Vlad Tepes, Rumänischer Film von Doru Nastase, 1978
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Die Entstehung des mysteriösen Dracula für das gruselige Halloween

Vor mir stand ein großgewachsener, alter Mann, bis auf einen langen, weißen Schnurrbart sorgfältig rasiert, vom Scheitel bis zur Sohle ganz in Schwarz gekleidet und es war auch nicht das kleinste Fleckchen Farbe an ihm auszumachen …

Sein Gesicht erinnerte stark – sehr stark – an einen Adler, mit einem sehr geschwungen Nasenrücken und seltsam gewölbten Nasenlöchern; neben der hohen, kuppelförmigen Stirn wuchs das Haupthaar an den Schläfen nur spärlich, am übrigen Schädel aber sehr üppig. Seine Augenbrauen waren sehr dicht und trafen sich fast über der Nase und sie schienen sich vor Fülle zu kräuseln. Der Mund, so weit ich ihn unter dem großen Schnurrbart erkennen konnte, war unbeweglich und hatte einen grausamen Zug. Seine bemerkenswert scharfen, weißen Zähne ragten über die Lippen hervor, deren bemerkenswerte Röte auf eine erstaunliche Vitalität bei einem Mann seines Alters hinwies. Seine Ohren waren bleich und liefen nach oben hin sehr spitz zu; das Kinn war breit und kräftig und die schmalen Wangen fest. Insgesamt wirkte er auf mich außerordentlich blass…

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Dracula (ASIN: B07ZJGL6QL), von Elizabeth Miller, herausgegeben von Parkstone International.

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Lesen Sie hier Teil 1

Bram Stoker, der Autor Draculas, wurde 1847 in dem irischen Dorf Clontarf in der Nähe von Dublin geboren. Das kränkliche Kind scheint einen großen Teil seiner ersten sieben Lebensjahre im Bett verbracht zu haben. Während dieser Zeit erzählte ihm seine Mutter stundenlang Geschichten aus ihrem Heimatort Slingo, darunter auch Schilderungen einer Choleraepidemie. So wurde seine Vorstellungskraft von Kindheit an durch Erzählungen über das Übernatürliche und den Tod geformt. Als irischer Beamter veröffentlichte er sein erstes Buch, Die Pflichten des Gerichtsdieners in Irland (1897), das er später als “staubtrocken” bezeichnen sollte. Daneben veröffentlichte er während seiner Tätigkeit in Dublin gelegentlich Kurzgeschichten, darunter den Zehnteiler Der Pfad der Schlüsselblumen (1875) und schrieb Theaterkritiken für eine Dubliner Zeitung. Eine davon, die Besprechung von Henry Irvings Hamlet, veranlasste den berühmten Schauspieler, sich mit Stoker zu treffen. Es entwickelte sich eine Geschäftsbeziehung und die daraus entstehende Freundschaft währte bis zum Tod des Mimen im Jahre 1905. Kurz nach seiner Hochzeit mit der Dubliner Schönheit Florence Balcombe (der auch Oscar Wilde den Hof gemacht hatte) nahm Stoker 1878 die Stelle des Geschäftsführers in Irvings neuem Lyceum Theatre in London an.

Henry Irving als Mephisto, Faust, IV. Akt, Dracula, Elizabeth Miller
Henry Irving als Mephisto, Faust, IV. Akt. Die Zeichnung erschien am 16. Januar 1886 in der Zeitschrift llustrated Sporting and Dramatic News .

Später schrieb Stoker ausführlich über sein Idol in Persönliche Erinnerungen an Henry Irving (1906), ein strahlender Tribut an den Mann, für den er Zuneigung und Treue empfand. Stoker über ihr erstes Treffen: “In dieser Stunde begann eine Freundschaft, so groß, so eng, so stark, wie es zwischen zwei Männern nur möglich ist”. Trotz gegenteiliger Spekulationen spricht alles dafür, dass die Gefühle Stokers für Irving im wesentlichen Heldenverehrung waren: “meine Liebe und Bewunderung für Irving waren so groß, dass ich keinem anderen Menschen etwas hätte erzählen können – nichts, an das ich mich erinnern könnte – das seinen Wert geschmälert hätte”. Obwohl er für Dracula berühmt geworden ist, schrieb Stoker mehrere andere Romane und Sammlungen von Kurzgeschichten, darunter Unter der Abenddämmerung (1882), Das Juwel der Sieben Sterne (1903), Die Frau im Leichenhemd (1909), Die Höhle des Weißen Drachen (1911) und Draculas Gast und Andere Unheimliche Geschichten (1914 posthum erschienen). Zu seinen Sachbüchern zählen neben Persönliche Erinnerungen an Henry Irving auch Ein Stück Amerika (1906) und Berühmte Hochstapler (1910). Er starb 1912, nur fünf Tage nach dem Untergang des Luxuskreuzers Titanic.

Dank der Entdeckung von Stokers Arbeitsunterlagen für Dracula lässt sich die Entstehung seines gruseligen Meisterwerks teilweise nachvollziehen. Nachdem diese Unterlagen im Jahre 1913 bei Sotheby´s versteigert worden waren, gelangten sie 1970 in den Besitz des Rosenbach Museum & Library in Philadelphia.

Christopher Lee in Horror of Dracula, 1958, Dracula, Elizabeth Miller
Christopher Lee in Horror of Dracula, 1958, Hammer Film Productions.

Ursprünglich wollte Stoker seinen Vampir “Graf Wampyr” nennen. Auf den Namen “Dracula” stieß er im Sommer des Jahres 1890 in Whitsby, einem Urlaubsort an der Nordostküste Englands. Seine Quelle war William Wilkinsons Eine Darstellung der Fürstentümer Walachei und Moldawien (1820), ein Buch, das er sich aus der öffentlichen Bücherei ausgeliehen hatte.

Im Gegensatz zu vielen anderslautenden Behauptungen ist Wilkinsons vager Bericht Stokers einzige bekannte Informationsquelle über den historischen Dracula. Bezeichnenderweise spricht Wilkinson an keiner Stelle von “Vlad”, sondern benutzt den Begriff “Dracula” sowohl für den Vater (Vlad Dracul) als auch für den Sohn (Vlad Tepes). Weder wird Vlads Vorliebe für das Pfählen erwähnt, noch findet sich ein Hinweis auf seine zahlreichen Gräueltaten. Offenbar war es die Fußnote, die Stoker begeisterte. Welcher Name wäre auch besser für einen Vampir geeignet gewesen als das geheimnisvolle und fremdländisch klingende “Dracula”? (zumal eine ganz bestimmte Beziehung zwischen dem Vampir und dem Teufel bestand, wie die Leser des Romans wissen). Stoker ergänzte das spärliche Material von Wilkinson durch historische Splitter, die er aus den verschiedensten anderen Quellen zusammentrug und schmiedete daraus eine “Geschichte” für seinen Grafen. So gehörte Graf Dracula beispielsweise (im Gegensatz zu Vlad) dem Stamm der Szekler an, die laut Johnson von sich behaupteten, Nachfahren Attilas und der Hunnen zu sein (205). Dass solche Details mit dem historischen Dracula unvereinbar sind, ist nicht von Belang. Bram Stoker hatte nie beabsichtigt, seinen Grafen nach dem Vorbild Vlad des Pfählers zu gestalten.

Plakat zu Werner Herzogs Film Nosferatu, Phantom der Nacht, 1979, Dracula, Elizabeth Miller
Plakat zu Werner Herzogs Film Nosferatu, Phantom der Nacht, 1979.

Es war der Roman Dracula, durch den der Vampir in der Literatur Fuss fasste. Dieses Werk ist bis heute so einflussreich, dass sich jeder Autor des Genres der Tatsache bewusst ist, in seinem Schatten zu schreiben. Stoker gelang es, die vielen einzelnen Fäden aus Folklore und Legende, der Gothic novel und aus früheren Vampirgeschichten in einem Roman zusammenzuführen und darin die Sorgen und Ängste sowohl seiner als auch unserer Zeit zu artikulieren.

Aus seinen Arbeitsunterlagen geht hervor, dass er von Anfang an einen Vampirroman schreiben wollte – noch bevor er sich für den Namen “Dracula” und den Schauplatz Transsilvanien entschied. Obwohl sein Graf Dracula der berühmteste aller Vampire werden sollte, hatte der Vampir bereits seinen festen Platz in der Literatur. Möglicherweise waren Stoker die Erzählungen Polidoris und Rymers bekannt und vielleicht hatte er auch Richard Burtons Übersetzung aus dem Arabischen, “Vikram und der Vampir” (1893 in London neu aufgelegt), gelesen.

Rumänien ist das Mekka aller Touristen auf der Suche nach Dracula. Doch interessanterweise erweist sich dieser Umstand für die Rumänen durchaus als Dilemma: auf der einen Seite sind ihnen die Besucher willkommen, auf der anderen Seite aber wollen die Einheimischen scharf zwischen dem fiktionalen Vampir und ihrem Nationalhelden trennen. Keine leichte Aufgabe. Die Hundertschaften westlicher Touristen, die aufgrund ihres Interesses an Graf Dracula nach Transsylvanien kommen, stellen die Rumänen vor Probleme: an erster Stelle steht die Invasion eines “Sohnes des Landes”, der in Wahrheit nie einer der ihren war.

Ein Schloss gab es dort aber natürlich nur in der Fantasie Stokers, angeregt von einem rätselhaften Eintrag auf einer alten Landkarte. Gleichwohl werden heute Touristen, die sich besonders für den literarischen Dracula interessieren, im Hotel “Schloss Dracula” erwartet. Anfang der 1980er Jahre eröffnet, gewährt es dem Besucher ein Panorama aus Wiesen, bewaldeten Hängen und Bergen am Horizont. Wichtiger ist den westlichen Touristen auf den Spuren Draculas allerdings, dass es in der von Bram Stoker beschriebenen Gegend steht.

Die Ruinen der Abtei Whitby 12. Jh., England, Dracula, Elizabeth Miller
Die Ruinen der Abtei Whitby 12. Jh., England.

Vielen Rumänen widerstrebt es, ihre Heimat als “Draculaland” zu vermarkten. Und das mit guten Gründen! Fremdenführer müssen sich mit schlecht informierten Touristen auseinandersetzen, die darauf bestehen, dass Dracula ein Vampir war und Graf Dracula bei Snagov beerdigt wurde. Reiseleiter, die sich mit beiden Draculas gut auskennen, werden solche Schwierigkeiten allerdings meistern können.

Rumänien ist nicht das einzige Ziel für Draculabegeisterte. All jene, die stärker an Bram Stoker und seinem Roman interessiert sind, zieht es nach Whitby. Stoker kannte diese Stadt nicht nur sehr gut (und führte hier einen Teil seiner Recherchen für Dracula durch), sondern machte sie auch zu einem wichtigen Schauplatz seines Romans. Vor Whitby läuft das Schiff, mit dem Dracula nach England reist, auf Grund; in der Gestalt eines Hundes erreicht der Graf schwimmend die dortige Küste und auf dem Friedhof von Whitby begegnet Lucy Westenra zum ersten mal dem Vampir. Mit den beeindruckenden Ruinen der Abtei von Whitby im Hintergrund sieht die Stadt noch fast so aus wie den 1890er Jahren…

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