Die symbolistische Magie von Gustave Moreau
Der 1828 in Paris geborene Gustave Moreau gilt heute als einer der größten symbolistischen Maler. Seine Karriere spielte sich vor allem in seiner Heimatstadt Paris ab. Er stellte hier in den unterschiedlichen Salons aus und wurde hier von der Ehrenlegion geehrt. Als Sohn eines Architekten erhielt Moreau bereits in jungen Jahren eine klassische Bildung. Er war erst acht Jahre alt, als er die Begabung, die ihn zu einem großen Zeichner machen sollte, zu entwickeln begann. Er sollte während seines gesamten Lebens Kopien, Zeichnungen und Fotografien von Werken sammeln, die er bewunderte und die ihm oft als Inspirationsquelle dienten.
Nachdem er zunächst Kurse in der Rollins-Kunstschule in Paris besucht hatte, unternahm Moreau 1841 seine erste Italienreise, in deren Verlauf er ein Skizzenbuch mit Zeichnungen füllte. Anschließend frequentierte er das Privatatelier des Malers François-Edouard Picot, ein Dekorateur öffentlicher Monumente und Pariser Kirchen. Diese Erfahrungen machten ihn zu einem geeigneten Kandidaten für die Aufnahme in die école des Beaux-Arts in Paris, bei der er sich 1846 bewarb. Er wurde aufgenommen, verließ die Einrichtung 1849 jedoch nach zwei vergeblichen Versuchen, den Prix de Rome zu gewinnen.

Moreau reiste abermals nach Italien und vertiefte seine Kenntnisse der Meister der Renaissance, darunter Raffael, Carpaccio, Veronese und sogar Michelangelo, dessen Fresken in der Sixtinischen Kapelle er Stunden lang kopierte. Zurück in Paris, übte Moreau sich weiterhin in Kopien der im Louvre ausgestellten alten Meister. Schon bald spiegelte sein Werk die Vielfalt seiner zahlreichen Einflüsse und indirekten Inspirationen wider. Es war jedoch seine Begegnung mit Théodore Chassériau im Jahr 1851, die Moreaus Arbeiten schließlich große Kraft verleihen sollte. Moreau war sehr beeindruckt von den Arbeiten dieses berühmten Ingres-Schülers und ahmte die Intensität von Chassériaus Farbtönen nach, vor allem die Tiefe seiner Braun- und Rottöne. Moreaus stets technisch brillante Gemälde waren durch die Dynamik ihrer unvergleichlichen Farben mit einem höchst persönlichen Symbolismus gesättigt, der den Leser in eine Fantasiewelt entführte, in der Träume und Mythologie miteinander verschmolzen.
Als er 1964 im Salon Oedipus und Sphinx ausstellte, wurde Moreau sowohl von der Kritik als auch der Öffentlichkeit scharf angegriffen, weil die Menschen nicht in der Lage waren, die gleichzeitig wilde und menschliche geflügelte Kreatur als ein kraftvolles Beispiel einer rein symbolischen Kunst zu erkennen. Der visionäre Künstler musste zwölf Jahre warten, bis die Qualität seiner Werke anerkannt wurde. Erst 1876, als die Besucher des Salons sein Gemälde Die Erscheinung sahen, öffneten sie ihre Augen für die Schönheit seiner Arbeiten. Der Kopf von Moreaus Johannes dem Täufer, der nicht auf einer Platte, sondern frei schwebend zu sehen ist, sorgte für eine Sensation.

Moreau stellte das Gemälde, das ihm die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit eingebracht hatte, 1878 noch einmal auf der Weltausstellung aus. Zu diesem Zeitpunkt galt er aber bereits allgemein als ein wichtiger Vertreter des französischen Symbolismus. Moreau wurde 1888 in die Académie des beaux-arts gewählt und dann 1892 zu einem Professor an der école des Beaux-Arts ernannt.
Gustave Moreau starb 1898 in Paris. Der berühmte Maler hatte noch ein spätes Meisterwerk geschaffen, als er einige Jahre zuvor den letzten Pinselstrich an Jupiter und Semele tat. Wenn ein Gemälde in der Lage wäre, das gesamte Oeuvre dieses großen Symbolisten zu verkörpern, kann es sich aufgrund seiner Intensität, seiner Einflüsse und seines großen Detailreichtums nur um dieses handeln.

Wenn Sie mehr über Gustave Moreau erfahren möchten, finden Sie weitere Informationen in unserem Buch: „Symbolismus“ (ISBN: 9781783103430), von Nathalia Brodskaïa, herausgegeben von Parkstone International.
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