William Blake
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Der mystische Meister: Die tiefgründige Vorstellungskraft von William Blake erforschen

William Blake, geboren 1757, war ein englischer Dichter, Künstler und Visionär der Romantik. Er wird für seine schöpferische Brillanz sowohl in der Literatur als auch in der Kunst gefeiert. Blakes Werke, die für ihren mystischen und symbolischen Inhalt bekannt sind, befassen sich mit Themen der Spiritualität, der Fantasie und der menschlichen Existenz.

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem William Blake (ISBN: 9781783106806) von Osbert Burdett, herausgegeben von Parkstone International.

Noch sollten Mystisches und intellektuelle Systeme seine Gedanken nicht völlig gefangen nehmen. Wie auch andere Zeitgenossen – und mit der Erinnerung an den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg im Hinterkopf – war Blake von den Ereignissen in Frankreich tief bewegt und erschüttert. Einige Faktoren brachten ihn in die Gesellschaft von Londoner Sympathisanten der Französischen Revolution, die er vor dem Geschäft des Buchhändlers Johnson traf. Fuseli hatte die beiden miteinander bekannt gemacht und Blake hatte einige Kupferstiche für ihn angefertigt. Johnson war der Verleger von Mary Wollstonecrafts Rights of Woman (1792, Die Rechte der Frau) und Godwins Political Justice (1793, Politische Gerechtigkeit) und ein Freund Thomas Paines, dessen Werk Rights of Man (Die Rechte des Menschen) er abzulehnen für ratsamer gehalten hatte.

Illustration aus Das Lied von Los, Druckgrafik 5, 1795, William Blake
Illustration aus Das Lied von Los, Druckgrafik 5, 1795. Farbreliefradierung, zusätzlich handbemalt, 23,1 x 17,3 cm. The British Museum, London.

All diese und andere ähnliche Themen waren in Johnsons Buchhandel in St. Paul’s Churchyard zu finden. Blake wurde von ihm unter anderem dazu beauftragt, sechs Platten nach Mary Wollstonecrafts Tales for Children (Erzählungen für Kinder) zu gestalten und zu stechen. Johnson war nicht nur Buchhändler und Verleger, sondern auch Mäzen und Gastgeber, der einen sich um ihn scharenden illustren Kreis jede Woche zum Abendessen lud. Zu jener Zeit zählte auch Blake zu den Gästen. Blake betrat eine Welt, deren Gesellschaft für ihn sonderlich und ungewohnt war. In ihren politischen Grundsätzen – eine unbestimmte Idealisierung der Freiheitsidee – fühlte er sich mit ihnen eins, obgleich ihn Politik selten je wirklich interessierte. Ihrem Skeptizismus und Rationalismus trat er jedoch leidenschaftlich entgegen. Atheisten hätten ihn für einen Christen gehalten – und Christen für einen Ketzer.

Bei all seinem Mut besaß Blake jedoch einen feinen Sinn für das Praktische. Er war es, der, wie er später selbst erzählen sollte, Paine vor den Fängen der in Panik handelnden Behörden rettete. Die Behörden verhängten 1792 repressive Maßnahmen gegen „aufrührerische Schriften“ und im September – ausgerechnet dem Monat, in dem der Verfasser der Rights of Man vom Department Pas-de-Calais in den Nationalkonvent berufen wurde – verklagte und verurteilte die englische Regierung Paine in Abwesenheit wegen Verleumdung. Dies sorgte jedoch für einen Popularitätsschub des erst kurz zuvor veröffentlichten zweiten Teils seines Buches und spornte Paine und die „Freunde der Freiheit“ dazu an, darauf in Form aufrührerischer Versammlungen und Brandreden vor der Öffentlichkeit zu antworten.

Illustration aus Milton. Ein Gedicht, Druckgrafik 15, William Blake
Illustration aus Milton. Ein Gedicht, Druckgrafik 15, um 1804-1810/11. Reliefradierungen und schwarz-weiße Liniengravur mit Aquarell und grauer Lavierung, 23 x 14,8 cm. New York Public Library, New York.

Eines Tages im September – Paine hatte gerade in Johnsons Buchladen von seiner begeisternden Rede, die er am Vorabend auf einer Versammlung gehalten hatte, erzählt – hielt ihn der ebenfalls anwesende Blake auf, als Paine gerade gehen wollte, und warnte ihn: „Geh nicht nach Hause oder du wirst es mit deinem Leben bezahlen“, und verhalf ihm eilig zur Flucht nach Frankreich. Nur zwanzig Minuten, nachdem Paines Schiff den Hafen von Dover in Richtung Frankreich verlassen hatte, wurde den Hafenbeamten ein Haftbefehl gegen Thomas Paine vorgelegt. Sechs Jahre später wurde Johnson selbst wegen Veröffentlichung „… einer aufrührerischen Schrift“ zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, ließ sich jedoch auch danach nicht davon abbringen, weiterhin seine wöchentlichen Abendessen zu veranstalten und lebhafte Diskusionen anzuregen.

Sein Beistand gegenüber Paine ist nicht das einzige Beispiel von Blakes Mut in Notsituationen. Seine Hinterzimmer auf der Poland Street blickten auf das Zirkusgelände des Astley-Circus, auf dem die Tiere und Tierpfleger zu sehen waren. Wie Tatham erzählte, sah Blake eines Tages einen schmerzgekrümmt hinkenden Jungen, dessen Bein an die Fessel eines Pferdes gekettet war. Erzürnt von diesem Anblick, appellierte Blake erfolgreich an die Zirkusleute, den Jungen von den Ketten zu befreien, und als Astley selbst später vorbeikam, um gegen diese Einmischung von außen lautstark zu protestieren, gelang es Blake, auch ihn zu besänftigen.

Illustration aus Dantes Göttlicher Komödie, ‘Vanni Fucci lästert Gott mit zwei Feigen’, Inferno XXV, 1-15, 1824-1827, William Blake
Illustration aus Dantes Göttlicher Komödie, ‘Vanni Fucci lästert Gott mit zwei Feigen’, Inferno XXV, 1-15, 1824-1827. Stift, Tinte und Aquarell. National Gallery of Victoria, Melbourne.

Im Jahr 1792 starben sowohl Sir Joshua Reynolds als auch Blakes Mutter. Catherine Blake wurde am 4. September im Alter von 70 Jahren in Bunhill Fields beigesetzt. Darüber hinaus ist fast nichts über sie bekannt: Blakes Freunde aus späteren Jahren erinnerten sich daran, dass er zwar oft von seinem Bruder Robert sprach, jedoch sowohl seine Mutter als auch seinen Vater so gut wie nie erwähnte. Anfang dieses Jahres, am 23. Februar, wurde der aufgebahrte Leichnam von Sir Joshua Reynolds in einem Trauerzug von seinem Haus in Leicester Fields in die St. Paul’s Cathedral gebracht. Blake und Reynolds waren einander begegnet, jedoch in ihren Talenten und ihrem Schicksal so grundlegend verschieden, dass sie kaum etwas gemeinsam hatten. Gilchrist berichtet von einem „… noch lebenden Freund“, der sich an eine Unterhaltung erinnerte, in der Blake über Reynolds sprach:

„Er schäumte vor Wut über Reynolds’ unverschämte Kommentare über seine frühen Werke. Als sehr junger Mann hatte er Reynolds gebeten, sich einige Zeichnungen von ihm anzusehen, woraufhin dieser ihm riet, in seinen Arbeiten weniger extravagant zu sein, sich auf größere Schlichtheit zu besinnen und seinen fehlerhaften Zeichenstil zu korrigieren. Für Blake war dies ein Affront, den er niemals vergessen sollte. Er war außer sich vor Wut, als er davon sprach.“ In diesem oder einem anderen Gespräch mit einem Zeitgenossen Blakes ist ferner überliefert, dass Blake Reynolds auf persönlicher Ebene durchaus sympathisch fand, und es besteht kein Zweifel, dass sie sich auch in ihrem Benehmen in nichts nachstanden.

Illustration aus Dantes Göttlicher Komödie, Fegefeuer IX, 50-63, 1824-1827, William Blake
Illustration aus Dantes Göttlicher Komödie, Fegefeuer IX, 50-63, 1824-1827. Stift, Tinte und Aquarell über Bleistift, c. 37 x 52,5 cm. Tate Gallery, London.

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