Jenseits von Schwarz und Weiß: Die kühnen und schönen Farbtöne der Dessous
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Die Dessous (ISBN: 9781783106400) von Muriel Barbier und Shazia Boucher, herausgegeben von Parkstone International.
Lange Zeit war Weiß die Farbe der weiblichen Dessous, das Symbol von Keuschheit, Reinheit und Sittlichkeit. Leuchtende Farben waren etwas für Damen mit zweifelhaftem Ruf. Eine Ausnahme wird bei Strümpfen gemacht, die es in zarten Tönen wie rosa und blau gibt oder, zur Zeit der Revolution, in den Farben des Vaterlandes. Die elegante Frau des 19. Jahrhunderts trägt weiße oder graue Strümpfe. Honoré de Balzac beschreibt in Autre étude de femme die „anständige Frau“:
„Sie trägt weder leuchtende Farben noch durchbrochene Strümpfe, weder stark verzierte Gürtelschnallen noch Beinkleider, deren bestickte Stulpen sich um den Knöchel kräuseln. Sie trägt entweder Schuhe (…) über feinsten Baumwollstrümpfen oder einfarbig graue Seidenstrümpfen oder einfache Schnürstiefel.“

Leuchtende Farben und Muster sind dem Theater oder den Kurtisanen vorbehalten. Von den schwarzen Strümpfen der French Cancan-Tänzerinnen auf den Gemälden von Henri de Toulouse-Lautrec geht eine gewisse Erotik aus, sie werden von Kabaretttänzerinnen, Prostituierten und einigen eleganten Damen getragen. Die falsche Prüderie des 19. Jahrhunderts bevorzugt besonders im viktorianischen England weiße Wäsche. Abgesehen von Hemden, Beinkleidern und Unterröcken gehören weiße oder schwarze Korsetts zum guten Ton. Farbige Unterwäsche wird von der Baronin Staff in ihrem Buch, Cabinet de toilette als ausschweifender Luxus betrachtet. Trotzdem hat man in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zuweilen – wie etwa Scarlett in Vom Winde verweht – den Mut zu gelben oder roten Unterröcken und Beinkleidern.
Farbige Dessous setzen sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch. Von da an wechseln die Verzierungen und Farben von Jahreszeit zu Jahreszeit. Zwischen 1910 und 1920 ist rosa oder hellblau modern, 1917 präsentiert Vogue Korsetts aus blauer Satinseide. Die ersten Unterhosen der Marke Petit Bateau sind aus seidenweicher blauer, rosa oder weißer Baumwolle – blasse, zarte Farben, die wieder für Jungfräulichkeit und Reinheit stehen, wobei Blau als die Farbe der Jungfrau Maria gilt.
In den 1920er und 30er Jahren wird die Farbpalette abwechslungsreicher, außer Blau und Rosa findet man nun Gelb, Violett, Jadegrün und manchmal Verzierungen mit cremefarbenen Bändern. Am Abend greift man auch zu Schwarz und spielt mit Transparenz. Wer sich elegant kleiden will, bevorzugt schwarze mailändische Seide mit creme- oder beigefarbenen Bändern. In den 30er Jahren finden Pastellfarben großen Anklang: Hautfarben, verschiedene Rosatöne, Elfenbein, Hellblau oder Grün sind die Farben der Tages- und Nachtwäsche. Gegen Ende des Jahrzehnts setzen sich dunklere Farben wie Rot, Schwarz oder Bordeaux durch.

In den 50er Jahren bevorzugt man wieder Schwarz und Weiß, besonders für Hüfthalter aus weißer oder schwarzer Spitze mit pastellfarbenem Futter aus Voile. Auch reines Weiß mit reichen Verzierungen aus Spitze, Stickereien und Bändern wird wiederum Mode. Es kommen jedoch auch neuartige Farbtöne wie Kaffeebraun, Türkis oder Hagebuttenrot, Koralle und Pfirsich sowie leichte Blumenmuster oder Streifen auf. In den 60er Jahren trägt man farbige Oberbekleidung. Auch die „junge“ Mode bevorzugt farbige Dessous. Einfarbige und pastellfarbige Stoffe werden von leuchtenden und grellen, psychedelischen Farben in großflächigen Mustern verdrängt.
Die Panty ist mit Punkten, Streifen oder Blumenmuster mit einer Vorliebe für die Töne Fuchsia, Orange, Türkisblau und Apfelgrün bedruckt. Die bunt gemusterten Stoffe werden in den 70er Jahren für die Tageswäsche unmodern, für die Nachtwäsche finden sie jedoch weiterhin Verwendung. Gestreifte Schlafanzüge und Nachthemden mit Blumenmustern sind weit verbreitet. Für Büstenhalter, Schlüpfer und Strumpfhosen wählt man gern gewagte einfarbige Töne wie Aprikot, Olivgrün, Kaffee, Fuchsia oder Türkisblau. Nach und nach setzen sich fleischfarbene Dessous durch: das Dessous wird zur zweiten Haut und soll so diskret wie möglich sein.
Die ersten hautfarbenen Strümpfe und Dessous kommen bereits am Anfang des 19. Jahrhunderts während des Directoire auf, als die Kleider recht durchsichtig sind. Dieser Wandel hält jedoch nicht lang an und die Farbe Weiß setzt sich wieder durch. Mitte der 1920er Jahre sind Strümpfe rosa und haut- oder pfirsichfarben, es ist modern, das Bein zu enthüllen. In den 60er und 70er Jahren, als sich ein neues Körperbewusstsein entwickelt und Schlichtheit angesagt ist, finden besonders jene hautfarbenen Töne großen Anklang. Lou bietet ihr Modell „filet“ in Weiß, aber auch in glänzendem Braun oder Karamell an.

Princess Tam-Tam (1985) und andere Marken bringen später Muster wie Blumen, Früchte und Schottenkaros heraus, die mit kleinen Schleifen bestickt werden; diese Modelle stehen für den Trend zur Häuslichkeit, man will Tages- und Nachtwäsche zum Wohlfühlen für daheim. Diese frischen Motive kreieren das Bild der Kind-Frau. In den 80er Jahren wird die Wäsche wieder erlesener, man wählt Farben, die früher nur von Prostituierten getragen wurden: rote, schwarze und malvenfarbene Spitze. Die Dessous sind nun auffallend, anspruchsvoll und extravagant. Zahlreiche Dessous werden in den aktuellen Modefarben zu regelrechten Kleidungsstücken umgewandelt: kurze Nachthemden als Sommerkleider, ärmellose Trikots statt T-Shirts und das Korsett hat seinen Platz in der Abendgarderobe.

In der Welt des Showgeschäfts setzt man seine bunten Dessous den Blicken aus: Anny Lennox (die Sängerin der Gruppe Eurythmics), Gwen Stefani, Mylène Farmer, Madonna, die in einem grünen, mit schwarzer Spitze eingefasstem Korsett singt oder auch Britney Spears, die ihren rosafarbenen String über der Hose trägt. Dessous sind farbig und werden enthüllt. Die bunten Dessous der heutigen Frau entsprechen denen der Prostituierten früherer Generationen. Sie sind das Abbild einer Gesellschaft, in der die Sitten zwar zwangloser geworden sind, die Grenze zur Vulgarität jedoch beinahe überschritten wird.
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