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Die Englische Malerei

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Die Englische Malerei von Vincent A. Smith, herausgegeben von Parkstone International.

Die Englische Malerei 1
William Hogarth, Mariage à la Mode: 1, Der Ehevertrag, um 1743.
Öl auf Leinwand, 69,9 x 90,8 cm. National Gallery, London.

Gibt es überhaupt eine englische Schule der Malerei? Streng genommen passt das Wort ıSchule„ nur in sehr unvollkommener Weise zur Geschichte der englischen Malerei. Generell wird diese Vokabel verwendet, um eine Gesamtheit von Vorgehen und Traditionen, eine bestimmte Methode, einen charakteristischen Stil im Design und einen ebenso eigenständigen Geschmack in der Farbgebung zu bezeichnen – dies alles trägt zur Darstellung eines in den Köpfen der Künstler eines Landes zur gleichen Zeit bestehenden nationalen Ideals bei. In diesem Sinne spricht man von der Flämischen Schule, der Niederländischen Schule, der Spanischen Schule, von mehreren italienischen Schulen und von der Französischen Schule, aber nicht von einer Englischen Schule.

Die Englische Malerei 2
Thomas Gainsborough, Mr. und Mrs. Andrews, um 1750.
Öl auf Leinwand, 69,8 x 119,4 cm. National Gallery, London.

Das Wort kann auf die englische Kunst nicht angewandt werden, denn es ist genau dieses Fehlen einer nationalen Tradition, das beim Studium der englischen Malerei am meisten auffällt. Jeder Maler steht für sich selbst und ist von seinen Künstlerkollegen sozusagen isoliert. Von einer Einheitlichkeit der Methode oder der Unterrichtsmethoden ist keine Spur zu finden, es gibt keine systematische Unterrichtung seitens des Staates, der Academy oder der Schulen der schönen Künste. Die englische Kunst ist frei, und eben deswegen ist sie unendlich vielfältig, voller Überraschungen und unerwarteter Originalität.

Die Englische Malerei 3
J.M.W. Turner, Das Wrack eines Transportschiffes, um 1810.
Öl auf Leinwand, 172,7 x 241,2 cm. Fundaçao Calouste Gulbenkian, Lissabon.

Aber wenn man der Kürze halber unter dem Namen ıSchule„ alle separaten, die Kunst einer Nation darstellenden Erscheinungsformen und eine der Geschichte würdige Kunst zusammenfasst, dann gibt es zweifellos auch eine Englische Schule. Ihr Aufschwung liegt schon zwei Jahrhunderte zurück, und doch war sie auf dem Kontinent ziemlich unbekannt. Erst zur Zeit der Pariser Weltausstellung des Jahres 1855, als die englischen Künstler jener Zeit ihre Produktionen zum ersten Mal über den Ärmelkanal schickten, wurden sich die übrigen Europäer ihrer Existenz bewusst. Die Überraschung in Frankreich war groß, als die Wände des kleinen, nur kurzlebigen Gebäudes in der Avenue Montaigne mit einem zu keiner französischen Augen vertrauten Schule gehörenden umfangreichen Bilderzyklus ausgestattet waren. Bis zu diesem Zeitpunkt war den Engländern weder Gefühl noch Genie – ich meine damit praktisches Kunstgefühl – zugestanden worden.

Die Englische Malerei 4
John Constable, Golding Constables Blumengarten, 1815.
Öl auf Leinwand, 33 x 50,8 cm. Ipswich Borough Council Museums and Galleries, Suffolk.

Es kann nicht bestritten werden, dass, auch wenn England damals keine großen Maler hatte, das Land aufstrebende Gelehrte, Amateure und Kunstsammler aufweisen konnte, die wohl wussten, dass die britische Aristokratie sehr reich ausgestattete Galerien alter Meister besaß , in denen die schönsten Werke Nicolas Poussins (1594-1665) und Antoine Watteaus (1684-1721) vereinigt waren, auch wenn diese in Frankreich zur Zeit Jaques-Louis Davids (1748-1825) recht geringschätzig behandelt wurden.

Die Englische Malerei 5
John Constable, Mrs. Edwards, um 1818. Öl auf Leinwand, 75,8 x 63,5 cm.
Museum of Art, Rhode Island School of Design, Providence.

Vielleicht weniger aus echter Bewunderung denn mehr aufgrund dieses Erstaunens wurde die im Jahre 1855 so plötzlich entdeckte Schule etwas über ihre eigentlichen Verdienste hinaus gepriesen. Wären die Werke der englischen Maler des 18. Jahrhunderts zur gleichen Zeit ausgestellt worden, wäre die Entdeckung noch verblüffender gewesen und hätte einen solchen enthusiastischen Ausbruch der Bewunderung mehr verdient.

Die Englische Malerei 6
Edward Burne-Jones, Amor findet Psyche schlafend an einem Brunnen, 1865.
Aquarell, Gouache und Pastell auf Papier, auf Leinwand aufgetragen, 66,8 x 47,6 cm.
Manchester City Art Galleries, Manchester.

Im Jahr 1725 war England von dem unerwarteten Auftreten eines echten englischen Künstlers völlig überrascht. Englisch in seinen Anlagen, in seinen Gewohnheiten und seinem Temperament sowie von Geburt aus, war sein Fall fast beispiellos. Dieser Künstler war William Hogarth1 (1697-1764).

Bis zu seiner Zeit wurden nacheinander ausländische Künstler, und von ihnen insbesondere die nordischen Maler – Hans Holbein d. J. (1497/1498-1543), Peter Paul Rubens (1577- 1640), Anthonis van Dyck (1599-1641), der auch Peter Lely genannte Pieter van der Faes (1618-1680) und Federico Zuccaro (1542-1609) – von den englischen Herrschern an deren Hof geholt. Sie wurden beauftragt, Burgen, Kirchen und Schlösser zu dekorieren und erhielten nicht nur vom Hof, sondern auch vom Adel, großzügige Bestellungen, die aus ihrem Aufenthalt auf britischem Boden einen ständigen Triumph machten.

Die Englische Malerei 7
John William Waterhouse, Die Lady von Shallott, 1888.
Öl auf Leinwand, 153 x 200 cm. Tate Collection, London.

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Weiterführende Literatur:

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