Von Plakaten bis zu Palästen: Die zeitlose Anziehungskraft des Jugendstil
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Jugendstil (ISBN: 9781783103386) von Jean Lahor, herausgegeben von Parkstone International.
Die Weltausstellung des Jahres 1900 bestätigte den Jugendstil als einen mittlerweile etablierten Trend und illustrierte überdies seinen fast universellen Siegeszug. Die Art Nouveau bzw. der Jugendstil brachte wundervolle Werke der bijouterie, der joaillerie, Arbeiten aus Glas und Silber, Keramik und Mosaike aus französischer und anderer Produktion hervor.
Anfangs wurde der Jugendstil von Architekten und Dekorateuren vertreten, die sich wieder ihren Wurzeln in ihrer jeweiligen nationalen Tradition zuwandten (oder ihr schlicht treu blieben) und fähig waren, aus mehr oder weniger vergessenen einheimischen Motiven großartige und schöne neue Variationen zu entwickeln.
Die Art Nouveau war auch das Werk französischer Architekten wie Paul Sédille und Jean- Camille Formigé, die begierig Neuerungen mit Talent, Geschmack und Geschicklichkeit verbanden und zu den sichtbaren Skeletten der modernen Bautechnik Eisen- und Keramikornamente hinzufügten.
Der Jugendstil äußerte sich auch im exzentrischen Barcelona Gaudís, das Spanien mit einem so farbigen und passenden Bild ausstattete.

Der Jugendstil war das Werk belgischer, englischer und amerikanischer Architekten, die sich nicht klassischen Prinzipien oder der Imitation griechischer oder italienischer Vorbilder unterwarfen. Sie wandten sich vollständig dem modernen Leben zu und kreierten einen feierlichen und raffinierten Stil, der sich in neuen, originellen und zumeist ausgezeichneten Werken niederschlug: eine jugendliche und lebhafte Architektur, die ihre jeweiligen Länder und ihre Zeit widerspiegelte.
Der Jugendstil bedeutete pastellfarbene Tapeten, Wandteppiche und Stoffe, die französische Räume mit exquisiter Harmonie singen und die Wände vor reizender neuer Flora und Fauna überlaufen ließen.

Er äußerte sich in Form illustrierter Bücher wie etwa denen von Eugène Grasset, Alphonse- Etienne Dinet, James Tissot, Maurice Leloir und Gaston de Latenay und in England den von Morris und Crane dekorierten. Deutsche Künstler in Berlin und München und russische in Moskau arbeiteten ebenfalls als Buchillustratoren.
Einige wenige Meister in England, Frankreich und den Vereinigten Staaten wandten die Prinzipien des Jugendstils auch auf die Buchbinderei an. Der Jugendstil war in starkem Maße auch Plakatkunst, weil in diesem Zeitalter das Plakat das wichtigste Medium der sich immer stärker ausbreitenden Werbung war. Plakate wie die von Jules Chéret und den außergewöhnlichen und fantasiereichen Künstlern in seinem Gefolge in England, den USA, Belgien und Frankreich: effektvolle Plakate mit lebhaften Farben, voller Harmonie und schöner Linienführung, zuweilen auch voller Eleganz.

Der Jugendstil zeigte sich ferner in den Drucken von Henri Rivière. Er brachte in der Einfachheit seiner Bilder zuweilen eine größere Wahrhaftigkeit und mehr anrührende Poesie zum Ausdruck, als man in den Werken der berühmtesten klassischen Meister findet, und seine wunderbare Darstellung, seine perfekte Farbgebung und sein eloquenter Impressionismus übertreffen sogar die japanischen Werke, die ihn inspiriert hatten.
Der Jugendstil war auch die Kunst der weniger bedeutenden Bildhauer kleiner Statuen, deren elegante Neuheit die Gestalt feiner Figuren annahm, die schamlos und nackt baumelnd auf jedem nur erdenklichen Objekt zu sehen waren. Es gab aber auch ernstere Arbeiten in Bronze, Marmor oder Elfenbein. Zu diesen französischen Künstlern gehörten Carl Wilhelm Vallgren, Jean-Paul Aubé, Raoul Larche, Agathon Léonard und Fortini, während in Belgien vor allem Charles Samuel, in Wien Gustav Gurschner und in Deutschland Burgev-Hartman zu nennen sind.
In der Jugendstil-Bewegung wurden die französische bijouterie von Lalique und die Glaskunst von Gallé und Tiffany vertreten. Die eifrigen Bemühungen und häufig sehr schönen Arbeiten von Plumet und Selmersheim, Majorelle, Gaillard, de Feure und Colonna verdienen ebenfalls Erwähnung.

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