Vierge Maria
Art,  Deutsch

Die Jungfrau Maria in der Kunst der Renaissance: Glaube, Anmut und Symbolik

In diesem Video haben wir das Bild „Serene Statue of Virgin Mary in Church“ von Dominik Gryzbon aus der Pexels-Datenbank verwendet.

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem adonna Portraits, von Kyra Belán, herausgegeben von Parkstone International.

Das Zeitalter der Renaissance umfasst in der Kunstgeschichte der westlichen Kulturen grob gerechnet zwei Jahrhunderte, das fünfzehnte und das sechzehnte Jahrhundert. Die von den französischen Historikern Renaissance genannte (wörtlich “wieder geboren werden”) und sehr bedeutende Bewegung breitete sich über ganz Europa aus und im Zuge der Eroberung anderer Kontinente vielleicht sogar über die ganze Welt. Ursprünglich entstand die Bewegung in Italien, als die antike Welt der römischen und griechischen Kulturen wiederentdeckt wurde, teils dort und teils in anderen Regionen mit arabischen Verbindungen, die sich jedoch am Mittelmeerraum orientierten. Für die bildenden Künste war es eine Periode größerer stilistischer Veränderungen, da die Kirche ihnen jetzt die Freiheit gab, den, wenn auch idealisierten, Realismus und Naturalismus in der Kunst der alten Römer und Griechen als Quelle der Inspiration zu nutzen. Nach einer längeren Periode mutwilliger Zerstörung wurden die alten Kunstwerke der Griechen und Römer restauriert, gesäubert und der Bewunderung zugänglich gemacht. Kunstaufträge umfassten sakrale Themen aus der christlichen sowie der vorchristlichen Ära und oft war es den Künstlern gestattet, Themen aus der christlichen Ära mit solchen aus der vorchristlichen zu neuen Mischformen zu verbinden. Themen, die ursprünglich der marianischen Kunst entstammten, wurden wieder aufgegriffen, weiterentwickelt und durch die Verwendung realistischer Stilmittel neu definiert. Die Bilder der Madonna, die während der Renaissance geschaffen wurden, betonten oft ihre physische Schönheit und Menschlichkeit wie auch die Spiritualität ihrer Person.

Lorenzo di Credi, Verkündigung. 1480-1485, Maria
Lorenzo di Credi, Verkündigung. 1480-1485, Öl auf Holz. 88 x 71 cm, Uffizien, Florenz.

Die Frauen im Zeitalter der Renaissance waren größeren Restriktionen ausgesetzt und ihre politischen Rechte wurden immer mehr beschnitten, sie mussten sich also auf die Rolle der Mutter und der Hausfrau beschränken. Mit Hilfe der Inquisition, die Frauen zu Tausenden und vielleicht sogar Millionen hinrichten ließ, übte die Kirche strenge Kontrolle über die Frauen aus. Diejenigen, die überlebten, fristeten ihr Dasein in Angst vor diesem rücksichtslosen und rachsüchtigen Arm der Kirche. In den Künsten spielten Frauen nur als Hilfskräfte der männlichen Personen ihrer Familie eine Rolle, oft waren sie die Assistenten ihrer Ehemänner und wirkten als solche schöpferisch in den Kunstwerkstätten mit. Einige wenige wurden jedoch selbständige Künstlerinnen und erlangten zu Lebzeiten größere Anerkennung. Das Volk ließ sich in seiner Verehrung Marias nicht beirren und trotz der Missbilligung von Seiten der Kirche, die bemüht war, Maria innerhalb der Kirche eine geringere Rolle zuzuweisen, brachte das Volk sie weiter mit den vielen wiederentdeckten Gottheiten der griechisch-römischen Vergangenheit in Verbindung. Die Kunst spiegelte die Sehnsucht nach Bildern der Madonna wider und die Kirchen machten sich zu Komplizen, indem sie viele dieser Bilder in Auftrag gaben.

Jede Legende aus dem Leben Marias wurde von den Künstlern ausgeschöpft und neue Varianten der alten Motive sprudelten hervor. Jeder Künstler war an kirchlichen Aufträgen und den Möglichkeiten, die sich ihm durch sie erschlossen, interessiert. Die Priester, die Herrscher, der Adel und die neuen Reichen wie die Kaufleute, alle bemühten sich ihrerseits um die Beachtung der Künstler, indem sie ihnen Aufträge für Portraits, für Bilder der von ihnen bevorzugten Gestalten früherer Mythen und vor allem der Madonna mit dem Jesuskind erteilten. Das mittelalterliche Verständnis Marias als neuer Eva, der reinen und vollkommenen göttlichen Kreatur, die dem Volk Rettung und ewige Seligkeit im Himmelreich verhieß, erlangte wieder neue Bedeutung und der Marienkult betonte mit Nachdruck ihren Status als Himmelskönigin. Häufige Erscheinungen trugen zur Entstehung weiterer volkstümlicher Legenden der Madonna bei, die als die Wegbereiterin zur himmlischen Seligkeit und die große Fürsprecherin der Menschheit verehrt wurde.

Mariotto Albertinelli, Heimsuchung. 1503, Maria
Mariotto Albertinelli, Heimsuchung. 1503, Öl auf Holz. 232 x 146 cm, Uffizien, Rom.

Eine Buchillustration von B. Furthmeyr mit dem Titel Maria und Eva unter dem Baum des Sündenfalls aus dem Jahre 1481 stellt den Volksglauben von Maria als “Neuer Eva” dar. Es zeigt Maria und Eva auf jeder Seite des Apfelbaums stehend, Archetypus für die Quelle des Überflusses in der Natur. Eine lange Schlange windet sich um den Stamm des Baumes. Die Schlange ist im jüdischchristlichen Glauben Symbol für das Böse und den Teufel, war aber andererseits auch ein Symbol für die Güte der Muttergöttin. Der Baum und die Schlange sind in vielen alten Religionen Symbole einer Göttin und verkörpern ihre Macht, Überfluss und Leben hervorzubringen. Da Sexualität und Sinnlichkeit in den alten, die Muttergöttin verehrenden Religionen positiv besetzt waren, war auch Nacktheit akzeptiert, im Fall Evas bedeutet Nacktheit jedoch auch den Verlust der göttlichen Gnade des patriarchalischen männlichen Gottes. Deshalb ist Eva nackt, während Maria voll bekleidet dargestellt wird, nur ihr Gesicht und die Hände sind unbedeckt. Während der frühen Renaissance wie auch vorher im Mittelalter wurde Nacktheit mit dem Sündenfall und dem Dogma der Erbsünde assoziiert. Diese Auffassung begann sich in der westlichen Kunst zu wandeln – und dies sollte nicht ohne Wirkung auf die Bilder von Maria bleiben. Die Darstellungsform der Jungfrau wurde entsprechend sinnlicher, auch wenn sie niemals nackt gezeigt wurde.

Hans Holbein d. Ä., Maria und Kind. 1499, Maria
Hans Holbein d. Ä., Maria und Kind. 1499, Öl auf Holz. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg.

Entdecken Sie unsere Sammlung religiöser Kunst:

Parkstone International is an international publishing house specializing in art books. Our books are published in 23 languages and distributed worldwide. In addition to printed material, Parkstone has started distributing its titles in digital format through e-book platforms all over the world as well as through applications for iOS and Android. Our titles include a large range of subjects such as: Religion in Art, Architecture, Asian Art, Fine Arts, Erotic Art, Famous Artists, Fashion, Photography, Art Movements, Art for Children.

Leave your thoughts here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Discover more from Parkstone Art

Subscribe now to keep reading and get access to the full archive.

Continue reading

Share via
Copy link
Powered by Social Snap