Erotische Meisterwerke
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Erotische Kunst und Sexualität in der Neuzeit – Die Revolution des Körpers

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem 1000 Erotische Meisterwerke (ISBN: 9781783109395), von Hans-Jürgen Döpp, Joe A. Thomas und Victoria Charles, herausgegeben von Parkstone International.

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Die 1960er Jahre waren eine Zeit umwälzender Veränderungen in der Geschichte der Sexualität. Von zentraler Bedeutung war die Entwicklung der Anti-Baby-Pille, die es den Frauen erstmals erlaubte, ohne Angst vor Schwangerschaft die Sexualität zu genießen. Die “Pille” kam 1960 in den USA auf den Markt und fand rasch in der gesamten entwickelten Welt Verbreitung. Diese neue und einfache Form der Verhütung sorgte für ein Gefühl der sexuellen Freiheit und war die Basis der berühmten sexuellen Revolution der 1960er Jahre.

Diese Revolution bestand in erster Linie aus einer Veränderung der Einstellungen. Die internationale Verbreitung der Forschungsergebnisse Alfred Kinseys über das sexuelle Verhalten beider Geschlechter hatte schon in den 1950er Jahren die Kluft zwischen der vielfältigen sexuellen Praxis und dem in der Öffentlichkeit propagierten jüdisch-christlichen Sexualideal offenbart. Das eigentlich revolutionäre an der sexuellen Revolution war die Bereitschaft des Durchschnittsbürgers, offen und häufig über die Sexualität zu sprechen. Dieser Wandel wurde nicht nur durch soziale und wissenschaftliche Entwicklungen wie “die Pille” befördert, sondern auch kulturelle Komponenten, wie die wachsende Popularität der Zeitschrift Playboy und die Instrumentalisierung der Sexualität in der Werbung, spielten eine wichtige Rolle.

Mel Ramos, Velveeta, 1965, erotische kunst und sexualität
Mel Ramos, Velveeta, 1965. Öl auf Leinwand, 152 x 178 cm. Sammlung von Louis K. Meisel, New York (Vereinigte Staaten). Art © Mel Ramos / Licensed by VAGA, New York, NY.

Auch die Mode, etwa Mary Quants Minirock oder Rudi Gernreichs brustfreier Badeanzug für Frauen, betonte die Sexualität. Autoren wie Norman O. Brown und Herbert Marcuse glorifizierten die Sexualität als einen Weg zur spirituellen Erfüllung des Individuums und des politischen und gesellschaftlichen Wandels. An den Künstlern der 1960er Jahre gingen diese Entwicklungen selbstverständlich nicht spurlos vorüber. Die Pop-Künstler Europas und Nordamerikas, die ihre Motive ja aus der Populärkultur bezogen, waren die ersten, die die neuen sexuellen Trends thematisierten. Martial Raysse in Frankreich und Tom Wesselmann in den USA kommentierten durch weibliche Akte, die ihren Ursprung in den Massenmedien hatten, die Kommerzialisierung der Sexualität. Gleichzeitig verwendete eine ältere Künstlergeneration weiterhin sexuelle und erotische Motive für die Artikulation persönlicherer und emotionalerer Bedeutungen. In dem sexuell freizügigeren Klima der 1960er Jahre konnte Hans Bellmer dann auch bis dahin unterdrückte Werke der erotischen Literatur wie die Abhandlung über Moral illustrieren.

Die 1970er Jahre waren in vielerlei Hinsicht die Erfüllung der sexuellen Revolution der 1960er Jahre. Die allgemeine Unruhe kulminierte in den internationalen Protesten des Jahres 1968. Danach konnte eine neu befreite Gesellschaft ungehindert eine Vielzahl neuer Möglichkeiten nutzen. Besonders wichtig war die Entstehung des Feminismus, der damals noch unter dem Namen Women’s Lib (Women’s Liberation; “Befreiung der Frauen”) firmierte. Einer der wichtigsten Aspekte der Frauenbewegung war die durch die Anti-Baby-Pille ermöglichte neue sexuelle Freiheit. Die Frauen konnten nun selbst über ihre Sexualität bestimmen und waren nicht länger passive Objekte männlicher heterosexueller Bedürfnisse. Mit dieser Entwicklung ging die Emanzipation der Schwulen einher.

Peter Phillips, Art-O-Matic Cudacutie, 1972, erotische kunst und sexualität
Peter Phillips, Art-O-Matic Cudacutie, 1972. Acryl auf Leinwand, 200 x 400 cm. Galerie Neuendorf, Frankfurt am Main (Deutschland).

Zum ersten Mal seit den zögernden Versuchen eines Magnus Hirschfeld während der Weimarer Republik begannen die Homosexuellen nun, ihre sexuelle Identität selbstbewusst in die Öffentlichkeit zu tragen. Die visuelle Kunst war durch einen großen Pluralismus gekennzeichnet. Während ein großer Teil der Kunstwelt sich kühlen, konzeptuellen Werken zuwandte, widmeten sich andere Künstler weiterhin erotischen Themen. Hier ist besonders die Betonung der weiblichen sexuellen Aktivität durch die wachsende Anzahl einflussreicher Künstlerinnen wie etwa Judy Chicago zu nennen. Ihre Dinner Party thematisierte abstrahierte weibliche Genitalien als einen Kommentar zum vergessenen weiblichen Beitrag zur Geschichte des Menschen.

Seit dieser Zeit sind Erotik und Sexualität in einem breiten Spektrum von Medien nicht mehr wegzudenken. Trotz erbitterten Widerstands – vor allem durch die organisierten Religionen der Welt – haben die Errungenschaften der sexuellen Revolution die Gesellschaft grundlegend verändert. Die Erotik und die Sexualität sind nicht zuletzt in Musik, Film, Malerei und Bildhauerei zu einem integralen Bestandteil unserer zeitgenössischen Kultur geworden.

Helen Chadwick, The Oval Court (Der ovale Hof), 1984-1988, erotische kunst und sexualität
Helen Chadwick, The Oval Court (Der ovale Hof), 1984-1988. Installation.

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