Damen mit bunten Bändern und Blumen geschmückter –Sonnenhut und Lederhandschuhe waren bei einem Ausflug aufs Land obligatorisch. Wer mochte, trug einen Stock, einen Fächer oder einen Sonnenschirm mit sich.Neben den einfacheren Kleidern für die Landpartie besaß die gut situierte Oberschicht je nach Anlass mehrere elegantere Stadtkleider. Für den Cafébesuch wurde natürlich nicht dieselbe Kleidung wie für das abendliche Dinner, den Besuch des Opernballs oder der Theaterpremiere getragen. Stock und Zylinder waren nach wie vor für den Mann und der das Gesäß auspolsternde „Cul de Paris“ sowie eine große beutelartige Handtasche für die Frau ein Muss.

Claude Monet (1840-1926), Auguste Renoir (1841-1919) und Edgar Degas (1834-1917) – um nur die drei bekanntesten französischen Vertreter dieser Epoche zu nennen – fingen mit ihren Werken nicht nur zahlreiche flüchtige Augenblicke des modernen gesellschaftlichen Lebens ein, sondern fungierten gleichzeitig als Spiegel der damaligen Modewelt. Unter diesem Blickwinkel sind in der aktuellen Ausstellung L’impressionnisme et la mode im Musée d’Orsay in Paris noch bis zum 20. Januar 2013 neben den impressionistischen Gemälden originale Hüte und historische Kleidungsstücke ausgestellt. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist das von Albert Bartholomé (1848-1928) gemalte Porträt seiner Frau Prospérie (1849-1887) in einem weiß-blau gepunkteten Sommerkleid, das neben dem Gemälde durch eine Glasvitrine geschützt im Original bewundert werden kann. Nähere Informationen über den Impressionismus, seine Geschichte und seine Vertreter finden Sie auch in dem von Parkstone-International herausgegebenen reich bebilderten E-Book Impressionismus.

 

-C.Schmidt

Author: Parkstone International

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