Frida Kahlo und Diego Rivera: Leidenschaft, Politik und Malerei

Diego schoss einmal auf ein Grammophon während einer von Tinas Partys. Das war zu der Zeit, als ich mich für ihn interessierte, obwohl ich mich vor ihm fürchtete.“ Frida Kahlo

Wenn sich zwei exzentrische Künstler ineinander verlieben – und das lehrt uns nicht nur Hollywood – geht das in der Regel nicht gut aus. Und in der Tat konnte man die im Jahr 1929 zwischen Diego Rivera (1886-1957) und Frida Kahlo (1907-1954) geschlossene Ehe nicht gerade als gesund bezeichnen. Die beiden gaben schon vom Erscheinungsbild her ein ungleiches Paar ab: Rivera, der stämmige Revolutionär und die zwanzig Jahre jüngere und neben ihm noch kleiner und zierlicher wirkende Kahlo – „petite, eine kleine Puppe neben Diego“, notierte der Fotograf Edward Weston (1886 – 1958) bei seiner ersten Begegnung mit Kahlo in seinem Tagebuch, „aber eine Puppe nur der Größe nach, weil sie stark und ziemlich schön ist.

Frida Kahlo, Frida und Diego Rivera, 1931.
Öl auf Leinwand, 100 x 79 cm.
San Francisco Museum of Modern Art, San Francisco.

Anders als bei dem akademisch ausgebildeten Rivera, trat die Malerei ganz plötzlich und unter negativen Umständen in Frida Kahlos Leben: Bei einem Busunglück im Jahr 1925 bohrte sich eine Stahlstange durch ihr Becken. Für lange Zeit ans Bett gefesselt, begann sie aus reinem Zeitvertreib zu malen. Damit sie sich selbst als Modell dienen konnte, befestigte ihre Mutter einen Spiegel an ihrem Bett. Während Rivera in seinen großformatigen Historiengemälden das gesellschaftliche Leben von Mexiko darstellte und die Anhänger der mexikanischen Revolution von 1910 idealisierte, bannte sie ihr Inneres auf die Leinwand, umgab sich auf ihren intimen, selbstreflektiven Selbstporträts mit einer Vielzahl von Puppen und Tieren und schuf sich so ihre eigene, farbenfrohe Realität.

Frida Kahlo, Diego und ich, 1949.
Öl auf Holzfaserplatte, 61 x 45 cm.
Privatsammlung, New York.
Diego Rivera, Volkstümliche Geschichte Mexikos, 1953.
Mosaik. Theatro de los Insurgentes, Mexiko-Stadt.

Nach zahlreichen Affären und Streitigkeiten und der ständigen Eskapaden ihres Mannes überdrüssig, ließ sich Kahlo 1939 von ihm scheiden, heiratete ihn jedoch ein Jahr später erneut. Die Malerei half ihr, ihren körperlichen und seelischen Schmerz, ihre Selbstzweifel und Beziehungsprobleme zum Ausdruck zu bringen und diese so gut es ging zu bewältigen. Anders als Rivera, der hauptberuflich Hunderte von großen Fresken schuf und zu Lebzeiten des Künstlerpaares als bedeutendster Wandmaler Mexikos galt, schuf Kahlo zeit ihres Lebens weniger als 150 kleinformatige Werke, eine Zahl, die, gemessen an Riveras umfangreichem und gefeiertem Werk wahrlich nicht groß ist. Und dennoch konnte sie sich später mit ihren Arbeiten nben ihrem Mann als eigenständige, autodidaktische Künstlerin behaupten.

Die aktuelle Ausstellung Frida & Diego: Passion, Politics and Painting in der Art Gallery of Ontario präsentiert noch bis zum 20. Januar 2013 mehr als 80 Arbeiten und mehr als 60 Fotografien des Künstlerehepaares. Die Werke stammen aus den drei mexikanischen Privatsammlungen Museo Dolores Olmedo, Colección Gelman und der Galería Arvil und offenbaren die dramatische Lebensgeschichte des Paares, ihre Leidenschaft füreinander und für die revolutionäre Kultur Mexikos der 1920er und 1930er Jahre.

Die dramtische Geschichte des Paares, ergänzt durch zahlreiche Farbbabbildungen, Briefe und Tagebucheinträge können Sie auch in den im Verlag Parkstone-International erschienenen Büchern Frida Kahlo & Diego Rivera, Frida Kahlo – Hinter dem Spiegel, Kahlo und Rivera nachlesen.

 

-C.Schmidt