Studio Biederer für den Ostra Verlag, Nr. 508,1935
Art,  Deutsch,  Erotic

Nostalgie, wenn du uns erst einmal hast…

Video Credit: Coffee Cup Book Roses Video von josephphackney von Pixabay

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Das erotische Foto (ASIN: B016XN13A8) von Alexandre Dupouy, herausgegeben von Parkstone International.

Lesen Sie den ersten Teil über Das erotische Foto zu diesem Artikel

Sämtliche schöne Künste, ob die Malerei, die Bildhauerei, die Gravierkunst oder die Lithografie haben sich von Anfang an der Erotik ergeben. Auch die Fotografie bildet da keine Ausnahme. Gleich nachdem die Daguerreotypie als erstes fotografisches Verfahren aus der Taufe gehoben wurde, schöpfte sie aus dem Akt, und diese Bilder glichen, auf realistischere und weniger beschönigende Weise, den Werken der zeitgenössischen Malerei.

Frankreich ist die Geburtsstätte der Fotografie. Auf den ersten Bildern sind nur Landschaften oder Gegenstände zu sehen. In der Tat erweist sich bei einer nötigen Posierzeit von mehreren Minuten die Aufnahme von Aktfotos oder Porträts als problematisch. Doch bald schon wird diese Dauer auf einige Zehntelsekunden reduziert. Das Verfahren wird in die ganze Welt getragen, aber Frankreich gibt seine Vorreiterrolle nicht auf, vor allem nicht im Bereich der erotische Fotografie, die sogleich auf dem Vormarsch ist. Die ersten Aktfotos wurden vermutlich ab 1840 gemacht.

Anonym, Nr. 505, eiweißhaltiger Abzug, 1890, Das erotische Foto
Anonym, Nr. 505, eiweißhaltiger Abzug, 17 x 11,5 cm, um 1890

In ihrem Vorwort von Obscénités schreibt Sylvie Aubenas, dass ein gewisser Noël-Marie Paimal Lerebours, von Beruf Optiker, behauptet haben soll, im Jahre 1841 einen Akt fotografiert zu haben; auch wenn er sich sehr wohl davor hütet, sich als „der“ Wegbereiter zu präsentieren. Im selben Jahr entwickelt Talbot die Talbotypie (auch Calotypie genannt). Es handelt sich um das erste Negativ, also dem Ahnen unserer modernen Zelluloidfilme. Da die Talbotypie auf Papier gearbeitet ist, erweist sich das Verfahren als kompliziert, wenig zuverlässig und wenig praktisch. Erst 1853 kann ein wahrhaftiger Fortschritt registriert werden, als der Engländer Frederick Scott Archer das Negativ auf Glasplatten erfindet und damit die unbegrenzte Reproduktion auf Papier möglich macht.

Von da an spezialisiert sich so manch ein Fotograf auf Aktbilder. Sie ahmen die Kompositionen von Kunstmalern nach und imitieren deren Verwendung von Accessoires wie Drapierungen, Säulen, Stoffe, Spiegel… Die meisten Pioniere kommen übrigens direkt von der Malerei zur Fotografie. Die enge Verknüpfung beider Verfahren ist nicht zu übersehen: Die Fotografen inspirieren sich an den Werken der Maler, die Maler bedienen sich der Fotografie. Und die Fotografie befreit die Künstler von ihrem Dilemma mit verspäteten oder gar ausbleibenden Modellen. Anders als die oft schnippischen Modelle stehen die Abzüge immer zur Verfügung und trudeln kaum mit Verspätung ein. Delacroix, ein glühender Verehrer der neuen Kunst, inspiriert sich an den Bildern seines Fotografenfreundes Eugène Durieu.

M. Boulanger, Postkarte mit bedruckter Rückseite, 1915, Das erotische Foto
M. Boulanger, Postkarte mit bedruckter Rückseite, 14 x 9 cm, um 1915

Ingrès schätzt dieses „automatische Verfahren“: „Ach wie schön das ist, ach wie schön!“, sagt er zu seinen Schülern beim Anblick eines großen Abbildes von antikem Marmor. „Welch wunderbare Sache doch die Fotografie ist! Sehen Sie meine Herren, wer von uns ware schon zu einer solch getreuen Abbildung fähig, wäre in der Lage, eine solche strikte Linieninterpretation, eine solche feine Ausarbeitung des Modells zu schaffen? Ah! Meine Herren, die Fotografie ist ja so schön, … das ist sehr schön, aber sagen darf man das nicht!“ …

Aufgrund ihrer Beschaffenheit selbst, und entgegen den anderen schönen Künsten, kann die Fotografie ihr Thema nicht idealisieren; und der Versuch, zwischen der Kunst, dem Akt, der Erotik und der Pornografie eine Grenze zu ziehen, erweist sich in Ansehung eines nackten Körpers als schwieriges Unterfangen, denn die Übergänge sind schleichend und stark von der Kultur oder der Bildung der Betrachter abhängig. Zweifelsohne kann das, was erotisch für die Einen ist, pornografisch für die Anderen sein. Seit Bestehen der Fotografie gibt es somit eine pornografische Produktion, die übrigens unter dem Regime von Napoleon III.

J. Mandel, Verlag A. Noyer, Nr. 267, 1925, Das erotische Foto
J. Mandel, Verlag A. Noyer, Nr. 267, Postkarte mit unbedruckter Rückseite, 14 x 9 cm, um 1925

Im Grafikkabinett der kaiserlichen Bibliothek deklariert, registriert und angemeldet wurde. Später, ab der Dritten Republik, hinterlegte man in der Nationalbibliothek Negative, die im Rahmen von „Studien für Maler“ oder „Aktzeichnungen“ kommerziell vertrieben wurden (die Aktstudie ist in der Malerei und Bildhauerei ein Aktmodell, das nicht in ein Werk eingeht und ein seit der Antike üblicher Begriff). Die Pioniere der Aktfotografie traten die Hinterlassenschaft der Miniaturmaler des 18. Jahrhunderts an und sind demnach alle französischer Nationalität. Sie heißen Auguste Belloc, Vallou de Villeneuve, Félix Jacques Antoine Moulin, Bruno Braquehais und Alexis Gouin. Sie arbeiten in Paris, haben sich alle im gleichen Viertel bei den Grands Boulevards niedergelassen und kennen sich untereinander, tauschen ihre Modelle, ihre Accessoires, manchmal sogar ihre Negative aus und verwischen für die Polizeifahnder auf diese Art ihre Spuren.

Heutzutage verkompliziert sich allerdings dadurch auch die genaue Zuteilung dieser willentlich anonym gehaltenen Bilder an den einen oder anderen Urheber. Der Akt erscheint in der Fotografie in einer drastischeren Ungeschminktheit als in der Bildhauerei oder Malerei und setzt sich nur mühsam bei den Gepflogenheiten der Künstler durch. Mit der Fotografie wird der Körper wirklichkeitsgetreu abgebildet und kann nicht mehr beschönigt werden. Jedes Negativ hält zwar einen Augenblick der Wahrheit fest, aber auch hier ist es nicht immer gut, die Wahrheit zu erfahren…

Studio Biederer für den Ostra Verlag, Nr. C72, 1935
[Studio Biederer für den Ostra Verlag] Nr. C72, Postkarte mit unbedruckter Rückseite, 9 x 14 cm, um 1935

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