Zigarrenbauchbinde
Art,  Deutsch

Elegant eingewickelt – Die Welt der Zigarrenbauchbinde

In unseren Videos haben wir das Video „Eine Person hält eine Zigarre“ von Kelly von Pexels verwendet.

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Die Welt der Zigarrenbauchbinde (ISBN: 9781780428901) von Philippe Mesmer, herausgegeben von Parkstone International.

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Man schreibt das Jahr 1348: der englische Hof ist im Palast des Königs versammelt. Getreu den Regeln des Ritterstandes plaudern die Edelleute mit den von der Minne schwärmenden Damen des Hofes. Einer in dieser Runde ist Eduard III., Sohn Eduards II. und Isabellas von Frankreich. Da passiert es: ein Strumpfband löst sich vom linken Bein der Gräfin von Salisbury und rutscht zu Boden. Angesichts des maliziösen Lächelns der Höflinge hebt der König das blaue Stoffband auf mit den Worten: „Honi soit qui mal y pense!„ – „Ein Schelm, der Arges dabei denkt!” und setzt hinzu, dass manch einer der Spötter sich glücklich geschätzt hätte, eine solche Trophäe selbst zu erobern. So entstand der Hosenbandorden, der vierzig der berühmtesten Adligen des Königreiches vereinte. Die Mitglieder wurden aufgrund ihrer Heldentaten in den Orden aufgenommen, folgten den Idealen des legendären Königs Arthur und dienten damit allen Rittern Englands als leuchtendes Vorbild.

So hat ein weibliches Wäscheaccessoire einem der höchsten Ritterorden zu seinem Namen verholten. Ursprünglich rein praktischer Natur, ist so das Strumpfband in den Adelsstand erhoben worden. Dieses zarte Band, ein das Bein umschmeichelnder Stoff, der dessen Schönheit betont, indem er seine Blöße raffiniert verdeckt, weckt von nun au ebenso den Ehrgeiz der Männer, wie er bisher schon ihre Leidenschaft entfachte.

Grand Council, Zigarrenbauchbinde

Genauso reizvoll ist die Zigarrenbauchbinde, denn ohne sie wäre die Zigarre schlichtweg zu nackt und verlöre ihre Eleganz. So wie das Strumpfband fesselt auch die Bauchbinde den Blick des Betrachters, bevor sie ihm erlaubt, sich von ihr zu lösen und weiter über den schlanken braunen Zigarrenkörpe zu schweifen. Seit mehr als hundertfünfzig Jahren geht sie in den mannigfaltigsten Erscheinungsformen ihren Weg, zieht alle Register der Verführungskünste, werbend, sich der Gunst der Großen unterwerfend.

Von der Poesie einer Rose bis zum Säbelrasseln eines deutschen Kaisers, von der Kraft eines Löwen bis hin zum Lächeln eines Kinderstars ist sie die Begleiterin unserer gesellschaftlichen Entwicklung, unserer technischen Fortschritte und unserer Phantasien.

Hunderttausende der unterschiedlichsten Bauchbinden sind so entstanden, und eine solche Vielfalt mußte einfach die Herzen eingefleischter Sammler berühren und sie verführen. Dieser, in anderen Sprachen als Vitolphilie bezeichneten, Leidenschaft sind viele verfallen. Clubs wurden gegründet, in denen sich die Bauchbinden- Liebhaber, die aficionados, treffen, wo sie kaufen und verkaufen oder auch tauschen wollen und nicht zuletzt einander vitolphilistische Abenteuergeschichten erzählen.

Anekdoten über die Eroberung oder den Erwerb besonders seltener Exemplare sind unter den Eingeweihten an der Tagesordnung. So wie die eines Sammlers, der an einem Vitolphilisten-Treffen in Brüssel teilnahm. Gleich zu Beginn zog die ‘Ballerinenserie’ seinen Blick auf sich.

Er wollte diese seltene und hochwertige Sammlung gern besitzen, doch fehlten an den Exemplaren die Klebeenden. Er erwarb sie dennoch, allerdings zu einem Drittel des angesetzten Preises, und kommentierte seinen Kauf mit den Worten: „Sie sind zwar hübsch anzusehen, aber tanzen können diese Ballerinen schließlich nicht mehr!”

Im Jahre 1934 wurde in den USA die International Cigar-Band Company gegründet, die zwar inzwischen nicht mehr besieht, aber zu ihren Mitgliedern unter anderem auch den irischen Schriftsteller George Bemard Shaw, Autor u.a. von Pygmalion zählte, dem Stück, das George Cukor später als Vorlage für die Verfilmung als My fair Lady mit Audrey Hepburn diente.

Der erste europäische Club wurde 1949 in Spanien ins Leben gerufen. Dieser war es auch, der dem Sammeln von Bauchbinden den Namen Vitolphilie gab, abgeleitet von dem spanischen Wort vitola (Messlehre, Holzbrettchen zum Kalibrieren von Zigarren), mit dem auch jede Spitzenzigarre ihrer Art bezeichnet wird. Den Vorsitz dieses Clubs führt heute der berühmte Spezialist F. Giménes Caballero.

Valentinstag, Zigarrenbauchbinde
Seit dem 15. Jahrhundert atmet das Herz, das Symbol der Liebe, am Valentinstag lief auf. Diese Bauchbinden wurden unter einem guten Stern, dem Symbol für Hoffnung, geboren.

Als nächstes wurden auch in Belgien und Frankreich Vereinigungen von Vitolphilisten gegründet. In der Folge erfaßte die aufblühende Leidenschaft immer mehr Sammler. Besonders erwähnenswert sind zwei belgische Clubs, einer davon in Gent, der andere in Antwerpen. Die Bauchbinde fesselt nicht nur den Sammler, sondern hat sogar zur Gründung einiger Museen geführt, eines davon ist in Deutschland, in Delmenhorst, beheimatet.

Wen nimmt es Wunder, dass der Vitolphilie, die ja Liebhaber aus allen Gesellschaftsschichten und Altersstufen zusammenbringt, längst auch zahlreiche Internetseiten gewidmet sind. Dieses neue Kommunikationsmedium ermöglicht es, bisher unbekannte Sammlungen zu entdecken, Tausch- und Kaufgeschäfte abzuwickeln oder auch ganz einfach weltweit an Diskussionen mit Gleichgesinnten teilzunehmen. Die meisten lnternetseiten zum Thema Bauchbinden gibt es in den USA und Deutschland.

Es genügt, das Wort „Bauchbinde„ oder „cigar bands” in eine Suchmaschme einzugeben, und schon erhält man eine Flut, von Einträgen. In Chicago zum Beispiel hat Scott Tomlin eine Webseite eingerichtet, auf der eine nach Themen gegliederte Sammlung von Zigarrenbauchbinde auf schwarzem Hintergrund zu bewundern ist.

La Nobleza, Zigarrenbauchbinde
Eine Serie, die von Hermann Schött für die kanadische Marke La Nobleza herausgegeben wurde.

Wenn es sich der vorliegende Band auch in erster Linie zur Aufgabe gemacht hat, den besonderen Reiz und die Schönheit verschiedener Exemplare hervorzuheben, so sollen dabei doch die Geschichte und die Kunstfertigkeit ihrer Schöpfer nicht ausgeschlossen werden.

Über die Ursprünge der Bauchbinden ist nach wie vor wenig bekannt. Die ersten Modelle, die in der Zeit vor 1850 entstanden, entsprangen der Phantasie von Männern und Frauen, denen es einzig und allein um Raffinesse ging. Ihre eigentliche Bestimmung erhielt die Bauchbinde erst später durch einen Geniestreich des Zigarrenfabrikanten Gustave Antoine Bock: er hatte die Idee, dass sie die Zigarrenmarke verkörpern sollte. Die Umsetzung dieses Geistesblitzes öffnete wiederum dem Einfallsreichtum von Druckern Tür und Tor, die wahre Meisterwerke hervorbrachten. Aber nach dem Ersten Weltkrieg, mit dem Beginn der Ära von Werbung und Massenkonsum, war das Goldene Zeitalter der Bauchbinde vorüber.

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Die Welt der Zigarrenbauchbinde

Um einen besseren Einblick in Die Welt der Zigarrenbauchbinde zu erhalten, setzen Sie dieses spannende Abenteuer fort, indem Sie auf:

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