Louis Comfort Tiffany
Art,  Art and Design,  Deutsch

Louis Comfort Tiffany: Meister des Glases, Wegbereiter des Designs

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Louis Comfort Tiffany (ISBN: 9781781609927) von Charles De Kay, herausgegeben von Parkstone International.

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Ich habe stets danach gestrebt, Schönheit in Holz, Stein, Glas oder Keramik, in Öl oder Aquarell festzuhalten, je nachdem, was dem Ausdruck der Schönheit am geeignetsten schien – das ist mein Credo. – Louis Comfort Tiffany

Während seiner Reisen durch England, Frankreich, Deutschland und Italien konnte es einem Maler mit einem Gefühl für Farbe nicht entgehen, dass der modernen Glasmalerei, wie sie in Europa produziert wurde, die grundlegende Qualität fehlte, die das bemalte Glasfenster vom Mosaik oder dem Wandgemälde unterscheidet, jene Qualität, ohne die das Buntglasfenster kaum eine Daseinsberechtigung hätte. Abgesehen von diesen bedauerlichen Fenstern kann man entgegenhalten, dass die wolkigen Himmel Nordeuropas, die düstere Atmosphäre der großen Städte die Menschen wegführte vom „dämmrig religiösen Licht“ der Kathedralen zu Zeiten großartiger gotischer Architektur.

Louis Comfort Tiffany, Teeschirm
Teeschirm. Bleiverglasung.

Praktische Gründe sind vielleicht für die graduelle Einführung hellerer Töne verantwortlich, vor allem in den Palästen, den verzierten Hallen, den Rathäusern, Bibliotheken und anderen Orten, wo es notwendig war, genug Licht für die Lektüre zu haben. Aber dies war lediglich ein Grund unter vielen. Ein tiefgehenderer Grund war die Seltenheit des Farbgefühls unter den Künstlern, etwas, das ein Mensch besitzt oder nicht, etwas, das den Augen oder dem Sehnerv eigen ist und das durch Lernen und Erfahrung im Malen nur annähernd erzielt werden kann. Farbenkünstler sind ganz besondere Menschen. Es gab eine Zeit, da schlossen sie sich in Holland zusammen und bildeten eine großartige Kunstepoche. In der Mitte des 19. Jahrhunderts tauchen sie zusammen mit Delacroix und Barbizon in Frankreich auf. Immer wurden sie von den Künstlern und Kritikern bekämpft, die diese Gabe nicht besaßen und die Natur eher in ihren Formen als ihren Farben betrachteten. Als Mehrheit überzeugten diese Kritiker die Öffentlichkeit davon, dass Farbe im Gegensatz zur Form nicht viel bedeutete. Sie meinten das vollkommen ernst und waren völlig von ihrer Meinung überzeugt. Die Öffentlichkeit erkannte nur langsam, dass für eine Kunst wie die Malerei die Farbe die Hauptzutat war, und noch rechtzeitig erhielt der Farbenkünstler sein Ansehen.

Denken wir für einen Moment an den Unterschied zwischen der Betrachtung eines Gemäldes auf einer festen Oberfläche, die durch die Farbe noch dunkler wird, und der Betrachtung eines Materials, auf dem die Farben vermischt wurden und das so ausgestellt wird, dass Licht hindurchfällt!

Louis Comfort Tiffany, Bleiglasfenster mit Pfauenmotiv
Bleiglasfenster mit Pfauenmotiv

Als er nach Amerika zurückkehrte, wo Himmel und Atmosphäre, Sommer und Winter nach Innenräumen verlangten, welche die Augen vor einem Übermaß an Leuchtkraft schützten, konnte Tiffany nicht anders, als zu erkennen, dass es hier in Europa einen Kunstzweig gab, der vernachlässigt oder vielmehr schlecht bedient worden war, der aber der neuen Welt neue Bereiche wunderbarer Arbeiten offenbaren konnte.

Die ersten Fenster waren Mattierungen, Holz- oder Steingitter, Häute oder Eisplatten (unterhalb des nördlichen Polarkreises), Horn, dünn bearbeiteter Alabaster und zuallerletzt Glas. Das erste Glas, das wir uns vorstellen können, wurde von Keramikern entdeckt, die ihre Töpfe durch Glasur wasserundurchlässig machen wollten. Ihre glasierten, von Hand hergestellten Tonwaren wurden der Hitze des Brennofens ausgesetzt und es entstanden somit die ersten Glasbehältnisse. In Byzanz existieren mit Sicherheit kleine Glasfenster, aber die Glasfenster, wie wir sie kennen, stammen nicht von den Völkern des Mittelmeeres, sondern sind die Erfindung der nordeuropäischen Völker. Wenn sie auch nicht das Bunt- oder Kirchenglas erfanden, das sie offensichtlich nach den Kreuzzügen von den spezialisierten Glasmosaikkünstlern des späten griechischen Reichs übernahmen, so ist es doch wahrscheinlich, dass sie es waren, die damit anfingen, Glas aufgrund des Klimas für gewöhnliche Fenster zu verwenden, die zumindest im Winter einen Raum abschlossen und den Raum von außen erleuchteten.

Die Sprache gibt uns einen Hinweis: Das Wort Glas ist germanischen Ursprungs und bedeutet so viel wie glänzen und scheinen, oder „das Schimmernde“. Die Kelten, die vor den Teutonen in Europa lebten, besitzen jedoch dasselbe Wort für eine Farbe. Auf Irisch bedeutet glas grau oder blaugrau, wie Stahl. Auf Walisisch bedeutet Glas „blau, grüngrau.“

Louis Comfort Tiffany, Hängeleuchte mit ausgestelltem Lampenschirm und Gehänge aus Metallperlen
Hängeleuchte mit ausgestelltem Lampenschirm und Gehänge aus Metallperlen. Glas und Bronze

Der griechische Name Glaukos, „glänzend“, kommt dem sehr nahe. Ein ähnliches, von den Teutonen benutztes Wort für Bernstein, hieß im Spätlateinischen glesum. Wir können uns vorstellen, dass das erste Glas, das von den Phöniziern nach Nordeuropa gebracht wurde, eine Art Flaschenglas in Grün- und Blautönen war und von den Kelten, die das Wort an die teutonischen Stämme weitergaben, als „blaugraues“ Material bezeichnet wurde. Sobald Glas in Europa hergestellt wurde, war es ganz selbstverständlich, dass die, die sich den Luxus leisten konnten, dieses Material gegen das Pergament oder Horn austauschten, das von den einfachen Völkern des Nordens in den kleinen Fensteröffnungen verwendet wurde, um das Licht hereinzulassen und die Kälte abzuwehren.

Ursprünglich wurden Fenster oder Gitterfenster mit solchen Materialien versehen, die zwar Licht hineinließen, aber den Bewohnern nicht die Möglichkeit gaben, hinauszuschauen. Transparentes Glas ist eine relativ späte Erfindung. Als das Glas nach Europa kam, reagierten die meisten Menschen gleichgültig darauf, da sie den Vorteil der transparenten Scheiben nicht gewohnt waren. Sie erfreuten sich an Bleiglas und den dicken, dunklen Glasfüllungen in den alten Kathedralen von Chartres, Beauvais, York usw. und kümmerten sich nicht um den Grund für das dämmrige Licht, das hineinfiel. Dieser Aspekt sollte nicht unberücksichtigt bleiben, wenn man alte und moderne Glasfenster untersucht. Bevor die durchsichtigen Glasscheiben, die so durchsichtig wie Luft waren, in Europa ankamen, gab es bereits wunderschöne Buntglasfenster.

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