Wie Fra Angelico das Bild der Jungfrau Maria prägte
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Fra Angelico (ISBN: 9781783106530), von Stephan Beissel, herausgegeben von Parkstone International.
Bereits in Cortona und Fiesole malte Fra Giovanni Marienbilder. Auch in San Marco sind bedeutende Darstellungen der Gottesmutter zu finden. In den Gerichtsbildern erschien sie mit dem Vorläufer zur Seite des Herrn. In diesem Kapitel werden die übrigen Marienbilder zusammengefasst.
Einfach und anspruchslos, aber gut erhalten ist das Tafelgemälde im Spital bei S. Maria Nuova zu Florenz (Madonna der Demut). Maria sitzt zwischen zwei Engeln auf einem Thron und hält ihr Kind auf dem Schoß. Auch in einem stark restaurierten Bild der Berliner Galerie steht das bekleidete Kind auf dem Schoß der Mutter, zur Rechten wird es vom hl. Dominikus, zur Linken vom hl. Petrus Martyr verehrt (Maria mit dem Kind und den Heiligen Dominik und Petrus Martyr oder Madonna der Demut).

Reicher ist das in einen kostbaren Rahmen gefasste Bild der Galerie Pitti (Maria mit dem Kind von Engeln und den Heiligen Petrus, Thomas von Aquin, Dominik und Petrus Martyr umgeben). Es befand sich früher in den Uffizien, wohin es aus dem Camaldulenserinnenkloster des hl. Petrus Martyr in San Felice gelangte. In seiner Mitte sitzt wiederum Maria mit ihrem bekleideten Kind auf dem Thron. Zur Linken und Rechten stehen, durch Säulen von ihr getrennt, die Heiligen Johannes Baptista, Dominikus, Thomas von Aquin und Petrus Martyr. Oben in den Giebeln hat der Maler die Verkündigung in Brustbildern, weiter nach hinten einige kleine Szenen angebracht.
Drei große, für den Hochaltar von San Marco, für die Dominikanerinnen von Annalena und für das Kloster Bosco ai Frati bei Florenz gemalte Tafelbilder mit je sechs die Himmelskönigin begleitenden Heiligen befinden sich in der Akademie zu Florenz (Jungfrau mit dem Kind von Engeln und den sechs Heiligen Antonius von Padua, Ludwig von Toulouse, Franziskus, Kosmas, Damian und Petrus Martyr umgeben). In dem zuletzt genannten Gemälde ist das Kind unbekleidet. Außer jenen sechs Heiligen haben noch zwei Engel neben dem Thron der Gottesmutter Platz genommen. Sechs weitere Heilige umgeben in der Predella den im Grab stehenden Erlöser.

Ähnlich, doch ohne Engel, ist die aus dem Dominikanerinnenkloster herrührende Tafel. Nach Rio wären beide Werke erst nach der römischen Reise des Malers, um 1450, entstanden. Für die leider übermalte und auseinander gerissene Tafel aus San Marco hatte Fra Angelico 1438 sein bestes Können aufgewandt (Jungfrau mit dem Kind, acht Engeln, sechs Heiligen und den vor ihr knienden Heiligen Kosmas und Damian). Darin verließ er die Richtung Giottos, wechselte in die Richtung der Neuerer und stellte die sechs Heiligen nicht mehr wie vereinzelte Statuen neben die Hauptfigur, sondern fasste sie in Gruppen zusammen. Er hat sie als Gefolge ihrer Königin freier und großartiger behandelt als die meisten seiner anderen Gestalten.
Dieses Altarbild war eben für das große Publikum und für die von den ehrgeizigen Mediceern erbaute Kirche bestimmt und somit der Kritik der zahlreichen und bedeutenden Künstler der Arnostadt unterworfen. Der hl. Antonin musste als Prior darauf dringen, hier ein möglichst vollendetes Werk aufzustellen und sein demütiger Untergebener musste mit vollem Herzen auf dessen Wünsche eingehen. Zu beiden Seiten erblicken wir die hll. Dominikus, Franziskus und Petrus Martyr sowie Markus, Paulus und Laurentius; vor ihnen knien Kosmas und Damian, einige kleine Engel aber umgeben sie. Die Predella enthielt Szenen aus der Legende der Heiligen Kosmas und Damian. Zwei (Die Heilung des Diakons Justinian und Das Begräbnis von Kosmas und Damian) hängen in der Akademie, zwei andere befinden sich in der Kirche der Santissima Annunziata, drei weitere in der Pinakothek zu München.

Eines aus der Sammlung Lombardi zu Florenz ist für die Galerie zu Dublin erworben worden. Die Münchner Bilder sind 0,43 m hoch und 0,36 m breit. In einem davon stehen Kosmas und Damian mit ihren drei Gefährten vor dem Richter (Kosmas und Damian vor Lysias). Die Architektur des Hintergrundes hat Renaissanceformen und erinnert an die noch zu behandelnden Wandgemälde der Kapelle des Papstes Nikolaus V. (1397 bis 1455) zu Rom. In dem anderen erscheinen die fünf Märtyrer im Vordergrund vor dem Richter, im Hintergrund werden sie ins Meer gestürzt (Kosmas und Damian werden vor dem Ertrinken gerettet und Kosmas und Damian werden vergeblich gekreuzigt und gesteinigt). In dem einen Bild hängen zwei am Kreuz, die drei anderen stehen vor ihnen. Die Pfeile und Steine, die gegen die Gekreuzigten geschleudert werden, kehren zurück und wenden sich gegen die Henker. Die Farbe ist, vielleicht infolge einer Übermalung, etwas schwer.
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