Echos der Vergangenheit: Die Entdeckung der Schätze Zentralasiens
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Die Kunst Zentralasiens (ISBN: 9781783106974), von Wladimir Lukonin und Anatoli Iwanow herausgegeben von Parkstone International.
Der Neubeginn setzte nach einer nur langsamen Erholung ein. Im 14. Jahrhundert entstanden unter der Herrschaft Timurs und der Timuriden jene Kulturdenkmäler, die heute zu den prächtigsten Zentralasiens gehören: die erhaltenen Bauwerke zeichnen sich durch dekorative Eigenständigkeit und Eigenart aus, insbesondere durch den Farbenreichtum der Keramik.
Die Palette der für die Fassadenverkleidung verwendeten glasierten Terrakottaziegel blieb dennoch trotz zunehmender Vielseitigkeit von Türkisblau beherrscht. In den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts erlebte Samarkand unter Timur einen großen baulichen Aufschwung, ein Machtbeweis dieses Herrschers, der Samarkand als Residenz gewählt hatte. Die Bauwerke jener Zeit zeichnen sich durch die Monumentalität ihrer Ausmaße aus, die gleichermaßen Auge und Herz des Volkes beeindrucken sollte.




Die Dekorpalette der gebrannten Ziegelsteine, der Majolikakacheln und skulptierten Formen und Figuren aus gebranntem Ton verrät hohe künstlerische Meisterschaft. Parallel zu den religiösen Bauten entstanden Gebäude verschiedenster Art, die das Leben der Bevölkerung erleichtern und angenehmer machten: Takis und Tims, d.h. Kuppelbasare und Handelspassagen, Karawansereien, öffentliche Bäder, Brücken und Sardobas, d.h. Wasserspeicher. Die letzteren sind weniger monumental und weniger prächtig ausgeschmückt.
Diese Tradition setzte sich zwei Jahrhunderte unter den usbekischen Dynastien der Schaibaniden und Aschtarkhaniden fort, doch die wachsende Schwächung der äußeren wirtschaftlichen und politischen Beziehungen durch innere Feudalkriege löste gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine schwere soziale Krise in Zentralasien aus, die die kulturelle Tätigkeit aller betroffenen Regionen beeinträchtigte, mit Ausnahme des Khanats von Chiwa, wo auch weiterhin günstige wirtschaftliche und politische Verhältnisse herrschten. Erst im Verlauf des folgenden Jahrhunderts, unter dem Emirat von Buchara und der Khanate von Chiwa und Kokand, erlebte die Kultur ein neues goldenes Zeitalter.
Damals, als diese beiden Khanate in das russische Reich integriert wurden, erfolgte die Umbenennung der mittelasiatischen Gebiete in Turkestan und Transkaspische Provinz.

Das kulturelle Schaffen in Zentralasien spiegelt die geschichtlichen Höhen und Tiefen der betroffenen Völker wider, doch unabhängig von Prachtentfaltung und Verfall haben in den Bereichen Architektur, Kunsthandwerk und Buchmalerei usbekische, turkmenische, tadschikische und kirgisische Baumeister und Künstler ihr Bestes gegeben. Nach der Oktoberrevolution wurde Zentralasien der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik Turkestan angegliedert und später entsprechend der nationalen Politik Lenins in vier unabhängige Sowjetrepubliken aufgeteilt, die seit dem Zerfall der Sowjetunion als Mitglieder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten weiterbestehen.
Seitdem sind neue Kunstformen, etwa die Tafelmalerei, aufgetreten. Die graphischen Künste und das Bühnendekor, die lange vernachlässigte Ausmalung von Gebäuden und die Bildhauerei werden gefördert. Das traditionelle Kunsthandwerk erhielt starke Impulse und vereinte die unverändert lebendigen Überlieferungen aus einer fernen Vergangenheit mit Modernität.

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