Die kunst des islams
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Entdecken Sie islamische Kunst in Nordafrika und Spanien

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Die Kunst des Islams (ISBN: 9781783106677), von Gaston Migeon und Henri Saladin herausgegeben von Parkstone International.

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In den ersten Jahrhunderten nach Beginn der islamischen Zeitrechnung, der Hidschra, sind Kairouan, die Hauptstadt des aghlabidischen Reichs, und Cordoba, die Hauptstadt des umayyadischen Kalifats im Westen, die Zentren der maghrebinischen Kunst. Im 9. und 10. Jahrhundert wird Marokko zu einem neuen Machtzentrum, in dem das berberische Element fast ohne ausländischen Einfluss deutlich zum Ausdruck kommt. Fez wird im Jahr 807 gegründet, und zweihundert Jahre später Marrakesch. Spanien mit seinen vom Ehrgeiz kleiner, aufeinander eifersüchtiger Regenten geteilten Provinzen stellt im Westen keine muslimische Macht dar, und so können erst die Almoraviden, dann die Almohaden und schließlich die Meriniden ihre Macht in Marokko festigen. Das im 11. Jahrhundert vom marokkanischen Sultan Abu eroberte Spanien scheint von seinen Eroberern keinen künstlerischen Einfluss erfahren zu haben, auch wenn der arabische Stil Spaniens ungefähr zu dieser Zeit einen gefestigteren Charakter angenommen hat. Diese Verfestigung geht zum großen Teil auf die weitere Entwicklung zurück und ist die ganz normale Folge des im arabischen Spanien herrschenden Reichtums und der kontinuierlich stattfinden Weitergabe von Fertigungstechniken zwischen Künstlern.

Im 12. und 13. Jahrhundert entfaltet sich die maghrebinische Kunst in Marokko, in Spanien, Algerien und Tunesien. Trotz der im 14. und 15. Jahrhundert vorherrschenden politischen Dekadenz entstehen zu dieser Zeit die wunderbarsten Arbeiten. Als die Christen die Araber aus Spanien vertreiben, flüchtet sich die andalusische Kultur nach Marokko, Algerien und Tunesien, wo ihre literarischen und künstlerischen Traditionen, trotz aller späteren Ereignisse, noch nicht ganz verschwunden sind. In dem von den Christen zurückeroberten Spanien blieb im christlichen Gebrauch noch lange Zeit eine beinahe arabische Kunst, der so genannte Mudejar-Stil, bestehen.

Löwenhof, Ende 14. Jh., spanien, Die kunst des islams
Löwenhof, Ende 14. Jh. Granada.

Die Anarchie, die Algerien lange entzweite, fügte einigen Bauwerken erhebliche Schäden zu. In Marokko konnten hingegen, dank einer mehr geordneten und dauerhaften politischen Struktur, die alten Traditionen teilweise erhalten bleiben. Trotz des eigentümlichen Korsarenregimes, das die gescheiterte Hafsiden-Dynastie ersetzte, erlebte schließlich im Tunesien des 16., 17. und 18. Jahrhunderts eine muslimische Kunstrichtung eine Blütezeit, die zwar traditionell gesehen nicht absolut rein arabisch war, trotz allem aber reizvolle Werke und interessante Bauwerke hinterlassen hat.

Genau wie bei der syrisch-ägyptischen Architektur stellt die Moschee im Maghreb das wichtigste Bauwerk dar. Wie die Amr– und die Tulun-Moschee bestehen auch die Moscheen im Maghreb zunächst aus Parallelschiffen, entwickeln sich jedoch bald zu einem ganz eigenen Typ, wie z. B. jene in Tlemcen und Mansura. Ursprünglich weisen die Moscheen in Algerien und Tunesien, in Spanien und Marokko genau wie die Amr-, die Ibn-Tulun– und die Al-Hakim- Moscheen in Kairo Parallelschiffe auf. Es sind ganz typische Moscheen, deren Grundriss genau den an sie gestellten Anforderungen entspricht. Im muslimischen Glauben ist das Gebet zum Mihrab hin zu richten, der in Richtung Mekka weist. Die Gläubigen stellen sich demnach nebeneinander, mit dem Gesicht nach Osten gewandt auf und bilden parallele Reihen zur Wand mit dem Mihrab. Daraus ergibt sich, dass die Wand mit dem Mihrab sehr lang zu sein hat und die Schiffe der Moschee zu dieser Wand parallel verlaufen müssen. Wenn man jedoch nicht so weit in die Tiefe gehen kann, wächst die Moschee in die Breite, wie es bei den Moscheen von Sfax, Tunis und Cordoba geschehen ist. Auch die quadratische Form, die ein typisches Merkmal der maghrebinischen Minarette werden soll, entsteht zu dieser Zeit. Während der ersten Periode, also bis ungefähr zum 10. Jahrhundert, wird oft auf antikes Baumaterial zurückgegriffen. In tunesischen Moscheen und der großen Moschee von Cordoba findet man antike byzantinische oder sogar punische Basen, Säulen und Kapitelle. Es ist jedoch zwischen dem maghrebinischen und dem ägyptischen Grundriss einer Moschee zu unterscheiden. Das Mittelschiff, das man besonders deutlich in den aghlabitischen Moscheen in Tunesien erkennt (wo es sehr stark ausgeprägt ist), findet man auch in Cordoba und Fez (Al-Qarawiyyin-Moschee), vor dem 10. Jahrhundert jedoch weder in Ägypten noch in Syrien.

Alhambra, 12. -14. Jh., spanien, Die kunst des islams
Alhambra, 12. -14. Jh. Granada.

Später entwickelt sich die Architektur vor allem in Spanien und Ägypten mit einem außerordentlichen Elan, obwohl im kurzlebigen Reich der Hammadiden mit der Al Qala-Moschee von Beni Hammad und in Bejaja wunderbare Bauten geschaffen wurden, von denen die Historiker noch heute schwärmen. Der Grundriss der Moschee bleibt unverändert. In Tunesien, wo unter den Hafsiden Wohlstand herrscht und die Kunst erblüht, schmücken andalusische Künstler die Bauten der Hauptstadt und in der Umgebung. Erst ab dem 16. Jahrhundert werden unter osmanischer Lehnsherrschaft in Algier und Tunis türkischstämmige Statthalter eingesetzt. Einige von ihnen lassen Moscheen nach hanafitischer Tradition bauen, mit achteckigen Minaretten, wie die Hammouda-Pascha– oder die Sidi-ben-Ziad-Moschee in Tunis, oder mit Kuppeln, wie die ebenfalls in Tunis stehende Sidi-Mahrez-Moschee. Fast alle großen Moscheen des Maghreb werden über großen Zisternen errichtet, in denen das auf den Terrassen aufgefangene Regenwasser gesammelt wird.

Im Maghreb finden wir keine mit Schulen einen Gesamtkomplex bildende Moscheen mit kreuzförmigem Grundriss wie die Madaris in Kairo, denn die malikitische Rechtsschule war im Maghreb schon immer stärker vertreten als die anderen drei. Die hanafitische Schule vertraten nur die wenigen türkischen Familien in Algerien und Tunesien. Die Rechtsschule oder Madrasa reduziert sich demnach auf eine kleine Moschee mit Unterrichtsraum und Räumen für die Schüler. Gehört zu dieser Moschee noch das Grabmal einer verehrten Persönlichkeit, erhält sie die Bezeichnung Zauya und kann eine mehr oder weniger umfangreiche bauliche Erweiterung erfahren.

Myrtenhof des Comares-Palastes, 1333-1354, spanien, Die kunst des islams
Myrtenhof des Comares-Palastes, 1333-1354. Granada.

Etwas Ähnliches findet man auch im Dorf al-Kankah in der Nähe von Kairo. Erst durch die Erweiterung erhalten die Madaris, in denen sich die Mitglieder derselben Glaubensrichtung versammeln, die Bezeichnung Zauya. Aber im Grunde sind diese Bauten mit ihren auf den Hof der Moschee führenden Höfen und Säulengängen nur eine Art vergrößertes arabisches Haus. Im Erdgeschoss befinden sich das Grab des Stifters sowie die Unterrichtsräume und im Obergeschoss die Schlafräume der Schüler. Die Moscheen dieser kleinen Konvente folgen wie alle anderen Moscheen dem Grundriss mit Parallelschiffen. Erst im 16. Jahrhundert, als sich türkische Beys zu Statthaltern der Hohen Pforte (des Osmanischen Reiches) ernannten, nehmen auch einige kleinere Moscheen eine Form mit mehreren Kuppeln an, doch dazu kommt es nur relativ selten.

Die Herrscherpaläste waren sicherlich bereits in den ersten Jahrhunderten nach der Hidschra von großer Pracht. Dabei kann jedoch nur auf die Beschreibungen der Historiker verwiesen werden, denn bis jetzt wissen wir nichts Genaues über die Paläste in Medina az-Zahra in der Nähe von Cordoba, die Paläste in der Umgebung von Kairouan, die Paläste von Bejaja und Kalaa.

Die Paläste aus dem 13. Jahrhundert und nachfolgenden Epochen existieren jedoch noch. Der Königspalast in der Alhambra von Granada, das bekannteste Beispiel, überragt dabei als Gesamtwerk an Pracht und Eleganz alles, was man in dieser Art aus der Türkei, aus Syrien und Ägypten kennt. Vermutlich übertreffen nur die Paläste der muslimischen Herrscher in Indien die Pracht der andalusischen Paläste, und das hauptsächlich aufgrund der dort zum Einsatz gekommenen wertvolleren Materialien. In seiner Geschichte der Berber beschreibt der Historiker Ibn Chaldoun (1332 bis 1406) einzeln stehende Pavillons mit hohen Kuppeln, Brunnen, Kioske, Aquädukte, Becken, die große Wasserspiegel bildeten (eine sassanidische Tradition, die über Mesopotamien in den Westen gekommen war) und Pavillons mit Marmorsäulen und mit Marmor- oder Fayence-Mosaiken geschmückten Wänden. Die Decken waren mit Arabesken versehen und vervollständigten die wunderbare Verzierung.

Kuppel über dem Mihrab der Mezquita von Cordoba, 971-976, spanien, Die kunst des islams
Kuppel über dem Mihrab der Mezquita von Cordoba, 971-976. Cordoba.

Auch die marokkanischen Historiker haben zahlreiche Beschreibungen von Palästen hinterlassen. Dazu gehört unter anderem der in Marrakesch von Al-Mansur Al-Dhahabi erbaute Palast Qasr al-Badie. Durch den Einsatz von Gold, Marmor, Onyx, Silber, Fayencen, mit Gold verzierten Decken, ausgeschnittenen und bemalten Stuckelementen und wertvollen Wandbehängen erhielt das Bauwerk eine unvergleichliche Pracht. Dieses Meisterwerk der maurischen Architektur war von Gärten umgeben, in denen es mehrere Brunnen, flache und tiefe Wasserbecken und sogar Silberstatuen gab. Die dort abgehaltenen Empfänge erwiesen sich der prächtigen Architektur ebenbürtig, denn man reichte die Speisen in vergoldetem Geschirr aus Málaga (spanisch-arabische Fayencen) oder Valencia sowie in Geschirr aus der Türkei (Fayencen aus Kütahya, Damaskus) und in Gold- und Silberkelchen. Auf diesen Luxus wollten die Sultane auch im Feldlager nicht verzichten. Dem Schriftsteller Nozhet al-Hadi zufolge nahm Al-Mansur Al-Dhahabi auf seinen Reisen einen Pavillon mit, der aus Brettern und Nägeln zusammengefügt und mit wunderbaren, versilberten Ringen, Klammern und Platten aus Metall versehen wurde. Um diesen Pavillon wurde wie eine Art Schutzmauer eine Trennwand aus Leinen gespannt, die mit an einen Garten oder eine verzierte Fassade erinnernden Mustern versehen war. Im Inneren dieser Einfriedung befanden sich bunte Kuppeln in Grün, Rot, Schwarz und Weiß, die zusammen einem blühenden Blumenbeet ähnelten. Die Wände des Pavillons waren mit herrlichen Skulpturen und Wandbehängen verziert.

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Darüber hinaus können Sie die folgenden Ausstellungen besuchen, um einen tieferen Einblick in die islamische Kunst zu erhalten:

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