Alfons Mucha, Jugendstil
Art,  Art and Design,  Deutsch

Das Goldene Zeitalter des Jugendstils mit Alphonse Mucha

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Alfons Mucha (ISBN: 9781783102808), von Patrick Blade und Victoria Charles, herausgegeben von Parkstone International.

Lance Parfum Rodo (Detail), 1896, Alfons Mucha
Lance Parfum Rodo (Detail), 1896. Farblitografie, 44,5 x 32 cm. The Mucha Trust Collection.

Seit dem Revival des Jugendstils in den 1960er Jahren, als Studenten in aller Welt ihre Zimmer mit Reproduktionen der Plakate Muchas von Mädchen mit rankenartigen Haaren schmückten und die Illustratoren von Schallplattenhüllen Mucha-Imitationen in halluzinatorischen Farben produzierten, wird Alfons Muchas Name unvermeidlich mit dem Jugendstil und dem Paris der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert assoziiert.

Künstler mögen es nicht, kategorisiert zu werden, und Mucha hätte sich darüber geärgert, nahezu allein wegen einer Phase in seiner Kunst in Erinnerung zu bleiben, die lediglich zehn Jahre umfasste und die er für weniger wichtig hielt. Als leidenschaftlicher tschechischer Patriot wäre er ebenfalls unglücklich darüber gewesen, als Pariser Künstler zu gelten.

Mucha wurde am 24. Juli 1860 in Ivanèice in Mähren geboren, damals eine Provinz des Habsburgerreiches, das bereits unter dem Druck des wachsenden Nationalismus seiner vielen Völkerschaften wankte. Im Jahr vor Muchas Geburt erhielten die nationalen Bestrebungen innerhalb des Habsburgerreiches durch die der Vereinigung Italiens vorangehende Niederlage der österreichischen Armee in der Lombardei Auftrieb.

Studie für den Polarstern, 1902, Alfons Mucha
Studie für den Polarstern, 1902. Stift, Tuschezeichnung und Wasserfarben, 56 x 21 cm. The Mucha Trust Collection.

Während des ersten Lebensjahrzehnts Muchas artikulierte sich der tschechische Nationalismus nicht nur in den orchestralen Tongedichten von Bedrich Smetana, die er unter dem Namen Ma Vlast (Mein Land) zusammenfasste, sondern auch in seiner großen epischen Oper Dalibor (1868). Es war symptomatisch für den tschechischen nationalen Kampf gegen die kulturelle deutsche Hegemonie über Zentraleuropa, dass der Text von Dalibor in Deutsch geschrieben und ins Tschechische übersetzt werden musste. Von seinen ersten Lebensjahren an nahm Mucha die berauschende und leidenschaftliche Atmosphäre des slawischen Nationalismus in sich auf, die Dalibor und Smetanas folgendes Historienspiel Libuse charakterisierte, mit dem 1881 das Tschechische Nationaltheater eröffnete und für das Mucha später Bühnenbild und Kostüme entwerfen sollte.

Mucha wuchs als der Sohn eines Gerichtsdieners in relativ bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Sohn Jiri Mucha sollte später voller Stolz die Familie Mucha in der Stadt Ivanèice bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Aber auch wenn Muchas Familie relativ arm war, fehlte es in seiner Erziehung nicht an künstlerischer Stimulation und Ermutigung. Sein Sohn Jiri berichtet:

“Er zeichnete, noch bevor er zu gehen lernte, und seine Mutter band mit einem farbigen Band einen Bleistift um seinen Hals, so dass er malen konnte, während er über den Boden kroch. Jedes Mal, wenn er den Bleistift verlor, fing er an zu heulen.”

Seine erste wichtige ästhetische Erfahrung dürfte Mucha in der Barockkirche St. Peter in der Provinzhauptstadt Brno gehabt haben, wo er schon als zehnjähriger Chorjunge sang, um seine Studien in der Grammatikschule zu finanzieren. Während seiner vier Jahre als Chorknabe hatte er regelmäßigen Kontakt mit dem sechs Jahre älteren Leoš Janácek, dem großen tschechischen Komponisten seiner Generation, mit dem er das Bestreben teilte, eine ausgeprägt tschechische Kunst zu erschaffen.

Die üppige Theatralik des zentraleuropäischen Barock mit seinem prächtigen, mit vielen Rundungen versehenen und von der Natur inspirierten Dekor regte ohne Zweifel Muchas Fantasie an und nährte seine dauerhafte Vorliebe für “Glocken und Gerüche„ sowie religiöse Gegenstände. Auf dem Höhepunkt seines Ruhmes beschrieb jemand sein Atelier als„… eine säkulare Kapelle… hier und dort stehen Trennwände, bei denen es sich gut um Beichtstühle handeln könnte; und die ganze Zeit brennt Weihrauch. Es erinnert mehr an die Kapelle eines orientalischen Mönchs als an ein Atelier.„

Lefèvre-Utile Gaufrette Vanille Verpackung (Detail), 1900, Alfons Mucha
Lefèvre-Utile Gaufrette Vanille Verpackung (Detail), 1900. Mschtechnik. The Mucha Trust Collection.

Während er seinen Lebensunterhalt als Schreiber bestritt, ging Mucha in der Freizeit seinen künstlerischen Neigungen nach. Im Jahr 1877 stellte er seine autodidaktischen Errungenschaften zusammen und bewarb sich bei der Kunstakademie in Prag, allerdings ohne Erfolg. Nach zwei weiteren Jahren als Staatsbediensteter wurde er entlassen, weil er nach dem Bericht seines Sohnes Jiri eine malerische Zigeunerfamilie porträtierte anstatt ihre Daten aufzunehmen. Im Jahr 1879 sah er in einer Wiener Zeitung eine Anzeige der Bühnenbilder für Theater anfertigenden Wiener Firma Kautsky-Brioschi- Burghardt, die Gestalter und Kunsthandwerker suchte. Mucha reichte erfolgreich einige Arbeiten ein, und man bot ihm eine Stelle an. Auf einen Landjungen, der bis dahin nicht weiter als bis in das zwar malerische, aber immer noch provinzielle Prag gelangt war, muss Wien beeindruckend prächtig gewirkt haben. Die Stadt hatte gerade erst die nach Haussmanns Paris umfassendste städtische Neugestaltung des 19. Jahrhunderts hinter sich gebracht. Jedes der öffentlichen Gebäude an der Ringstraße, die die alten, die mittelalterliche Stadtmitte umschließenden Wälle ersetzt hatte, war in einem für den jeweiligen Zweck für angemessen gehaltenen historischen Stil erbaut. Das Resultat war ein grandioser architektonischer Maskenball. Der Jugendstil, zu dessen herausragenden Vertretern Mucha später gehören sollte, war eine direkte Reaktion auf diesen pompösen Zuckerbäcker- Historismus. Zunächst jedoch stand Mucha unter dem Einfluss der auffälligen und dekorativen Kunst von Hans Makart, des erfolgreichsten Wiener Malers der Ringstraßenperiode.

Maude Adams als Jeanne d'Arc, 1909, Alfons Mucha
Maude Adams als Jeanne d’Arc, 1909. Öl auf Leinwand, 208,9 x 76,2 cm. The Metropolitan Museum of Art, New York.

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