Grenzen brechen: Homosexualität im künstlerischen Ausdruck
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Homosexualität in der Kunst (ISBN: 9781783106233), von James Smalls, herausgegeben von Parkstone International.
Homosexualität im Mittelalter ist ein komplexes und oft missverstandenes Thema. Zwar gab es in dieser Zeit durchaus gleichgeschlechtliche Beziehungen und Begehren, doch die Einstellung zur Homosexualität war in den verschiedenen Regionen und Kulturen sehr unterschiedlich. Im christlichen Europa verurteilte die Kirche Homosexualität als sündhaft und unmoralisch, was zur Verfolgung von Personen führte, die verdächtigt wurden, homosexuelle Handlungen zu vollziehen. Historische Aufzeichnungen belegen jedoch auch die Existenz blühender homosexueller Gemeinschaften in bestimmten mittelalterlichen Städten, in denen gleichgeschlechtliche Beziehungen in unterschiedlichem Maße toleriert wurden.
Die Kunst des Mittelalters ist – anders als die der Antike – bezüglich der Thematisierung der Homosexualität kaum untersucht worden. Der Aufstieg des Christentums und der wachsende Einfluss der christlichen Kirche auf das Alltagsleben sind dafür verantwortlich, dass die Homosexualität praktisch aus der Kunst dieser Epoche verschwunden ist. Das Christentum wurde 381 unter Theodosius dem Großen zur offiziellen Staatsreligion des Römischen Reichs, nachdem Kaiser Konstantin I. es im vierten Jahrhundert legalisiert hatte. Die Kaiser Constantin und Constans führten 342 erstmals die 390 durch den Codex Theodosianus bestätigte Todesstrafe auf dem Scheiterhaufen für homosexuelle Praktiken unter Männern ein (Warren Johansson und William A. Percy, „Homosexuality“, in Vern L. Bullough und James A. Brundage (Hrsg.), Handbook of Medieval Sexuality (New York, Garland Publishing, Inc., 1966), 160-161).

Lesbische Liebe war bereits 287 durch ein Gesetz von Diokletian und Maximianus auf ähnliche Weise verboten worden. Noch bis ins späte 18. Jahrhundert hinein stand in den meisten westeuropäischen Staaten auf homosexuelle Praktiken, sowohl unter Männern als auch unter Frauen, die Todesstrafe. Diese drakonischen Maßnahmen wurden durch die theologischen Begründungen für die Sexualethik vom Heiligen Paulus bis hin zum Heiligen Augustinus legitimiert. Der Heilige Augustinus hatte von allen Kirchenvätern den dauerhaftesten Einfluss auf die Einstellung zur Sexualität in der westlichen Christenheit. Um das Jahr 400 herum begann Augustinus seinen Angriff auf die klassische Mythologie und versuchte, ihre unmoralischen heidnischen Aspekte zu „korrigieren“. Auf dem Fundament des Alten Testaments propagierte er, dass alle Formen der sexuellen Befriedigung, die nicht der Fortpflanzung dienten, falsch seien, weil ihr einziges Ziel im Genuss und nicht in der Erhaltung der Art bestünde.
Zwischen dem 4. und dem 15. Jahrhundert entstand der Großteil aller Kunstwerke unter kirchlicher Patronage, und selbst private Auftraggeber verlangten häufig sakrale Kunst (Saslow). Die Darstellung der Sexualität, insbesondere der Homosexualität, wurde von der Kirche unterdrückt und später aktiv angegriffen. Die christliche Intoleranz gegenüber der Homosexualität resultierte in erster Linie aus der Reaktion gegen die hedonistische Hinterlassenschaft des griechischrömischen Heidentums, das homosexuelle Praktiken häufig gefördert hatte. Das Christentum setzte es sich zum Ziel, den Körper und alle irdischen Genüsse zu negieren.

Wenn in der mittelalterlichen Kunst einmal erotische Themen vorkommen, sind sie in aller Regel „in feierliche Spiritualität und unaussprechliche Mysterien“ gehüllt (Saslow). Im Mittelalter lässt sich die Homosexualität in zwei ganz verschiedene Varianten einteilen: in die klassische Idee der amicitia (keusche, enge Freundschaft) und sodomia (ein schillernder pejorativer Begriff für ein ganzes Spektrum sexueller Praktiken, vom Analverkehr über Masturbation bis hin zu Sex mit Tieren) (Saslow). Als die einfallenden „Barbaren“ (vor allem Germanen und Kelten) immer stärker in das römische Westreich eindrangen, war es nicht mehr möglich, viele der strengen Maßnahmen der christlichen Kaiser gegen die Homosexualität durchzusetzen. Die Herrscher, die sich letzten Endes etablierten, respektierten das Christentum, waren aber nicht daran interessiert, die Homosexualität mit großem Engagement zu kriminalisieren. Der letzte der Kirchenväter, Papst Gregor der Große, bemühte sich allerdings,die Barbaren zu bekehren und ersann neue Wege, die Verdammung der Homosexualität durchzusetzen.

Eines der effektiveren Instrumente war die Herausgabe von Bußbüchern, das waren Handbücher, die den Priestern dabei helfen sollten, den Laien spirituelle Führung zu geben. Diese Bußbücher erschienen zuerst in Irland und England und verbreiteten sich später auch auf dem Kontinent. Sie kategorisierten die Sünden entsprechend ihrer Schwere und schrieben bestimmte Bußen für ihre Absolution vor. Sodomie, jeglicher homosexuelle Verkehr und Masturbation wurden von diesen Bußbüchern ausnahmslos verdammt. Obwohl die Buße und weniger die Bestrafung für die Sünden im Mittelpunkt stand, war die Einstellung gegenüber der Homosexualität äußerst streng, besonders gegenüber Anal- und Oralverkehr. Unter Karl dem Großen waren für Homosexualität gegen Laien Bußen vorgesehen, während derartige Praktiken bei Priestern scharf verdammt wurden und als unentschuldbar galten (Johansson und Percy). Die Bußbücher befassten sich hauptsächlich mit männlicher Homosexualität. Lesbische Beziehungen wurden insgesamt kaum erwähnt.

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