Frida Kahlo, Diego Rivera
Art,  Deutsch

Frida Kahlo: Von Frida zur Señora Diego Rivera

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Frida Kahlo (ISBN: 9781783106387), von Gerry Souter, herausgegeben von Parkstone International.

Klicken Sie auf das Cover, um Details anzuzeigen

Am 21. August 1929 heiratete die 22-jährige Frida Kahlo standesamtlich den 42-jährigen Diego Rivera in Begleitung einiger enger Freunde im Rathaus von Coyoacán. Offizielle Trauzeugen waren ein homöopathischer Arzt und ein Perückenmacher. Der Richter war ein Freund von Rivera aus seinen Studententagen an der Schule der Bildenden Künste. Diego, sein Haar nach hinten geglättet, stand kerzengerade im einfachen grauen Anzug, seinem Stetson, weitem Gürtel und dem Colt im Hosenbund. Frida, die sich von ihrem Dienstmädchen einen langen Rock mit Bluse geliehen hatte und über ihrer Schulter eine rote Rebozo-Stola trug, reichte kaum bis an seine Oberarme. Dadurch ergab sich der Eindruck von einer kleinen dunklen Porzellanpuppe neben einem immens großen Porzellanmops. Nach der Zeremonie posierten sie für einen Photographen von La Prensa. Die begleitende Geschichte liest sich folgendermaßen:

„Vergangenen Mittwoch heiratete in dem nahe gelegenen Dorf Coyaocan der umstrittene Maler Diego Rivera Fräulein Frida (sic) Kahlo, eine seiner Studentinnen. Die Braut war, wie man sehen kann, im einfachen Gewand gekleidet und der Maler Rivera wie ein Amerikaner ohne Weste. Die Heirat war überhaupt nicht pompös und wurde in aller Bescheidenheit in einer sehr herzlichen Atmosphäre ohne Prunk und ohne feierliche Anmaßung durchgeführt. Den frisch Verheirateten wurde nach der Trauung von einigen Freunden ausführlich gratuliert.“

Porträt von Luther Burbank, 1931, Frida Kahlo, Diego Rivera
Porträt von Luther Burbank, 1931. Öl auf Holzfaserplatte, 86,5 x 61,7 cm. Museo Dolores Olmedo, Mexiko-Stadt.

Danach bewegte sich die Party zur Casa Azul. Matilde Kahlo war immer noch wütend und murmelte, dass Rivera nun wie ein „fetter Bauer“ aussah – immerhin eine Verbesserung im Vergleich zur „fetten Kröte“. Lupe Marín war auch eingeladen und nach einer ausgiebigen Tequilaprobe schob sie ihre Hände unter Fridas Rock und zog ihn hoch.

„Seht ihr diese zwei Stöcke?“ schrie Marín. „Das ist es, womit Diego sich abfinden muss, und er war meine Beine gewöhnt!“

Sie hob ihren eigenen Rock hoch und zeigte ihre wohlgeformten Schenkel zum Vergleich. Frida griff nach ihr. Freunde hielten die beiden Frauen zurück, und Frida lief vor Wut aus dem Zimmer. Diego hatte seinen Spaß daran zu sehen, wie zwei Frauen um ihn kämpften, von denen er verführt und geheiratet worden war. Um weiter zu feiern, ging er in die Bar.

Seine fröhliche Stimmung setzte sich bis in die frühen Morgenstunden fort, als er seinen getreuen Colt zog und so besoffen und benebelt wie er war, zu zielen versuchte und losfeuerte. Die Gäste gingen in Deckung, bis der Abzugshahn leer klickte und die Patronen verbraucht waren.

Frida kochte innerlich und verbrachte die Nacht nicht mit ihm. Tatsächlich zog sie tagelang nicht in sein Haus, 104 Paseo de la Reforma, ein.9 Obwohl man es damals nicht wissen konnte, stellten diese Hochzeit und ihre Nachwirkungen einen Mikrokosmos ihres restlichen gemeinsamen Lebens dar.

Señora Rivera war gerade dabei, in seinem Haus den Haushalt einzurichten, als Diego zum Direktor der San Carlos Akademie, seine Alma Mater der Jugend, ernannt wurde. Innerhalb von zwei Wochen stießen Diegos Schulreformen aber auf heftigen Widerstand und er wurde ohne viel Federlesens aufgefordert, den Campus wieder zu verlassen. Zu dieser Zeit nahm er einen Auftrag für eine Serie von Wandgemälden im Nationalpalast an, die eine bebilderte Geschichte Mexikos darstellen sollte. Die Arbeit war sehr umfangreich. Er kehrte daher im Laufe der folgenden Jahre viele Male zu dieser Arbeit zurück. Es dauerte allein fünf Jahre, um nur das Treppenhaus zu vollenden. Das Wandgemälde für den Palasthof wurde erst 1942 begonnen.

Diego Rivera, Landschaft mit Kaktus, 1931, Frida Kahlo
Diego Rivera, Landschaft mit Kaktus, 1931. Öl auf Leinwand. Privatsammlung.

Frida setzte ihre Rolle als gute Ehefrau fort. Sie versöhnte sich mit Lupe Marín, die ihr zeigte, wie man Diegos Lieblings-molé, reichhaltige Desserts und andere Gerichte für seinen täglichen Energiebedarf zubereitet. Wie Lupe brachte Frida sein Mittagessen jeden Tag zum Gerüst. Wegen ihrer zeitraubenden Pflichten als leidenschaftlich liebende Ehefrau hörte sie fast auf zu malen. Jedoch gelang es ihr 1929, ihr psychologisches Haus recht einfallsreich in Ordnung zu bringen. Eine Leinwand markierte den ersten Schritt, sich vom ursächlichen Chaos ihres Körpers zu distanzieren. Sie malte Der Bus.

Darin gibt es nichts Dramatisches, keine Neuinszenierung, kein sentimentales Aufwärmen oder Verfluchen ihres Schicksals. Eine Innenansicht mit sechs Insassen, die auf Seitenbänken vor den Fenstern sitzen: eine Mutter, die vom Einkauf kommt, ein Klempner im Overall, eine barfüßige Indita (Eingeborene) mit Baby, ein kleiner Junge, ein blonder Gringo (englischsprachiger Ausländer) im Anzug und mit einem Porkpie-Hut und ein junges mexikanisches Mädchen im Kleid. Sie schauen uns gedankenverloren an, aber ohne uns zu sehen. Es ist, als ob Frida wieder im Bus fahren kann, ohne sich zu fürchten: Diese anonymen Personen sind Porträts aus dem Leben, und sie selbst kommt auch mit ihrem eigenen Leben voran.

Das andere Bild, auf Holz (Masonite) gemalt, trägt den Titel Die Zeit fliegt. In diesem Selbstporträt starrt sie uns an. Sie trägt ein schmutzanfälliges weißes, mit Spitze verziertes Oberteil und eine schwere indianische Jadehalskette. Außergewöhnliche, antike Ohrringe hängen an ihren Ohrläppchen. Ihr Blick ist direkt, aber mit der Andeutung eines Lächelns, als ob sie auf das Auslösen des Photographen warte, bevor sie in ein Gelächter ausbricht. Ganze Wortgebirge wurden verfasst, um die Symbolik des aufsteigenden, durch das schwarzdrapierte Balkonfenster hinter ihrem Kopf sichtbaren Propellerflugzeugs zu erklären, und auch über die Bedeutung des Weckers auf dem Holzständer hinter ihrer linken Schulter. Man kennt die Situation, in der sie sich 1929 befand, den Aufwärtstrend im Glück, ein neuer Mann in ihrem Leben und hinsichtlich der Verbesserung ihrer Technik ein Gefühl von Selbstsicherheit. Aufgrund ihres natürlichen Überschwangs konnte Frida sich auch eines visuellen Scherzes, über ein Aufhellen, erfreuen: die Zeit fliegt.

Sankt Nikolas, um 1932 (1937 datiert), Frida Kahlo, Diego Rivera
Sankt Nikolas, um 1932 (1937 datiert). Gemischte Technik (Aquarell und Stift) auf Papier, 23 x 27 cm. Sammlung Juan Coronel Rivera, Mexiko.

Um einen besseren Einblick in Frida Kahlo zu erhalten, setzen Sie dieses spannende Abenteuer fort, indem Sie auf:

Werfen Sie einen Blick auf unsere weiteren Titel zu Kahlo:

Parkstone International is an international publishing house specializing in art books. Our books are published in 23 languages and distributed worldwide. In addition to printed material, Parkstone has started distributing its titles in digital format through e-book platforms all over the world as well as through applications for iOS and Android. Our titles include a large range of subjects such as: Religion in Art, Architecture, Asian Art, Fine Arts, Erotic Art, Famous Artists, Fashion, Photography, Art Movements, Art for Children.

Leave your thoughts here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Discover more from Parkstone Art

Subscribe now to keep reading and get access to the full archive.

Continue reading

Share via
Copy link
Powered by Social Snap