Der Apotheker von Ampurdàn, Der Absolut Nichts Sucht, 1936
Art,  Deutsch

Salvador Dalí: Das surreale Reich der Fantasie meistern

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Salvador Dalí (ISBN: 9781783102921), von Eric Shanes, herausgegeben von Parkstone International.

Dalí wurde in Figueres in eine staatliche Schule eingeschult und ging im Anschluss an den Unterricht noch auf das Instituto de Figueres. Ab 1916 besuchte er ein von katholischen Maristen geleitetes privates Gymnasium. Hier lernte er zwar auch nicht viel mehr als auf der staatlichen Schule, empfing aber doch bleibende, in seinen späteren Arbeiten wiederzuentdeckende Eindrücke, so etwa vor allem von Jean-François Millets (1814- 1875) Angelus-Läuten (1857-1859) und von den von seinem Klassenzimmer aus sichtbaren Zypressen. Aber auch von den Eltern kamen wichtige Einflüsse, schließlich war sein Vater als Jurist ein gebildeter Mann, der sich als Ausgleich für seinen oft recht trockenen Beruf für Musik und Literatur interessierte.

Frau vor den Felsen Penya-Segats, 1926, Salvador Dalí
Frau vor den Felsen Penya-Segats, 1926. Öl auf Holz, 26 x 40 cm. Privatsammlung.

Er hatte eine recht umfangreiche Bibliothek, die Salvador ebenfalls zur Verfügung stand. Politisch lag er auf der von Salvador später übernommenen Linie der Republikaner, als Atheist vertrat er in einem sonst streng katholischen Land recht liberale Ansichten. Salvador vertrat in jungen Jahren recht anarchistische Ansichten und hielt überhaupt während seines ganzen Lebens nichts von gutbürgerlichen Werten. Wichtiger als die Bibliothek war für den jungen Salvador aber die Entdeckung der Kunst, die nicht nur von seinem Vater, sondern auch von einem befreundeten Maler ausging, dem Salvador stundenlang bei seiner Arbeit zuschauen konnte. Der Vater schenkte Salvador einige Kunstbildbände aus seiner Sammlung beliebter Monografien und führte ihn damit zur akademischen Malerei des 19. Jahrhunderts und ihrem strengen Realismus. Zu den Malern, die den jungen Salvador am meisten beeindruckten und begeisterten, gehörten auch Modesto Urgell (1839-1919), Mariano Fortuny – der eigentlich Marià Josep Maria Bernat Fortuny i Carbó hieß und dessen Werk Die Schlacht von Tetuan (1862/1872) Salvador Dalí 1962 zu einem eigenen Bild inspirierte – Eugène Carrière (1849-1906) und Manuel Benedito y Vives (1875-1963).

Pepito Pichot, ein Freund des Vaters und verkrachter Jurastudent, der Salvadors Talent erkannt hatte, dessen Bruder Ramón als impressionistischer Maler in Paris lebte und den auch Pablo Picasso (1881-1973) kannte, bestärkte Salvador in seinen Malversuchen, und so ist es nur logisch, dass Salvador seine ersten Malversuche in der Sommerresidenz der Pichots, einer alten Turmmühle, unternahm. Als etwa 9-Jähriger malte er auf einer alten, wurmstichigen Holztür ein Stillleben mit Kirschen, für deren farbliche Darstellung verwendete er zinnober- und karminrot, für den Lichtglanz setzte er Weiß ein. Um die Grenzlinien zwischen den Realitätsebenen aufzubrechen, so erzählte er später einmal, klebte er Stiele der echten an die gemalten Kirschen, holte einige Holzwürmer aus der bemalten Tür – zog sie somit aus den gemalten Kirschen – und drückte sie in die verlassenen Wurmlöcher der echten Kirschen.

Maximale Geschwindigkeit der Madonna von Raffael, 1954, Salvador Dalí
Maximale Geschwindigkeit der Madonna von Raffael, 1954. Öl auf Leinwand, 81 x 66 cm. Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid.

Es ist leicht verständlich, dass Salvador von den an den Turmwänden hängenden impressionistischen und pointillistischen Arbeiten Ramón Pichots, die er ja oft betrachten konnte, beeinflusst wurde. Pichot war es auch, der den Vater davon überzeugen konnte, Salvador ab 1917 an der lokalen Zeichenschule in Figueres von Professor Juan Nuñez Fernández Malunterricht unterrichten zu lassen. Salvador lernte zwei Jahre, und, wie er selbst sagte, recht erfolgreich. In dieser Zeit, er war gerade 14 Jahre alt, wurden seine ersten Bilder gemeinsam mit denen zweier anderer Maler ausgestellt. Eine weitere Ausstellung, die ı⁄ dem, der Ruhm erlangen wird„, gewidmet war, folgte ein Jahr später im Stadttheater von Figueres, dem Gebäude, das später zu einem nur für seine Arbeiten umgebauten Museum wurde.

Ein örtlicher Kritiker bemerkte zu dieser Ausstellung:

Derjenige, der verinnerlicht hat, was die bei der Konzertgesellschaft gezeigten Bilder offenbaren, ist im künstlerischen Sinn bereits ein Großer. […] Wir haben kein Recht über Dalí als den Jungen zu reden, denn tatsächlich ist er bereits ein Mann. […] Wir haben kein Recht zu sagen, dass er vielversprechend sei, denn eher sollten wir sagen: er gibt bereits. […] Wir grüßen den neuartigen Künstler und sind ganz sicher, dass in der Zukunft unsere Worte… den Wert einer Prophezeiung haben werden: Salvador Dalí wird ein großer Maler warden.

Das war ein berauschendes Lob für einen 14-jährigen Jungen, und es war absolut wahr: Er war schon ein großer Maler.

Reiterbildnis von Carmen Bordiu-Franco, 1974
Reiterbildnis von Carmen Bordiu-Franco, 1974. Öl auf Leinwand, 160 x 180 cm. Privatsammlung.

Die Meisterwerke von Salvador Dalí:

Porträt von Gala, 1935. Öl auf Holz, 32,4 x 26,7 cm. The Museum of Modern Art, New York

An der Wand hängt eine abgeänderte Version von Millets Angelus mit zwei Bauern, die auf Säcken in ihrer Schubkarre sitzen. Der Mann scheint hinter seinem Hut zu masturbieren, was erklären würde, warum sich sein Kopf im Schatten befindet, so als wäre er in Scham verhüllt. Neben ihm betet seine Frau. Dalí dachte, dass der Kopf der Bäuerin in seiner Gesamtform dem Kopf einer Gottesanbeterin gleicht. Die Ähnlichkeit wird hier außerdem dadurch verstärkt, dass das Gesicht flach dargestellt wird. Wie wir bereits wissen, schrieb Dalí 1932 über die Frau/Gottesanbeterin des Angelus, dass sie ihren Gefährten nach dem Liebesakt verzehrt, und wahrscheinlich tut sie dies auch in diesem Bild.

Im Vordergrund sitzt Gala mit dem Rücken zu uns. Der Hocker, auf dem sie sitzt, ist diagonal zur Bildfläche ausgerichtet. Die Kanten führen beide in den Raum und treten jeglicher räumlichen Monotonie entgegen, die sich ergeben hätte, wenn sie parallel zur Bildfläche ausgerichtet gewesen wären. Galas seidene Brokatjacke erinnert an beeindruckende, virtuose Malerei. Im Hintergrund trägt Gala die gleiche Jacke, sitzt aber auf einem Sack auf einer Schubkarre, die in dieselbe Richtung zeigt, wie die auf dem Bild von Millet über ihr.

Porträt von Gala, 1935

1937 beschrieb Dalí dieses Bild als Doppelporträt, ıin dem sich die beiden Selbst der Frau von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen„. Sie stehen sich jedoch nur im weitesten Sinne von Angesicht zu Angesicht gegenüber, da sie nicht direkt gegenüber voneinander sitzen, sondern in verschiedenen Winkeln. Die Gala, die uns gegenübersitzt, schaut nicht ihr anderes Selbst an, sondern an ihm vorbei. Entweder schätzte Dalí die Dinge nicht richtig ein oder – und dies ist wahrscheinlicher – er war 1937 nicht allzu genau mit den Positionen der beiden Frauen. Auch wenn Galas Vorderansicht als ıungewöhnlich gefühllos„ interpretiert wurde – was die Assoziation mit der Gottesanbeterin erleichtern und somit alle psychoanalytischen Untersuchungen erlauben würde –, wirkt sie auf den Autor lediglich streng dreinschauend und ruhig und ist somit eindeutig nicht bedrohlich.

Der Apotheker von Ampurdàn, Der Absolut Nichts Sucht, 1936. Öl auf Tafel, 30 x 52 cm. Folkwang Museum, Essen

In dieser schönen, aber recht klaren und nicht surrealistischen Landschaftsmalerei verband Dalí die weite Ebene der Empordà in der Nähe von Figueres mit einem Bild aus einem Wissenschaftsmagazin, auf dem ein Mann seinen Fuß auf einem links befindlichen Stein abstellt. Dalí entnahm dieses Bild einem Magazin, auf dem ein Mann – wahrscheinlich der österreichische Arzt Victor Eisenmenger (1864-1932) – eine Herzmassagemaschine mit dem Fuß antreibt. Mit seiner typisch lockeren Assoziation verband Dalí diesen Mann in einem Essay mit dem Titel ıThe New Colours of Spectral Sex-Appeal„ mit einem Apotheker aus seiner Jugendzeit in Figueres, den er wiederum mit dem Mathematikersohn des Apothekers in Verbindung brachte, den er dann durch die Straße, auf der dieser Mathematiker wohnte, mit dem Namen des katalanischen Arztes und Erfinders Narcís Monturiol (1819-1885) assoziierte, der das erste mechanisch angetriebene Unterseeboot erfand. Dem Titel nach zu urteilen handelt es sich hier allerdings lediglich um den Apotheker, einen Herrn Deulofeu.

Der Apotheker von Ampurdàn, Der Absolut Nichts Sucht, 1936

Der Titel informiert uns darüber, dass der Apotheker ıabsolut nichts sucht„. Dies war eindeutig Dalís Absicht mit diesem Bild: er wollte eine schöne Landschaft darstellen, ohne nach etwas zu suchen, der “Apotheker„ sollte dabei dem Ganzen mehr Tiefe verleihen und das Geschehen animieren. In mittlerer Entfernung sehen wir eine Person, bei der es sich wahrscheinlich um denselben Mann handelt. Er verleiht dem Bild ebenfalls Tiefe.

Einen Teil dieser Landschaft sowie den ıApotheker„ sieht man auch in der Weichen Konstruktion mit gekochten Bohnen: Vorahnung des Bürgerkriegs, die 1936 gemalt wurde…

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