Porzellan, Chinesische Kunst
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Von Ton zu Klarheit: Die Kunst des chinesischen Porzellan

China ist ein Einparteienstaat unter der Führung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Präsident Xi Jinping übt als Staatsoberhaupt und Parteichef konzentrierte Macht aus. Das politische System legt den Schwerpunkt auf Stabilität, nationale Einheit und wirtschaftlichen Wohlstand, während politische Dissidenten, Medien und Zivilgesellschaft streng kontrolliert werden. In letzter Zeit hat sich die Regierung darauf konzentriert, die Führung der Partei zu stärken, wirtschaftliche Probleme anzugehen, Chinas globale Rolle zum Ausdruck zu bringen und ein Gleichgewicht zwischen staatlicher Kontrolle und kontinuierlicher Entwicklung herzustellen. China hat jedoch auch in anderen Bereichen, insbesondere in der Kunst, Schönheit zu bieten. Werfen wir einen genaueren Blick auf Porzellan.

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Chinesische Kunst (ISBN: 9781783106585), von Stephen W. Bushell herausgegeben von Parkstone International.

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Porzellan ist eine chinesische Erfindung. Dies zeigt etwa die Tatsache, dass Porzellan im Englischen china heißt. Auch in Persien bzw. dem Iran, dem einzigen Land, dem neben China die eigenständige Entwicklung eines ähnlichen Materials in einigermaßen plausibler Weise zugeschrieben wird und in dem chinesisches Porzellan gleichzeitig schon seit Jahrhunderten bekannt ist und imitiert wird, gibt es für Porzellan das Wort chini.

Für eine wissenschaftliche Klassifikation von Keramikprodukten ist es sinnvoll, an dieser Stelle die Charakteristika von Porzellan zu definieren. Porzellan sollte eine durchscheinende, harte Oberfläche besitzen, die von Stahl nicht eingeritzt werden kann, es sollte homogen, klangvoll und glasiert sein und, wenn es zerbrochen wird, einen hellen, feinkörnigen und muscheligen Bruch aufweisen. Diese für Porzellan typischen Eigenschaften machen es wasserundurchlässig und gleichzeitig sogar in unglasiertem Zustand frostbeständig.

Kanne mit gewölbtem Sockel, 1465 - 1487, Porzellan, Chinesische Kunst
Kanne mit gewölbtem Sockel, 1465 – 1487. Porzellan, Höhe 40,6 cm. Privatsammlung.

Die Glasur und die Lichtdurchlässigkeit sind wohl die typischsten Merkmale des Porzellans. Wenn eines von beiden fehlt, liegt eine andere Form der Keramik vor. Wenn das jeweilige Stück alle genannten Merkmale außer der Lichtdurchlässigkeit aufweist, handelt es sich um Steingut, wenn die Glasur fehlt, handelt es sich um Terrakotta oder Fayence-Keramik.

Die Chinesen bezeichnen Porzellan als tzu, ein erstmals in Büchern aus der Han-Dynastie (206 v.Chr. bis 220 n.Chr.) gefundenes Schriftzeichen, als eine harte, feste und feinkörnige Keramik (tao), und sie unterscheiden es von anderen Formen durch seinen klaren Klang, den es abgibt, wenn man dagegen schlägt, sowie die Tatsache, dass es von einem Messer nicht eingeritzt werden kann.

Die weiße Farbe und die Lichtdurchlässigkeit werden von den Chinesen hingegen weniger betont, deshalb können einige der von ihnen als Porzellan bezeichneten Stücke im Hinblick auf diese beiden Eigenschaften von unserer Auffassung von Porzellan durchaus abweichen.

Porzellan kann in zwei Klassen unterteilt werden:

  1. Hartporzellan, dessen Scherben, so der Fachbegriff für den gebrannten Ton, und Glasur nur aus natürlichen Elementen bestehen und
  2. Weichporzellan, das aus einer künstlichen Kombination unterschiedlicher, im Feuer zusammengeschmolzener Materialien besteht.

Bei allem chinesischen Porzellan handelt es sich um Hartporzellan. Sein Scherben besteht ausschließlich aus zwei Substanzen, dem weißen Ton oder Kaolin, dem unschmelzbaren Element, das dem Porzellan seine Plastizität verleiht und dem Feldspat, der bei hoher Temperatur schmilzt und für seine Lichtdurchlässigkeit verantwortlich ist.

Gefäß. Hochzeitsszene, 18. Jhd, Porzellan, Chinesische Kunst
Gefäß. Hochzeitsszene, 18. Jhd. Porzellan. Shanghai Museum, Shangai.

Es herrscht allgemein Einigkeit, dass Porzellan erstmals in China hergestellt wurde. Die Experten sind sich allerdings über den Zeitraum uneins. Die Chinesen datieren seine Erfindung auf die Han- Dynastie, in der das neue Schriftzeichen tzu entstand, das vermutlich eine neue Substanz bezeichnen sollte. Die offizielle Darstellung der „Porzellanverwaltung“ in der Topografie von Fouliang, deren erste Ausgabe 1270 erschien, behauptet, dass der lokalen Überlieferung zufolge die Keramikwerkstätten in Xingping (ein alter Name für Fouliang) in der Zeit der Han-Dynastie gegründet wurden und seitdem für Jahrhunderte in Betrieb gewesen seien.

Dies wird von Tang Ying, dem 1728 ernannten berühmten Aufseher über die kaiserlichen Keramikwerkstätten, bestätigt. Er führt in seiner Autobiografie aus, dass seine Forschungen gezeigt hätten, dass Porzellan erstmals während der Han-Dynastie in Jingdezhen im Bezirk Fouliang hergestellt worden sei. Die Wirtschaftsgeschichte dieser Zeit verleiht dieser Theorie eine gewisse Plausibilität. Wir wissen, dass damals nennenswerte Mengen an Glasgefäßen aus Syrien und Ägypten importiert wurden, und es erscheint nur natürlich, dass man in chinesischen Töpfereien selbst mit der Herstellung derartiger Produkte experimentierte.

Mondflasche mit Drachenverzierung, 1465 - 1487, Porzellan, Chinesische Kunst
Mondflasche mit Drachenverzierung, 1465 – 1487. Porzellan, Höhe 27,3 cm. Privatsammlung.

Der bedeutende japanische Kunstkritiker Kakasu Okakura stellt in seinem Werk Die Ideale des Ostens die Theorie auf, dass die Alchemisten der Han-Dynastie während ihrer Suche nach dem Lebenselixier und dem Stein der Weisen zufällig die Entdeckung des Porzellans gemacht haben könnten und gelangt zu der Schlussfolgerung, dass „… wir den Ursprung der wundervollen Porzellanglasur Chinas ihren zufälligen Entdeckungen zuschreiben dürfen“.

In der auf die Han-Dynastie folgenden Wei-Dynastie (221 bis 264) lesen wir von der in Luoyang für den Palast hergestellten glasierter Seladonware, während in der Zeit der Jin-Dynastie (265 bis 419) erstmals in Wenzhou, in der Provinz Zheejiang, produziertes blaues Porzellan erwähnt wird, der Vorläufer der später so berühmten kobaltblau getönten himmelblauen Glasuren. Die kurzlebige Sui- Dynastie (581 bis 617) ist für eine besondere Art grünen Porzellans (lü tzu) bekannt, die Erfindung eines Vorstehers der kaiserlichen Betriebe namens Ho Chou, die grünes Glas ersetzen sollte. Dessen Herstellungsmethode war nach ihrer Einführung durch Kunsthandwerker aus Nordindien aber später, vermutlich nach dem Jahr 424, in Vergessenheit geraten.

Blauweiße Porzellanschüssel, 1599 - 1600, Porzellan, Chinesische Kunst
Blauweiße Porzellanschüssel, 1599 – 1600. Porzellan, Höhe 13,9 cm, Durchmesser 23,6 cm. Victoria and Albert Museum, London.

Während dieser Zeit müssen in der Keramikfertigung der Provinz Kiangsi große Fortschritte gemacht worden sein, da in der schon erwähnten Topografie von Fouliang zu lesen ist, dass zu Beginn der Herrschaft des Begründers der Tang-Dynastie, Tao Yü, ein Einheimischer aus dieser Provinz eine Lieferung Porzellan in die Hauptstadt der Provinz Shensi brachte und sie dem Kaiser als „Jadeimitat“ schenkte. Im vierten Jahr (621 v.Chr.) dieser Herrschaft wurde der Name des Distrikts in Xingping geändert und ein Dekret befahl einem gewissen Ho Chung-chu und den anderen Töpfern, regelmäßige Porzellanlieferungen an den kaiserlichen Palast aufzunehmen.

Um einen besseren Einblick in Chinesische Kunst zu erhalten, setzen Sie dieses spannende Abenteuer fort, indem Sie auf:

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