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Vom Vandalismus zur Verehrung – Amerikanische Graffiti-Kunst erobert die Galerieszene

In diesem Video verwendeten wir Aufnahmen eines mit Graffiti bedeckten Zuges am Bahnhof Sassari, ein Video von Jan DH über eine städtische Verkehrsszene sowie ein Video von cottonbro studio von Pexels, in dem ein Graffiti-Künstler unter einer Stadtbrücke leuchtend gelbe Kunst sprüht.

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem American Graffiti (ISBN: 9781783106653), von Margo Thompson, herausgegeben von Parkstone International.

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Von 1981 bis 1983 verfolgten die in der Ausstellung New York / New Wave gezeigten Graffiti-Künstler ihre beruflichen Ziele in kommerziellen Galerien in Einzelausstellungen weiter. Jean-Michel Basquiat, der Star der Ausstellung, wurde fast augenblicklich mit mehreren Ausstellungen international bekannt, und zwar bei Annina Nosei in New York, Larry Gagosian in Los Angeles und Bruno Bischofberger in Zürich. LEE ließ sich 1982 als erster ehemaliger Sprayer von einer Galerie in SoHo repräsentieren, und zwar von Barbara Gladstone. Im East Village waren es als begeisterte Unterstützer der Graffiti-Kunst als Bewegung die im zweiten Kapitel vorgestellte Fun Gallery und Rich Colicchios 51 X, das im Frühjahr 1982 auf St. Mark’s Place eröffnet wurde.

DONDI, FAB FIVE FREDDY und FUTURA 2000 hatten in beiden Galerien Einzelausstellungen. Das Fashion Moda repräsentierte weiterhin vor allem die in der Bronx lebenden Graffiti-Künstler wie CRASH, DAZE, LADY PINK und die „gotischen Futuristen“ KOOR, TOXIC, RAMMELLZEE und A-ONE. Diese Ausstellungen lösten auch bei anderen Händlern Begeisterung für die Graffiti-Kunst aus: Bruno Bischofberger und Tony Shafrazi beobachteten aufmerksam, was in der Fun Gallery passierte, und der holländische Galerist Yaki Kornblit eröffnete wieder seine Galerie in Amsterdam, um die Arbeiten von Graffiti-Künstlern zu zeigen (dies wird im nächsten Kapitel besprochen werden).

LEE, The Bearer, graffiti-kunst
LEE, The Bearer, Datum unbekannt. Sprühlackfarbe auf Leinwand, 263,5 x 221,5 cm.

Die ehemaligen Sprayer wurden in der Kunstpresse rezensiert, selten aber in Bezug auf die Hochkultur: Der Vergleich zwischen den Bildern von FUTURA 2000 und Kandinsky stellte eine Ausnahme dar. Graffiti- Kunst wurde als Bewegung durch einen anderen Begriffsrahmen konstituiert, der die Authentizität der Stimme des Künstlers betonte und ihm eindeutig primitive Eigenschaften zuschrieb. Die Unterstützer argumentierten, dass die Graffiti-Künstler eine pulsierende, jedoch missverstandene Subkultur und Ghetto-Jugend ausdrückten und nicht bloß Produkte des Kunstmarkts seien. Für sie bedeutete die fehlende institutionelle Ausbildung, dass sie nicht von künstlerischen Konventionen eingeschränkt waren und eine neue Alternative zu modernistischen Traditionen darstellten. Die Sprayer, die noch nicht zynisch und durch Marktforderungen verdorben seien, besäßen einen neuen Stil, der noch nicht zu einer Handelsware gemacht worden sei.

Ob Graffiti weniger authentisch sei, wenn es in kommerziellen Galerien ausgestellt werden würde, blieb eine quälende Frage für Händler, Sammler, Kritiker und die ehemaligen Sprayer selbst. Die Gegner argwöhnten, dass Graffiti-Kunst und Kunst aus dem East Village nur ein großer ‘Hype’ sei, den man naiven und begierigen Kunstkonsumenten andrehen würde. Die ehemaligen Sprayer erhielten die Rolle als „echte Primitive“: Außenseiter, die leicht von der Kunstwelt korrumpiert werden würden. Diese Etikettierung war unfair und unrichtig, da sie den Sprayern den Handlungsspielraum absprach, den Scharf, Haring und Basquiat bei der Entwicklung ihrer Stile und Motive angeblich hatten. Wenn die Sprayer aber einmal korrumpiert wären, dann würde ihre Kunst in den Augen der Kritiker natürlich nicht mehr authentisch sein.

A-ONE, Street Triangle, 1984-1985, graffiti-kunst
A-ONE, Street Triangle, 1984-1985. Sprühfarbe auf Leinwand, 395 x 198 cm. Zur Verfügung gestellt von Henk Pijnenburg, aus seiner Sammlung, Deurne.

Die ambivalente Stellung der Graffiti-Kunst in den frühen 1980er Jahren verbindet sie mit einer Abkehr von der Moderne, die der Kunsthistoriker Hal Foster skizzierte. Die Moderne, so Foster, die einst von avantgardistischen Provokationen geprägt war, sei als historische Bewegung „… zurückgetreten“ und etwas anderes, das an eine aufwallende Kulturindustrie gebunden war, hätte sie ersetzt. Basquiat und die Graffiti-Kunst würden diese Entwicklung, die Foster als „… Subversion des Subversiven“ bezeichnete, verkörpern.

SAMOs Sprüche und die Tags der Sprayer an ihren ursprünglichen Orten forderten die gesellschaftlichen Konventionen, die junge Farbige als Stereotype darstellten und ihnen eine authentische Stimme absprachen, heraus. Die Moderne und die Massenmedien eigneten sich diese Provokationen von außen an und assimilierten sie, indem Subkultur in Mainstream-Kultur umgewandelt wurde, wie es Dick Hebdige beschrieb.

LEE, Goodbye America, 1983, graffiti-kunst
LEE, Goodbye America, 1983. Lackfarbe auf Leinwand, 201 x 270 cm. Galerie Barbara Farber, Amsterdam.

Foster schrieb: „So wird aus dem Straßenkünstler SAMO Jean-Michel Basquiat, Primitiver / Wunderkind der neuen Kunstwelt.“ Der Erfolg dieses Wandels erfordere eine „… taxonomische Verschiebung“ mit einer Bezugnahme auf kunstgeschichtliche Präzedenzfälle, um den Nachweis zu erbringen, dass es berechtigt war, Graffiti als Kunst und nicht als Vandalismus zu klassifizieren. Foster beobachtete auch, dass mit der Anerkennung der Sprayer als Künstler „… anonyme Tags zu Unterschriften von Prominenten werden. Anstatt gegen den Code anzurennen, wird Graffiti nun durch ihn festgelegt und eine Form des Zugangs zu ihm, nicht seiner Überschreitung“.

LEE, DONDI, FUTURA 2000 und FAB FIVE FREDDY illustrierten Fosters Beschreibung der Graffiti-Kunst: „Wie die Cartoons und Comics in einem großen Teil der Kunst aus dem East Village, ist Graffiti-Kunst weniger mit der Anfechtung der Grenzen zwischen Museum und Rändern, ‘high’ und ‘low’ beschäftigt, sondern damit, einen Platz in ihnen zu finden.“ Einfach ausgedrückt: diese Graffiti-Künstler wollten Erfolg in der Kulturindustrie haben, was sie nicht zu Avantgardisten, sondern Postmodernisten machte.

Um einen besseren Einblick in American Graffiti zu erhalten, setzen Sie dieses spannende Abenteuer fort, indem Sie auf:

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