Farbe und Form unverhüllt: Das Genie von Paul Cézanne
Paul Cézanne war ein französischer Künstler und eine der einflussreichsten Figuren im Übergang vom Impressionismus des 19. zum Kubismus des 20. Jahrhunderts. Jahrhunderts. Der 1839 in Aix-en-Provence (Frankreich) geborene Cézanne ist bekannt für seinen innovativen Kunstansatz, der sich auf die der Natur zugrunde liegenden geometrischen Formen konzentriert und die Komplexität von Farbe und Licht erforscht.
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Paul Cézanne (ISBN: 9781780422718), von Anna Barskaja und Jewgenija Georgijewskaja herausgegeben von Parkstone International.
Heute gibt es keine Zweifel mehr daran, dass die 25 Gemälde Paul Cézannes, die in den Museen von Moskau (14) und St. Petersburg (11) aufbewahrt werden, einen wichtigen Teil seines Kunsterbes darstellen. Diese Gemälde, die zu Beginn unseres Jahrhunderts erworben wurden, heben sich nicht nur durch ihren hohen künstlerischen Wert hervor, sondern sie spiegeln auch, was besonders bemerkenswert ist, die Hauptperioden im künstlerischen Schaffen des Meisters. Neben den allgemein anerkannten Meisterwerken, wie Ufer der Marne, Große Kiefer bei Aix und Landschaft in Aix, gehören zum Bestand der russischen Sammlungen auch einmalige Werke Cézannes, die keinerlei Parallelen in seinem Schaffen haben: Mädchen am Klavier (Tannhäuser-Ouvertüre) und Pierrot und Harlekin (Mardi Gras).
Die Werke Cézannes wurden am Anfang des 20. Jahrhunderts von den hervorragenden russischen Sammlern S. Stschukin und I. Morosow sorgfältig und liebevoll gesammelt, von Kennern mit feinem Geschmack und sicherem Auge, was ihnen gestattete, solche in ihren Eigenschaften ausgezeichnete Sammlungen zusammenzustellen. Einen nicht geringen Einfluss hatte auf sie auch die russische künstlerische Öffentlichkeit. So erschien in der Petersburger Zeitschrift Mir Iskusstwa (Welt der Kunst) schon im Jahre 1904, das heißt im Jahr der ersten persönlichen Ausstellung Cézannes im Pariser Salon d’Automne (Herbstsalon), ein Artikel des bekannten russischen Kunstkenners I.

Grabar, der dem Überblick der Ausstellungen von Cézanne in Berlin und Paris gewidmet war. Dann folgte eine Reihe von Aufsätzen in den Kunstzeitschriften Iskusstwo (Kunst) (1905), Wesy (Waage) (1906), Solotoje runo (Goldenes Vlies) (1908) und Apollon (Apollo) (1910 und 1912). 1912 übersetzte P. P. Kontschalowski, ein hervorragender russischer Künstler, das Buch Émile Bernards Souvenir sur Paul Cézanne ins Russische. Und gerade in diesen Jahren wird in Russland ein großer Teil der Werke Cézannes erworben. Nach der retrospektiven Ausstellung Cézannes im Salon d’Automne kaufte I. Morosow im Jahre 1907 seine Bilder Tal am Mont Ste-Victoire (Puschkin-Museum für bildende Künste, Moskau) und Stillleben mit Draperie (Ermitage, St. Petersburg).
Es wäre nicht möglich, in einem kleinen Aufsatz das Schaffen Cézannes vollständig zu erfassen, und das ist auch nicht nötig. Dies ist schon in den Werken von Gerstle Mack, Lionello Venturi, John Rewald, Jack Lindsay u. a. getan worden. Und dennoch wäre es für einen Forscher, selbst im ausführlichsten Werk, nicht möglich, auf alle Arbeiten des Künstlers auch nur flüchtig einzugehen, denn sein künstlerisches Erbe ist einfach zu groß: über 800 Bilder, ungefähr 500 Zeichnungen und 350 Aquarelle. Deshalb wählte jeder der Autoren für sich nur einige der Höhepunkte und schuf auf ihrer Basis seine eigene Bewertungsreihe.
Die Verfasserin des vorliegenden Aufsatzes versuchte, die Entwicklung von Cézannes Schaffen und die Herausbildung seiner Ideen an Hand von Werken zu verfolgen, die seinerzeit von russischen Sammlern zusammengetragen wurden. Diese Auswahl erscheint um so interessanter, weil, wie schon erwähnt wurde, zu der Cézanne-Sammlung in Russland sowohl russische Künstler als auch die russische Kritik ihren Beitrag leisteten und auf der Grundlage der Werke Cézannes aus den Sammlungen von Stschukin und Morosow mehrere Generationen russischer Künstler erzogen wurden. Selbstverständlich ermöglicht eine solch begrenzte Anzahl von Werken nicht, sich ein vollständiges Bild über die Entwicklung Cézannes zu verschaffen, doch ihre Analyse gestattet, einige Seiten dieses Prozesses zu beleuchten.

„… Diese Arbeit, die keine Vorlieben mehr hatte, keine Neigungen und keine wählerischen Verwöhntheiten, deren kleinster Bestandteil auf der Waage eines unendlich beweglichen Gewissens erprobt war und die so unbestechlich Seiendes auf seinen Farbeninhalt zusammenzog, dass es in einem Jenseits von Farbe eine neue Existenz, ohne frühere Erinnerungen anfing…“
Rainer Maria Rilke, Briefe über Cézanne.
An der Wende zweier Jahrhunderte errang das Schaffen Cézannes immer mehr die Aufmerksamkeit progressiver Künstler wie Matisse, Picasso, Braque, Vlaminck, Derain, unter ihnen auch junge russische Maler, die eine neue Kunst schufen, deren Grundlage in vielem vom Meister aus der Provence gelegt worden war. Gleichzeitig gab es auch viele Zeitgenossen Cézannes, zu denen auch so bekannte Autoren wie Arsène Alexandre und Camille Mauclair gehörten, die sich die wahre Größe des Künstlers nicht vorstellen konnten. Auf seinen Tod reagierten die französischen Zeitungen mit etwa einem Dutzend ziemlich zweideutiger Nachrufe. „Kein vollwertiges Talent“, „grobe Malerei“, „ein Künstler, der er niemals war“, „nicht fähig, irgend etwas außer Entwürfe zu schaffen“ infolge „eines angeborenen Augendefekts“ – mit solchen Charakteristiken begleiteten die Kritiker den Sarg des großen Meisters.

Das Unverständnis für die Kunst Cézannes war kein Resultat ungenügenden Nachdenkens einzelner Künstler oder Kritiker, sondern entstand infolge der objektiven Kompliziertheit seiner Malerei, der spezifischen Eigenheit seines Kunstsystems, das der Meister im Verlaufe seines ganzen schöpferischen Lebens entwickelte, von ihm aber in keinem einzelnen, für sich genommenen Werk vollständig verkörpert wurde. Cézanne ist wohl der komplizierteste Künstler des 19. Jahrhunderts. „Man kann nicht umhin, vor der Größe Cézannes so etwas Ähnliches wie Angst zu verspüren; als ob man in eine geheimnisvolle Welt einträte, reich, rauh, mit so hohen Gipfeln, dass es scheint, sie wären unbezwingbar“, schrieb Lionello Venturi. Diese Gipfel zu erklimmen ist wirklich schwer. Zu ihnen führen keine von literarischen Themen oder von gewöhnlichen Assoziationen mit dem alltäglichen Leben gebahnte Wege. Das Schaffen Cézannes ist ganz und gar eigenständig und souverän.
Einige der ausgestellten Meisterwerke von Paul Cézanne:



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