Die spirituelle Odyssee des Nicholas Roerich: Kunst ohne Grenzen
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Nicholas Roerich (ISBN: 9781639197866) von Kenneth Archer, herausgegeben von Parkstone International.
Nicholas Roerich, auch Nikolai Roerich geschrieben, war ein russischer Künstler, Schriftsteller, Archäologe, Philosoph und Visionär, der von 1874 bis 1947 lebte. Er ist bekannt für sein umfangreiches künstlerisches Werk, das Gemälde, Bühnenbilder und Kostüme umfasst, sowie für seine Auseinandersetzung mit spirituellen und mystischen Themen. Roerichs Gemälde zeigen oft Landschaften, mystische Szenen und symbolische Bilder, denen eine tiefe spirituelle Bedeutung innewohnt. Er war auch ein Verfechter der kulturellen Bewahrung und des Friedens und gründete den Roerich-Pakt, ein internationales Abkommen zum Schutz des kulturellen Erbes in Zeiten von Konflikten. Roerichs Vermächtnis reicht über seine Kunst hinaus, denn er ist nach wie vor einflussreich auf dem Gebiet der Spiritualität, der Philosophie und der Kulturdiplomatie.
Nicholas Roerich – sein Name findet sich gelegentlich auch in der Schreibweise Rerich – wurde 1874 im russischen Kaiserreich geboren und starb 1947 im britischen Teil des Himalaja. Sein Lebensbogen spannt sich somit vom Osten der westlichen Zivilisation bis zu einem Ort, den man als den äußersten Vorposten des Westens im Osten bezeichnen könnte. Mit seinen Anlagen zum Künstler und Gelehrten wuchs Roerich in den Kreisen der Intelligenz St. Petersburgs auf, einer Stadt, die seit ihrer Gründung als »Fenster zum Westen« bezeichnet wurde. Wie schon Generationen europäischer Maler vor ihm, setzte er seine künstlerischen Studien in Frankreich und Italien fort, doch faszinierte ihn immer schon das orientalische Erbe Rußlands. In den künstlerischen Kreisen um Sergej Diaghilew ordnete man Roerich zu Beginn seiner Laufbahn eher der slawischen als der französischen Gruppierung zu. In dieser Zeit, als er für Diaghilews ‘Ballets Russes’ arbeitete, erlebte Roerich die letzten Jahre der ‘Belle Epoque’. Seine Bilder waren bei internationalen Ausstellungen vertreten und trugen zu dem durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs jäh unterbrochenen großen künstlerischen Umbruch bei.

In der Zeit der Russischen Revolution verließ er sein Heimatland – praktisch für immer. Ab 1917 lebte er in Finnland und stellte seine Bilder in ganz Skandinavien aus. Im Jahre 1919 zog er dann nach London, wo er Bühnenbilder für die Covent Garden Opera entwarf und wo seine Ausstellung Spells of Russia (Der Zauber Rußlands) zum ersten Mal gezeigt wurde – sie wanderte anschließend durch mehrere englische Städte.2 Im Jahr 1920 ging Roerich mit seiner Frau und den beiden Söhnen als einer der vielen durch Kriege und Revolutionen vertriebenen europäischen Künstler des 20. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten. Im Gegensatz zu vielen anderen befand er sich aber in einer weitaus vorteilhafteren Situation: Er war auf Einladung des angesehenen Chicago Art Institute nach Amerika gekommen und hatte Aufträge von der Chicago Opera erhalten. Seinen Wohnsitz jedoch verlegte er nach New York, und über mehrere Jahre war er nicht nur als Maler, sondern auch als Gründer verschiedener kultureller Einrichtungen erfolgreich.3 Mit 49 Jahren war er ein gemachter Mann und verkörperte den Künstler westlicher Prägung, so wie sich dessen Bild seit der Renaissance entwickelt hatte. 1923 fuhr er mit seiner Familie mit dem Schiff nach Indien und bereiste den Subkontinent, bevor er eine fünfjährige Expedition durch Zentralasien unternahm.

Roerichs Kunst ist von denselben Polaritäten geprägt wie sein Leben. Die ersten Ideen für seine Gemälde entnahm er den in der russischen Erde verborgenen Spuren der Geschichte – von seinen eigenen archäologischen Ausgrabungen. Schon in jungen Jahren animierten die Knochen, Urnen, Messer und übrigen Kultobjekte aus Begräbnisstätten den Künstler dazu, die Gebräuche der Slawen der Frühzeit zu studieren. Dieser Quelle entsprangen die Meisterwerke seiner frühen Laufbahn. Sie zeigten Szenen archaischen Lebens, die vor einem mythischen Hintergrund in neuem Licht erschienen. Roerichs künstlerische Entwicklung nahm ihren Anfang in seiner Faszination für die in der Erde verborgenen Spuren menschlicher Entwicklung und erreichte im Laufe der Jahre in der kontemplativen Betrachtung der Himalajagipfel ihren Höhepunkt. Dort wurde seine Suche gekrönt.
In den spektakulären Panoramen auf dem Dach der Welt fand er das Bild, das in seiner Malerei äußere Wirklichkeit und innere Offenbarung verband. Angesichts der Berge setzte er sich mit der Wirkung von Farben auseinander und erforschte die Verbindung zwischen visueller Wahrnehmung und spirituellem Bewußtsein. Nach seinem Debüt als Symbolist der Jahrhundertwende, der archetypische russische Bilder aufgriff, fand er schließlich zu seiner eigenen Methode der Abstraktion, indem er die Darstellung der Berglandschaft von der Detailgenauigkeit befreite und sie zu einem Medium der Meditation machte.

Roerich war von Anfang an ein Landschaftsmaler, der die Menschen in seinen Bildern unzertrennbar verbunden mit der Kultur, zu deren Entwicklung sie beitrugen, darstellte. Zeigte das Bild eine feierliche Zeremonie oder aber architektonische Strukturen, so verwies die Darstellung des Menschen stets auf diese Verbundenheit. Im Laufe seines Lebens veränderte sich die Figuration Roerichs: Er verlegte seinen Schwerpunkt von Gruppen auf Einzelpersonen, die in einem riesigen Umfeld immer kleiner werden, bis die Gestalten schließlich gänzlich verschwinden. Nach Frances Grant, einer New Yorker Journalistin der zwanziger Jahre und Leiterin verschiedener amerikanischer Institutionen zur Pflege des Vermächtnisses von Roerich, besaß der Maler ein ausgeprägtes Bewußtsein für diesen Entwicklungsprozeß in seiner Kunst.
Veränderung bestand ihrer Ansicht nach »nicht so sehr im Sujet«: Er war am Menschen als Teil des gesamten kosmischen Prozesses interessiert. Der Mensch ist der Ausgangspunkt. Was Rußland anbelangt, lag der Anfang (seiner Ansicht nach) in der Steinzeit – er sieht dabei das ganze Abenteuer. Einmal sagte er, daß es wunderbar sei, das Ende eines Fadens in Rußland zu halten und seine Anfänge in Zentralasien zu finden …. er sah immer diesen Faden der Menschheit, immer den Faden, stets unversehrt. Roerichs geographischer Wirkungsbereich machte eine weite Streuung seiner Bilder fast unvermeidbar. Sie sind in vielen Ländern zu sehen, aber der größte Teil davon befindet sich in Rußland, Indien und den Vereinigten Staaten. Bis etwa ein Jahrzehnt nach dem Tode Roerichs stammten diejenigen in Rußland fast ausschließlich aus den Jahren, in denen er dort gearbeitet hatte.

Das gleiche gilt für Roerichs indische Bilder. Sie stammen aus der Periode, in deren Verlauf er seinen Wohnsitz in Asien hatte. Nur die Arbeiten, die in den Vereinigten Staaten erhalten geblieben sind, decken seine gesamte Lebenszeit ab – es sind Bilder sowohl aus dem Osten als auch aus dem Westen. Nach dem Tode Roerichs veranlaßten seine Söhne, George und Swetoslaw, daß eine beträchtliche Anzahl seiner Malereien, darunter einige frühe und einige späte Werke, den Museen der damaligen Sowjetunion geschenkt wurden.
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