Der geheime Schatz Persiens: Verlorene Pracht, heute wiederentdeckt
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Die Kunst Persiens (ISBN: 9781783106967) von Vladimir Lukonin und Anatoly Ivanov, herausgegeben von Parkstone International.
Im Altertum (beginnend spätestens mit der Epoche der Meder) sind die Prestigeobjekte diejenigen, die unmittelbar mit der herrschenden Dynastie verbunden sind, die auf Bestellung der Herrscher des Iran direkt an deren Höfen angefertigt wurden und somit ihren Geschmack und die zu dieser Zeit vorherrschende Ideologie reflektieren. Man sollte sie vielleicht besser „proklamativ” nennen. Sie gehören alle zu einer bestimmten Periode in der Geschichte des Alten Orients, zur Periode der „Weltmächte“, und vermitteln ein umfassendes Bild vom Niveau der Kunst in diesem Gebiet und nicht nur einzelner Dynastien. Für diesen Zeitraum ist die zeitliche Einordnung in Abhängigkeit von den Dynastien jedoch die einzige Möglichkeit wissenschaftlicher Periodisierung. Im Mittelalter kam die Rolle der „proklamativen“ Kunstwerke anderen Objekten zu als im Altertum. Das lag in den grundlegenden Veränderungen des staatlichen Charakters, der Struktur und der Ideologie der Gesellschaft begründet. Man kann nicht sagen, dass im Mittelalter die Periodisierung nach Dynastien ihre Bedeutung ganz verloren hatte. Doch Dynastien zerfallen, haben nur noch lokale Bedeutung, und die Vielfalt der Themen wie auch die technischen Fertigkeiten verringern sich natürlich. Ebenso verändert sich der Prestigebegriff. Nicht mehr die Darstellung der Ideen der herrschenden Dynastien, sondern die Demonstration des sozialen Status spiegelt sich in den Kunstgegenständen wider. Ansehen wird nicht mehr durch Herkunft, sondern durch Reichtum und Einfluss bestimmt.





Für diese Epoche ist es bedeutend schwieriger, allgemeine Modelle der Kunstentwicklung zu schaffen. Grund dafür sind die zunehmende Dezentralisierung, die Erweiterung des Umfangs der Prestigeobjekte, die neu auftretenden Schwierigkeiten bei ihrer Interpretation und schließlich die Annäherung der Prestigeobjekte an die handwerklichen Erzeugnisse. Es ist derzeit nur möglich, die Kunstgegenstände nach „technischen“ Merkmalen chronologisch einzuordnen, d. h. auf der Grundlage der Auswertung der Massenprodukte, vor allem der handwerklichen Objekte. Wenn wir bestimmte Etappen der Kunstentwicklung des Iran im Mittelalter beobachten, können wir dabei nicht sagen, wodurch die bedeutenden Veränderungen in verschiedenen Kunstrichtungen hervorgerufen wurden, ja wir wissen nicht einmal in allen Fällen, ob es sich überhaupt um solche Veränderungen oder nur um einen Wandel technischer Verfahren oder des Zeitgeschmacks handelt.
Die in dieser Einführung getroffenen Feststellungen sind längst nicht alle ausreichend begründet, viele von ihnen sind umstrittene Hypothesen. Somit kann es ohne Weiteres geschehen, dass es uns genau so geht wie dem Sohn eines Padischah in einer Geschichte von Dschalal ad-Din ar-Rumi. Der Sohn dieses Padischahs beschäftigte sich einst mit dem Studium der Magie und lernte, Gegenstände, die er nicht sehen konnte, zu erraten. Sein Vater hielt einen Ring mit einem Edelstein in der Hand und fragte: „Was ist das?“ Der Sohn antwortete, dass der Gegenstand rund sei, eine Beziehung zu Mineralien hätte und in der Mitte mit einer Öffnung versehen sei. „Was ist es denn aber nun?“ wollte der Vater genauer wissen. Nach langem Überlegen antwortete der Sohn: „Ein Mühlstein…“

Seit mehr als hundert Jahren wird in der Fachliteratur die Frage diskutiert, wann und auf welchen Wegen die iranischen Völker, vor allem die Meder und Perser, auf das Iranische Plateau gekommen sind. Die Namen dieser Völker tauchen erstmals in assyrischen Texten des 9. Jahrhunderts v. Chr. auf (die früheste Erwähnung finden sie in einer Inschrift aus der Zeit des assyrischen Königs Salmanasar III., um 843 v. Chr.). Wissenschaftler haben jedoch die iranischen Namen einiger Herrscher und Orte bereits in noch früher entstandenen Keilschrifttexten gefunden. Entsprechend einer der meist diskutierten Theorien erfolgte die Ansiedlung der iranischen Stämme auf dem Gebiet des heutigen Iran im 11. Jahrhundert v. Chr., wobei die Wanderungswege, zumindest des größten Teils dieser Stämme, über den Kaukasus führten. Eine der anderen Theorien geht davon aus, dass die iranischen Stämme aus dem Territorium Mittelasiens ihren Weg zur Westgrenze des Hochlands des Iran gefunden haben (um das 9. Jahrhundert v. Chr.). In jedem Fall handelte es sich um ein allmähliches Eindringen einer neuen ethnischen Gruppe in ein in sprachlicher Hinsicht außerordentlich zersplittertes Gebiet. Außer den von Assyrien und Elam beherrschten Territorien gehörten zu ihm auch noch Dutzende kleiner Fürstentümer und Stadtstaaten. Die iranischen Stämme, Viehzüchter und Ackerbauern, die sich als erste in diesen zu Assyrien, Elam, Urartu und dem Land der Mannäer gehörenden Gebieten niederließen, gerieten unter die Herrschaft der Machthaber dieser Staaten.
Diese beiden Probleme, die Wege des Vordringens der iranischen Stämme in das Hochland und die Formen ihrer Einbürgerung in die verschiedenartigen Urbevölkerungsgruppen des heutigen Iran im 12. und 11. Jahrhundert v. Chr. scheinen nur indirekt mit der Kulturgeschichte und der Entwicklung der Kunst des Landes verbunden zu sein. Doch gerade sie waren es, die die Anregung zu einem gezielten und territorial sehr breit gefächerten Forschungsprogramm der vor- und frühiranischen Epoche oder, um einen archäologischen Begriff zu verwenden, der Eisenzeit des Iran, gaben. Als Ergebnis intensiver Forschungen im Iran von Archäologen vieler Länder, beginnend in den 50er Jahren bis hin zur heutigen Zeit, kam der Großteil der Forscher zu der Ansicht, dass die in den westlichen Gebieten des Iran (Zagros) in der Periode der Ersten Eisenzeit (etwa 1300 bis 1000 v. Chr.) auftauchenden neuen Stämme den Charakter der materiellen Kultur dort einschneidend veränderten. Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass dieses Eindringen „sehr deutlich und in einer dramatischen Art und Weise“ vor sich ging. Es treten markante Veränderungen in Form und Ornamentik der Keramik auf; anstelle bemalter Gefäße erscheinen in völlig neuen Formen solche aus grauem oder rotem Ton, so genannte „Teekannen“, Pokale mit hohem Fuß, Tripoden, usw. Die Begräbniszeremonien veränderten sich: außerhalb der Stadtmauern entstanden ausgedehnte „Friedhöfe“, erstmals erfolgen Beisetzungen in so genannten „Steinkästen“ oder Zisten u. a. m.

Später, in der Epoche der Zweiten (1000 bis 800 v. Chr.) und Dritten Eisenzeit (800 bis 550 v. Chr.) vollzogen sich die Veränderungen allmählich innerhalb dieser einheitlichen Kultur, deren tragende Elemente von außen kamen. Ihre zunächst räumlich begrenzte Verbreitung in Zagros scheint dem Prozess der Ansiedlung iranischer Stämme, die uns aus schriftlichen Quellen bekannt sind, im Prinzip nicht zu widersprechen. Noch später (während der Dritten Eisenzeit) eroberte sich diese Kultur ein umfangreiches, praktisch den gesamten westlichen Iran umfassendes Gebiet. Diese Verbreitung hängt möglicherweise mit der Entstehung und Expansion des medischen und des persischen Staates zusammen.
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