Historisch Seekarten
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Seekarten im Wandel der Zeit: Navigation auf den großen Reisen der Geschichte

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Historische Seekarten von Donald Wigal, herausgegeben von Parkstone International.

Landkarten, selbst solche aus früheren Jahrhunderten, beeinflussen unser aller Leben. Sie sind ein wichtiges Instrument zur Befriedigung ganz praktischer Alltagsbedürfnisse. Aber über ihren bloßen Nutzwert hinaus verkörpert jede einzelne Landkarte auch die Zeit, aus der sie stammt. Die in Museen zu bewundernden Originale historischer Seekarten, ja schon ihre gerahmten Reproduktionen an einer Wand, üben eine starke Romantik aus.

Von der Ostsee bis zum Niger, 1413, Historische Seekarten
Von der Ostsee bis zum Niger, 1413. Mecia de Viladestes. Pergament, 85 x 115 cm. Bibliothèque nationale de France, Paris. (Karte 12)

In einem Gemälde von Jan Vermeer (1632 bis 1675) kann eine Landkarte dazu dienen, eine Geschichte innerhalb einer Geschichte darzustellen. In Theaterstücken und Filmen signalisieren sie typischerweise die jeweilige Epoche und im Roman werden sie vielfach eingesetzt, um den Leser an die Welt außerhalb des Romankosmos zu erinnern. Hier ein Beispiel aus Herman Melvilles (1819 bis 1891) Moby Dick:

Wäre man Kapitän Ahab hinunter in seine Kabine gefolgt … dann hätte man ihn zu einem Schließfach im Querbalken gehen, eine große, zerknitterte Rolle gelblicher Seekarten hervorholen und sie vor sich auf seinem am Boden festgeschraubten Tisch ausbreiten sehen können. Nachdem er sich hingesetzt hatte, hätte man ihn dabei beobachten können, wie er aufmerksam die sich seinem Auge darbietenden verschiedenen Linien und Farbabstufungen studierte und mit langsamen, aber festen Strichen an vorher leer gewesenen Stellen neue Wege hinzufügte. Hin und wieder schlug er in Stapeln alter Logbücher nach, in denen die Jahreszeiten und Orte verzeichnet waren, an denen auf früheren Reisen verschiedener anderer Schiffe Pottwale gefangen oder gesichtet worden waren.

Orbis Typus Universalis Iuxta Hydrographorum Traditionem Exactissime Depicta, 1522, Historische Seekarten
Orbis Typus Universalis Iuxta Hydrographorum Traditionem Exactissime Depicta, 1522. Neubearbeitung durch Laurent Fries der von Martin Waldseemüller 1503 erstellten ptolemäischen Karte für die Veröffentlichung. Biblioteca Nazionale Marciana, Venedig.

Eine Landkarte bildet aber nicht nur Orte ab, sondern sie kann uns auch helfen, die Welt mit den Augen der Menschen ihrer Zeit zu sehen. Auf diese Weise ist jede einzelne Karte eine unschätzbare Momentaufnahme aus dem nie endenden Fotoalbum der Menschheit. Dies gilt ganz besonders für alte Landkarten. Mit ihnen sehen wir die Welt aus dem Blickwinkel des Menschen der Vergangenheit.

Die Vorstellung des Kartographen mag sich später durchaus als unzulänglich, ja sogar als falsch erweisen. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass seine Karte von einer anderen, einzigartigen Wirklichkeit berichtet, die sonst häufig nicht hätte enthüllt werden können.

Miller-Atlas (Indien und Arabien), um 1519, Historische Seekarten
Miller-Atlas (Indien und Arabien), um 1519. Lopo Homem und andere. Pergament, 41,5 x 59 cm. Bibliothèque nationale de France, Paris. (Karte 31)

Wahrscheinlich begibt sich jeder einzelne Kartograph auf seiner mutigen Reise nicht nur zu den wiedergegebenen Orten, sondern auch in die Zukunft. Wie in Aleksander Puschkins (1799 bis 1837) Drama über den Zaren Boris Godunow (um 1551 bis 1605) der alternde Mönch und Chronist Pimen war vermutlich jeder zuversichtlich, dass „… ein Tag kommen wird, an dem ein fleißiger Mönch meine eifrigen, namenlosen Mühen ans Tageslicht bringen wird, wie ich seine Lampe entzünden, vom Pergament den Staub der Jahrhunderte schütteln und dann meine Chronik niederschreiben wird.“

Ludwig XIV gibt Kapitän La Pérouse in der Anwesenheit des Marquis de Castries, Ministerium der Flotte, Anweisungen für seine Forschungsreise um die Welt, 29. Juni 1785, 1817
Ludwig XIV gibt Kapitän La Pérouse in der Anwesenheit des Marquis de Castries, Ministerium der Flotte, Anweisungen für seine Forschungsreise um die Welt, 29. Juni 1785, 1817. Nicolas André Monsiau (1754-1837). Öl auf Leinwand, 272 x 227 cm. Château de Versailles, Versailles.

Der venezianische Kartograph Fra Mauro (um 1385 bis 1459) war ein solcher fleißiger Mönch. Er brachte in der Tat die Arbeiten mehrerer Vorgänger ans Tageslicht und leistete auf diese Weise etwa um 1450 einen wichtigen Beitrag zum Übergang vom finsteren Mittelalter zum Beginn der modernen Welt. Mauro gehörte zu jener Generation, die zur Geburtsstunde dieses wichtigen Zeitalters arbeitete, d.h. mehr als dreißig Jahre vor der berühmten Reise des Christoph Kolumbus (1451 bis 1506) in die Neue Welt im Jahre 1492.

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