Der himmlische Pinsel von Fra Angelico: Meister der Frührenaissance
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Fra Angelico (ISBN: 9781783106530), von Stephan Beissel, herausgegeben von Parkstone International.
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts herrschte im Dominikanerkloster des toskanischen Fiesole ein überaus reges geistiges Leben. Giovanni di Dominikus Bacchini (bis 1419), der später Erzbischof von Hagusa und auch Kardinal war, hatte es 1406 gegründet, um die frühere, vom hl. Dominikus im Orden eingeführte Strenge wieder herzustellen. Die Mitglieder seiner reformierten Häuser sollten sowohl durch Predigt und Wissenschaft als auch durch die Kunst das Seelenheil ihrer Mitbrüder fördern. Aus Venedig verbannt, kam er 1399 nach Città di Castello bei Arezzo. Von dort aus wurde er nach Florenz berufen, um während des Advents und während der Fastenzeit im Dom zu predigen. Ser Lapo Mazzei berichtete über eine der ersten dieser Predigten an einen seiner Freunde:
„Ich war in Santa Liparata (dem Dom), in dem ein Bruder über das arme Leben des hl. Dominikus predigen sollte und auch wirklich predigte. Und ich sage Euch, weder solch eine Rede habe ich bisher gehört, noch solch einen Vortrag. Alle weinten oder standen stumm vor Staunen beim Anhören der klaren Wahrheit. Er spricht von der heiligen Menschwerdung Gottes in einer Weise, dass er die Seelen aus dem lebendigen Leibe herauszieht und alle Welt ihm nachläuft.“

Die Sitten in der Stadt besserten sich allmählich, und Dominikus’ Einfluss stieg von Tag zu Tag. Der Bischof von Fiesole schenkte ihm 1405 einen Bauplatz für ein Kloster und eine Kirche, so dass mit den Bauarbeiten umgehend begonnen werden konnte. Bereits ein Jahr später bezog der eifrige Ordensmann mit dreizehn Gleichgesinnten den neuen Konvent und zahlreiche weitere junge, talentierte Leute meldeten sich zur Aufnahme. Bereits im Jahre 1405 hatte sich der damals erst 16-Jährige Antonin, der spätere Bischof von Florenz (bis 1459), bei Dominikus vorgestellt. Auf die Frage, was er studiere, hatte der Jüngling sich als Freund des Kirchenrechts bekannt. Er erhielt zur Antwort: „Wir nehmen nur solche Schüler des Kirchenrechts in unseren Orden auf, die das ganze Dekretum auswendig können. Geh also, mein Sohn, und erlerne es. Dann kannst du getrost zu uns kommen.“ Er ging, kehrte zurück und bestand die Prüfung. Dominikus gab ihm das Ordenskleid und sandte ihn nach Cortona, wo der selige Lorenzo von Ripafratta seit etwa 1403 das Noviziat des reformierten Zweiges des Ordens leitete.

An die Pforte des Klosters von Fiesole klopften im Jahr 1408 zwei Brüder und baten um Aufnahme. Der ältere, Guido (Guidolino), zählte 21, der jüngere erst 18 Jahre, ihr Vater Pietro lebte in einer kleinen Ortschaft beim Schloss Vicchio, zwischen Dicomano und Borgo San Lorenzo in der toskanischen Provinz Mugello, unweit des Geburtsortes des Malers und Architekten Giotto di Bondone (um 1266 bis 1337) gelegen. Auch an sie wird die Frage ergangen sein, was sie gelernt hätten, auch sie wird man für ein Kloster der reformierten Dominikaner erst als tauglich erachtet haben, nachdem sie ihr Talent bewiesen hatten. Der ältere erwies sich als ein tüchtiger Maler, der jüngere als begabter Schreiber.

Dominikus befand sich damals nicht mehr in Fiesole, weil er 1406 im Auftrag der Republik Florenz eine Sendung nach Rom übernommen hatte. In der Ewigen Stadt schloss er sich enger an Papst Gregor XII. an, von dem er am 12. Mai 1409 zum Kardinal ernannt wurde. Sein Stellvertreter in Fiesole nahm die beiden Bittsteller freundlich auf, gab ihnen das Ordenskleid und nannte den älteren Fra Giovanni, (Giovanni del Mugello) den jüngeren Bruder aber Fra Benedetto (Benedetto del Mugello). Dann sandte er sie ins Noviziat von Cortona, wo sie sich ein Jahr lang vor allem im Gebet und in strenger Buße üben sollten. Für dieses Noviziat und die ganze Geistesrichtung des Fra Giovanni (Angelico) ist ein Ausspruch Dominikus’ bezeichnend:
„Den möchte ich (noch) nicht einen guten Novizen nennen, welcher stets mit niedergeschlagenen Augen einhergeht, eine lange Reihe von Psalmen hersagt, nie beim Gesang im Chor fehlt, das Stillschweigen beobachtet, den Frieden (mit den Mitbrüdern) liebt, gern in der Zelle bleibt, die Geißelung öfter vornimmt, häufiges Fasten übt, den Verkehr mit den Weltleuten gänzlich meidet und allen übrigen Übungen der Askese obliegt, die von den Anfängern für die Heiligkeit selbst gehalten werden. Nein, sondern dem allein gebe ich das Zeugnis eines guten Novizen, der vollkommen den rechtmäßigen Willen seiner Vorgesetzten nach Kräften erfüllt.“

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