Religion und Spiritualität in der Kunst Afrikas verstehen
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Die Kunst Afrikas (ISBN: 9781783106882), von Maurice Delafosse, herausgegeben von Parkstone International.
Islam, Christentum und Animismus
Bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts schrieb man dem Islam in Bezug auf die Größe und Bedeutung seines Verbreitungsgebiets innerhalb Schwarzafrikas für gewöhnlich eine zu große Rolle zu. Er war kaum weiter als bis in die schwarzen Populationen am Rand der Sahara vorgedrungen. Die Zahl seiner Anhänger nahm, je weiter man sich nach Süden bewegte, stetig ab, und selbst in der als Sudan bezeichneten Region war er zahlenmäßig bei weitem nicht die vorherrschende Religion.
Man kann sagen, dass die einzigen Völker Afrikas, die, abgesehen von den weißen Bevölkerungsgruppen Ägyptens, des Berberreiches und der Sahara, mehrheitlich muslimisch waren. So die spät islamisierten Wolof, die Tukulor, die Fulbe des Futa Djallons, die Soninke, die Jula, die Songhai, die Kanuri des Bornureiches, die Kanembu, die Teda im Kawar-Tal, im Tibesti sowie im Borku, einige Stämme der Reiche Wadai, Darfur und Kurdufan, die Bischarin, die Danakil, die Somali und bestimmte Kollektive der Inseln und der Küste von Sansibar, die insgesamt eine sehr beschränkte Summe von Menschen ergaben.

Die Fulbe, die Mandinka, die Susu, die Yoruba, die Hausa und die Bagirmi waren teils muslimisch und teils heidnisch. Teile des Gallavolkes sowie weitere negroide Bevölkerungsgruppen aus Abessinien und dessen Umgebung waren christlich, andere heidnisch und einige wenige muslimisch. Der ganze Rest, das heißt die große Mehrheit der schwarzen Bevölkerung Afrikas, blieb heidnisch, wenn man von einigen Hunderttausenden Christen absieht, die hier und da in der Nähe von Einrichtungen für katholische oder protestantische Missionare verstreut waren, insbesondere an der Küste des Senegal und von Sierra Leone, in Liberia, an der Goldküste, in Dahomey, Lagos, Duala, Jaunde in Kamerun, Libreville, Angola, den Gebieten der Südafrikanischen Union (Südafrika), Mosambik und Uganda. Es hatte sich kein einziges schwarzes Volk geschlossen zum Christentum bekehrt.

Es sollte auch erwähnt werden, dass die christlichen und die muslimischen Schwarzen im Ganzen betrachtet in großer Zahl jeweils ihrem altüberlieferten Glauben und vielen Riten ihres vergangenen Heidentums treu blieben. Doch was machte dieses – zumindest sogenannte – Heidentum aus, das ja die ursprüngliche Religion war und in dieser Hinsicht von großem Interesse sein sollte. Es wird allgemein als „Fetischismus“ bezeichnet, jedoch ist der Fetischismus, d. h. der Glaube an den Wert von Fetischen und Talismanen, keine Religion; es handelt sich dabei lediglich um eines der offensichtlichsten Anzeichen allgemeinen Aberglaubens. Fetischismus lässt sich in allen Religionen finden und die christlichen sowie die muslimischen Schwarzen sind genauso fetischistisch wie die heidnischen Schwarzen: nur dass erstere beide mehr „Fetische“ haben, weil sie nicht nur diejenigen des Heidentums bewahrt, sondern ihnen auch noch jene Fetische hinzugefügt haben, die sie einer Vielzahl von im Übrigen selten einheitlichen Praktiken des Christentums und des Islams entnommen haben.
Geister der belebten und unbelebten Dinge
Die Religion der Schwarzen Afrikas ist in Wahrheit der Animismus, d. h. der Glaube an die Allmacht der Geister, um die der Gläubige einen aus Gebeten, gewöhnlichen Darbringungen und Opfergaben bestehenden Kult veranstaltet, durch den die Gunst der Geister erlangt, ihr Zorn von der eigenen Person abgelenkt oder auf Feinde abgeschoben werden soll.

Aber was genau sind diese Geister? Es handelt sich dabei nicht um den Geist des Guten und den Geist des Bösen, nicht um gute Geister und böse Geister. Der Animismus der Schwarzen hat nichts Dualistisches an sich und das, was mehrere Missionare dazu bewogen hat, ihn unter diesem Gesichtspunkt darzustellen, kann lediglich von einem subjektiven Erinnern an die von bestimmten Christen vorgenommene Unterscheidung zwischen Gott und dem Teufel herrühren.
Um einen besseren Einblick in Die Kunst Afrikas zu erhalten, setzen Sie dieses spannende Abenteuer fort, indem Sie auf:
Darüber hinaus können Sie die folgenden Ausstellungen besuchen, um einen tieferen Einblick in die afrikanische Kunst zu erhalten:
- Kunst Afrikas im Met Museum – The Metropolitan Museum of Art (laufend)
- Gemeinschaft und Kontinuität: Afrikanische Kunst und indigene amerikanische Kunst im Virginia Museum of Fine Arts (27. September 2025 – 1. August 2026)
- Kunstgalerie Afrikas im Denver Art Museum (laufend)



