Schamanismus und künstlerischer Ausdruck in der sibirischen Kultur
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Die Völker des Hohen Nordens. Kunst und Kultur Sibiriens (ISBN: 9781639197842) von Valentina Gorbatcheva und Marina Federova, herausgegeben von Parkstone International.
Die Kunst Sibiriens umfasst eine reiche Palette kultureller Ausdrucksformen, die Jahrtausende umspannen und die verschiedenen Völker und ihre einzigartige Geschichte widerspiegeln, die diese riesige Region bewohnt haben. Von den komplizierten Holzschnitzereien der sibirischen Ureinwohner wie den Ewenken, Jakuten und Burjaten bis hin zu den lebendigen Textilien der Altai- und Tuva-Völker ist die sibirische Kunst durch ihre Verbindung zur Natur, zur Spiritualität und zur nomadischen Lebensweise gekennzeichnet. Schamanische Motive, die Tiere, Geister und Himmelskörper darstellen, sind in vielen Formen der sibirischen Kunst zu finden und dienen als visuelle Sprache zur Kommunikation mit der übernatürlichen Welt. Traditionelles Kunsthandwerk wie Töpfern, Korbflechten und Metallarbeiten zeugen von der Beherrschung von Materialien und Techniken, die oft über Generationen hinweg weitergegeben werden.
Die Ankunft des Buddhismus und des orthodoxen Christentums in Sibirien brachte neue künstlerische Einflüsse mit sich und führte zum Bau prächtiger Tempel, die mit farbenfrohen Fresken und komplizierter Ikonografie geschmückt sind. Trotz der Herausforderungen, die politische Umwälzungen und Modernisierung mit sich bringen, lassen sich sibirische Künstler auch heute noch von ihrem kulturellen Erbe inspirieren und setzen sich in ihren Werken mit Themen wie Identität, Globalisierung und Umweltbewusstsein auseinander. Durch seine Kunst bietet Sibirien ein Fenster in eine Welt, die sowohl alt als auch modern ist und in der sich Tradition und Innovation zu einer lebendigen und dynamischen Kulturlandschaft vereinen.

Sibirien gehört seit etwa dreihundert Jahren als natürliche östliche Erweiterung zum russischen Staatsgebiet. Es erstreckt sich vom Nördlichen Eismeer bis zu den Grenzen Kasachstans, der Mongolei und Chinas im Süden. Von Westen her reicht es vom Uralgebirge bis zum Pazifischen Ozean im Osten. Mit seinen acht Zeitzonen und einer über 20 Breitengrade reichenden Ausdehnung (von 50° bis 70° N) nimmt Sibirien mit einer Grösse von etwa 12,7 Mio. Quadratkilometern zwei Drittel des russischen Staatsgebietes ein.
Die meisten Europäer stellen sich Sibirien als ein abgeschiedenes, rauhes und unwirtliches Land vor, verlassen, eisig kalt, in dem die meiste Zeit des Jahres Dunkelheit herrscht. Doch Sibirien ist alles andere als einheitlich, denn man stösst hier von Norden nach Süden auf mehrere grosse Klimazonen, und mit seiner Eiswüste, der baumlosen Tundra, der Waldtundra, der Taiga, den Wald- und Trockensteppen, den Tiefebenen und Hochgebirgen liefert Sibirien ein sehr vielseitiges Bild.
Die zentralsibirische Ebene, die den größten Teil des Gebietes umfasst, wird im Norden, Osten und Süden von einem gigantischen Amphitheater aus Bergketten umsäumt: im Norden und Osten erreichen die Gipfel des Werchojansker Gebirgskamms eine Höhe von bis zu 2389 m. Im Süden grenzt Sibirien an das Sajangebirge (2930 m) und an das Altaigebirge (4506 m). Aus diesen Gebirgsketten entspringen auch die drei grössten sibirischen Flüsse: der Ob, der Jenissej (evenkisch “ioanessi” = “der grosse Fluss”) und die Lena. Für lange Zeit des Jahres (von etwa Oktober/November bis Mai/Juni) vom Eis bedeckt, fliessen die gewaltigen Wassermassen dieser Ströme etwa 4000 Kilometer weit durch ganz Sibirien, um schliesslich in das Nördliche Eismeer zu münden. Die arktischen Meere, die Karasee, die Laptevsee und die Ostsibirische See, die zehn Monate des Jahres unter einer dicken Eisdecke liegen, bilden die nördliche Grenze Sibiriens.

In diesen geographischen Breiten ist der nie auftauende Boden einzig von Geröll, Algen, Flechten und Moosen bedeckt. Die meisten Inseln wie auch die Küste der Taimyr-Halbinsel sind von der Eiswüste geprägt. Seehunde, Walrosse, Belugas und Eisbären haben in diesem Küstengebiet ihren ange-stammten Lebensraum.
Entfernt man sich vom Nordpol in Richtung Süden, so wird aus der Eiswüste allmählich Tundra. Es eröffnet sich eine endlose kahle Weite, in der einzig Flechten, Moose und kleine Bäumchen (zwergenhaft wirkende Arten der Birke, Weide u.a.), Blumen und Polargrasarten gedeihen.
Der Winter in der Tundra ist lang – zwischen acht und zehn Monaten – und sehr kalt. Ab Ende November weicht die Sonne dem Mond; die Polarnacht, die in der Tundra zwei bis drei Monate und in der Eiswüste bis zu sechs Monate dauert, bricht heran. Im Januar kehrt die Sonne wieder, die Tage werden allmählich länger, die Nächte kürzer – bis zu den Weissen Nächten der Arktis, dem Polartag, der von Mai bis Juli dauert und in dessen Verlauf die Sonne nicht untergeht. Die Sommer in der Arktis sind mit einer Durchschnittstemperatur von 5° bis 12° C kühl und kurz. Mitte August legt die Tundra ihr Herbstkleid an: das Blattwerk der Bäumchen wird braun, die Flechten und Moose färben sich grau, während die Pilze in grosser Zahl aus dem Boden schiessen und eine bunte Vielfalt von Beerenarten in verschiedensten Orangebis Rottönen reifen.

Die Tundra ist der natürliche Lebensraum des Rentiers (Karibu), des Polarwolfes, des Vielfrass, des Polarfuchses, der Lemminge, der Schnee-Eule (arktische Grossart), des Schneehuhns (dieser Vogel aus der Familie der Rebhühner ist der einzige, der unter der Schneedecke überwintert). Im Frühling ist der Hohe Norden Brutgebiet für viele Zugvögel: Gänse, Schwäne, Enten, Strandläufer, Möwen usw. ziehen hier ihren Nachwuchs heran.
Als Sumpflandschaft zählt die Tundra einige zehntausend zumeist kleiner und seichter Seen. Baron Eddel, der vor hundert Jahren die Unterläufe der Indigirka und der Kolyma bereiste, schrieb hierüber in seinen Memoiren: “Um auf einer Karte alle Seen einzutragen, würde es reichen, einen Pinsel in blaue Farbe zu tunken und damit das Papier zu bespritzen.”

Der sumpfige Charakter der Tundra rührt vom Dauerfrostboden Sibiriens her: seit Tausenden von Jahren ist der Boden bis in mehrere hundert Meter Tiefe gefroren und taut in der Sommerperiode nie über einige Zentimeter tief auf (man spricht hier vom “Weichboden”). Aufgrund dessen und trotz der sehr geringen Jahresniederschläge kann das Wasser im Erdreich kaum versickern und aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit der Ozeanluft auch nicht verdunsten.
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