Islamische dekorative Künste: Goldschmiedekunst, Bergkristalle und Mosaik
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Die Kunst des Islams (ISBN: 9781783106677), von Gaston Migeon und Henri Saladin herausgegeben von Parkstone International.
Goldschmiedekunst und Bergkristalle
Die Angewohnheit, ein Bildnis oder Gedanken in wertvolle Steine einzugravieren, stammt aus ferner Vorzeit, und die Muslime unterscheiden sich hierin nicht von den ihnen vorausgegangenen Völkern. Sie verwendeten Steine wie Achat, Jade, Jaspis, Onyx, Amethyst, Hämatit, Hyazinth, Karneol und Sardonyx, die auch schon antike Völker nutzten. Anscheinend verwendeten die Muslime sie jedoch ausschließlich für Ringe oder Siegel. Allein Bergkristall scheint ihnen dazu gedient zu haben, kunstvolle Objekte wie Kannen oder Kelche herzustellen. Zudem scheinen sie den Steinen besondere Kräfte zugeschrieben zu haben, deshalb setzten sie diese Steine lieber dafür ein.
Relativ verlässliche Texte belegen, wie sehr zeitgenössische Reisende oder Schriftsteller die Objekte aus Bergkristall geschätzt haben müssen, die sie damals vorfanden. Der Dichter, Philosoph und Reisende Nasser Chosrau (1003 bis 1088) schrieb: „Ich entdeckte außerdem [in Kairo] wunderschönen Bergkristall, den Handwerker geschmackvoll und kunstfertig bearbeitet hatten. […] Er stammte aus dem Maghreb, doch hieß es, dass man ihn vor Kurzem vom Roten Meer erhalten hätte und er in Ägypten bearbeitet worden war.“

In der von Makrisi erstellten Inventarliste der Schätze des achten Kalifen Mustansir bi-llah werden außerdem aufgeführt: „Mehrere Truhen, die eine Vielzahl von Gefäßen enthielten, die jenen ähnelten, aus denen man heute noch Bier trinkt, gefertigt aus reinem, glatten oder ziseliertem Kristall. Zwei Truhen gefüllt mit wertvollen Gefäßen aus unterschiedlichen Materialien, ein Becken und eine Wasserkanne aus Kristall, eine kleine Karaffe und ein Glas aus vollkommen transparentem und wunderbar bearbeitetem Kristall, auf denen der Name von Aziz bi-llah eingraviert war; 1 800 Kristallgefäße, von denen einige bis zu 1 000 Dinar wert waren, viele weitere Kristallgegenstände, darunter eine mit einem Figurenrelief verzierte Dose, die 17 Rok wog.“
Es ist also sehr wahrscheinlich, dass alle diese schönen Stücke aus Bergkristall, über die Makrisi so ausführlich berichtet, aus der Epoche der Fatimiden stammen. Doch auch hier soll die Herkunft dieser Kunstwerke nicht auf Ägypten, das die Fatimiden so lange regierten und wo sie die Kunst so wirksam förderten, beschränkt werden, sondern soll auf das unter ihrer Vorherrschaft sehr wohlhabende Sizilien erweitert werden.
Mosaik
Die Kunst des Mosaiks geht auf die Römer zurück, die es als Bodenbelag für Gebäude sowie für die Verkleidung von Wänden und Gewölben nutzten. Ihre Mosaike waren eine Zusammenstellung kleiner, vielfarbiger Marmorstücke und -würfel.
Das opus Alexandrinum der Byzantiner bestand aus der Zusammenstellung von Fragmenten aus Marmor, Porphyr und anderen Materialien, die zurechtgeschnitten und in regelmäßigen, geometrischen Mustern angeordnet wurden. Die Byzantiner verbreiten unter dem Namen opus Graecum oder Graecanicum eine Art Mosaik, das aus kleinen Würfeln aus einem Tongemisch und farbigem und vergoldetem Glas bestand. Diese Art des Mosaiks findet man im 5. und 6. Jahrhundert in Italien (im Mausoleum der Galla Placidia und in der Sant’Apollinare in Ravenna), in der Lombardei, in Venedig und auf Sizilien.
Von dort muss sich dieses Verfahren bis nach Cordoba ausgebreitet haben, denn in der Mezquita findet man einige Beispiele dafür. Der Geograph Edrisi (1099 bis 1175/1186) berichtet in seiner Beschreibung dieser Moschee, dass die Verkleidung an der Wand des Mihrab von griechischen Arbeitern aus Konstantinopel nach Cordoba gebracht wurde, die Ab dar-Rahman nur zu diesem Zweck hatte kommen lassen. Die Mosaike bestehen zumeist aus kleinen, mit Blattgold bedeckten Glaswürfeln, die wiederum mit einem glasartigen Überzug versehen wurden. Von diesem leuchtenden Hintergrund hebt sich die Verzierung aus Blumen, Girlanden, Flechtwerk und sogar Inschriften ab.

Dabei handelt es sich wohl um einheimische Arbeiten, denn in Andalusien gab es mehrere Fertigungsstätten, die für ein al-Mofassas genanntes Mosaik berühmt waren. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass in den ältesten muslimischen Monumenten griechische, ganz von der byzantinischen Tradition durchdrungene Künstler die ersten Mosaiken schufen. Arabische Chronisten bezeichnen diese Werke als Foseifosa und stimmen darin überein, sie als byzantinische Arbeiten zu betrachten. Anders kann man auch die wunderbaren, die Wände und Gewölbe im Felsendom von Jerusalem zierenden Mosaiken nicht bewerten.
Von Ibn Said erfährt man, dass Kalif Al-Walid, als er die Umayyaden-Moschee in Damaskus bauen ließ, sich an den Herrscher von Byzanz wandte, der ihm einige Mosaike sowie zahlreiche Handwerker für deren Anbringung schickte. Ibn Battuta und Mukadassi berichten, dass die Moschee mit Mosaiken von außergewöhnlicher Schönheit verziert war und dass über der Marmorverkleidung sich bis zur Decke leuchtende Mosaike aus Gold und vielen Farben erstreckten, die Städte, Bäume und Inschriften darstellten und äußerst prächtig gestaltet waren. All das ist von mehreren verheerenden Bränden restlos zerstört worden.
In Ägypten gab es während der arabischen Epoche zwei Arten, ein Mosaik zu fertigen: Entweder bestand es aus kleinen, in Mörtel eingesetzten Marmorwürfeln oder es wurden verschiedene Marmorstücke in ein als Hintergrund fungierendes großes Stück eingelassen. Dieses letzte Verfahren ähnelt stark der Herstellung von Einlegearbeiten. Manchmal zog man es, um die Arbeit zu vereinfachen, vor, die eingekerbten Rillen des Musters mit einem harzartigen, meist rotem oder schwarzem Kitt auszufüllen. Die für die Mosaiken von Kairo am häufigsten eingesetzten Marmorarten sind rot, schwarz oder weiß, wobei gerade der rote Marmor eine wunderbare Färbung hat. Es wird im Allgemeinen angenommen, dass der bereits polierte Marmor aus Italien importiert und direkt angebracht wurde. Doch natürlich gab es davon auch Ausnahmen, und oft genug wurde auf Material aus antiken und christlichen Bauten zurückgegriffen.
Die erstaunlichsten Mosaiken der islamischen Kunst findet man in der Moschee von Damaskus. Die Verzierung, es handelt sich um eine byzantinische Arbeit, stammt aus dem 9. Jahrhundert. Man findet hier zwei Motive: die Darstellung einer befriedeten und islamisierten Welt auf der Steinwand des Gebäudes und, vor einem floralen Dekor, die umayyadische Vision einer idealen Stadt.

Von nun an ist die Moschee sowohl ein politisches als auch ein religiöses Bauwerk. Die byzantinischen Einflüsse, die sich auf die Moschee von Damaskus ausgewirkt haben, gehen auf die Durchführung der Bauarbeiten von byzantinischen Künstlern und Architekten zurück. Die Kapitelle mit ihrem Abakus in Form einer abgeschnittenen Pyramide wurden bereits in der byzantinischen Periode eingesetzt.
Wer sich näher mit islamischer Kunst beschäftigen möchte, sollte sich diese Ausstellungen auf keinen Fall entgehen lassen.
- Kunst der islamischen Welt im Philadelphia Museum of Art (laufend)
- Die Sinne ansprechen: Kunst aus der islamischen Welt in der Smithsonian Institution (laufend)
- Kunst islamischer Länder: Ausgewählte Werke aus der al-Sabah-Sammlung, Kuwait, im Houston Museum of Fine Arts (laufend)
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