Das Leben von Hokusai: Japans visionärer Künstler des Ukiyo-e
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Hokusai (ISBN: 9781783106745), von Edmond de Goncourt herausgegeben von Parkstone International.
Hokusai wurde 1760 (nach einigen Quellen im Oktober oder November, nach anderen Quellen im März) geboren. Er kam in Edo zur Welt, im Viertel Honjô, ganz in der Nähe des Flusses Sumida und der ländlichen Außenbezirke. Das Viertel lag dem Maler sehr am Herzen, sodass er seine Zeichnungen eine Zeit lang sogar mit: „der Bauer von Katsushika“ signierte, wobei Katsushika der Distrikt der Provinz ist, in der sich das Viertel Honjô befindet. Im Testament seiner Enkelin Shiraï Tati steht, dass er der unter dem Namen Bunsei als Künstler in einem unbekannten Gewerbe tätige dritte Sohn von Kawamura Itiroyemon war. Im Alter von vier Jahren wurde Hokusai, dessen erster Name Tokitaro lautete, von Nakajima Isse adoptiert, einem Spiegelfabrikanten, der für die Fürstenfamilie von Tokugawa arbeitete.
Noch im Kindesalter wurde Hokusai als Gehilfe bei einem großen Buchhändler in Edo angestellt, wo er seine Arbeit derart faul und nachlässig verrichtete und stattdessen stundenlang illustrierte Bücher betrachtete, dass man ihn am Ende hinauswarf. Es war dieses Stöbern in den illustrierten Büchern des Buchhändlers und sein monatelanges Leben in einer Welt voller Bilder, die bei dem jungen Mann den Geschmack und die Leidenschaft für die Zeichenkunst weckten. Um 1773/1774 arbeitete er bei einem Holzschneider und gestaltete 1775 unter dem Namen Tetsuro die sechs letzten Seiten des Romans von Santchô. Er war bis zu seinem 18. Lebensjahr als Holzschneider tätig.

Hokusai gab 1778, noch unter dem Namen Tetsuzo, seine Tätigkeit als Holzschneider wieder auf. Er mochte nicht mehr nur der Interpret sein, der das Talent eines Anderen umsetzte, sondern hatte das Bedürfnis, Eigenes zu schaffen, zu arrangieren und seinen Kreationen eine persönliche Note zu verleihen. Hokusai wollte Maler werden. Er trat also in das Atelier von Katsukawa Shunshō ein, wo man ihm dank seines aufgehenden Talents den Namen Katsukawa Shunrō gab. Sein Meister gab ihm bald die Erlaubnis, seine Kompositionen mit seinem neuen Namen zu signieren. Hier in diesem Atelier malte er Schauspieler und Theaterszenen im Stil des Tsutzumi Torin und erstellte zahlreiche Zeichnungen auf „Flugblättern“, die man Kyōka Surimono nannte. Sie stellten eine Reihe von Schauspielern dar und hatten dasselbe Hochformat wie die Schauspieler- Zeichnungen seines Meisters Shunsho. Zu diesem Zeitpunkt war das Talent des jungen Shunrō aber noch nicht ausgereift und ließ den späteren Meister Hokusai nur im Ansatz erahnen. Unverdrossen und mit einem eisernen Willen ausgestattet, zeichnete er weiter und fertigte bis 1786 Kompositionen an, die seine eigene Signatur trugen: Katsukawa Shunro, kurz Shunrō.

Im Jahr 1789 war der junge Maler neunundzwanzig Jahre alt, und ein besonderer Umstand führte dazu, dass er das Atelier des Katsukawa verlassen musste – übrigens behielt Hokusai zeitlebens seine Manie bei, immerfort seinen Wohnsitz zu wechseln und niemals mehr als ein oder zwei Monate an einem Ort zu verweilen. Sein Fortgang war notwendig, weil er für einen Händler von Holzschnitten ein Plakat gestaltet hatte. Der Händler war von der Grafik derart begeistert, dass er sie aufwändig einrahmen ließ und vor seine Boutique stellte. Eines Tages lief ein Kollege Hokusais aus einem höheren Lehrjahr an dem Geschäft vorbei. Er hielt die Qualität des Plakats für minderwertig und zerriss es, um die Ehre des Ateliers Shunsho zu bewahren. Daraufhin brach ein Streit zwischen den beiden Schülern aus, der damit endete, dass Hokusai das Atelier verließ und sich vornahm, sich von nun an nur noch von sich selbst inspirieren zu lassen und ein von den etablierten Schulen unabhängiger Maler zu werden. In diesem Land, in dem die Künstler ebenso häufig ihren Namen wechselten wie ihre Kleidung, gab er die Signatur Katsukawa auf und wurde zu Mugura, was soviel wie Strauch bedeutet. Dem Publikum sagte er, dass der Maler, der diesen neuen Namen trug, keinem Atelier angehörte. Er schüttelte das Joch des Katsukawa-Stils ab und widmete sich in seinen mit Mugura signierten Zeichnungen seiner freien und persönlichen Sicht der Dinge.

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