Jugendstil, England
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Entdecken Sie den Jugendstil in England

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Jugendstil (ISBN: 9781783103386) von Jean Lahor, herausgegeben von Parkstone International.

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Die Architektur der Häuser, Kirchen und Paläste in England wurde geradezu erdrückt von dem auf griechischen, römischen und italienischen Modellen basierenden Klassizismus. Manche Engländer hielten es für absurd, mit der Kathedrale St. Paul’s im protestantischen und nebligen England die Kuppel des Petersdoms in Rom zu imitieren, komplett mit Kolonnaden und Giebeldreiecken nach griechischen und römischen Vorbildern. Schließlich revoltierte England und belebte seine heimische Kunst wieder. An der Spitze dieser Revolution standen Architekten, zunächst A.W.N. Pugin, der an dem Entwurf der Houses of Parliament beteiligt war, und später eine ganze Gruppe präraffaelitischer Künstler, die die Kunst vor dem Triumph der heidnischen Kunst des 16. Jahrhunderts, vor dem Triumph des der englischen Tradition so fremden Klassizismus, bevorzugten.

Die Hauptvertreter dieser neuen Bewegung in der angewandten Kunst waren John Ruskin und William Morris. Für Ruskin waren Kunst und Schönheit geradezu eine Religion, und der große Morris war abwechselnd ein großer Dichter und ein Künstler und stellte viele und hervorragende Dinge her. Seine Tapeten und Stoffe revolutionierten den Wandschmuck (und führten zur Gründung einer Manufaktur). Er war darüber hinaus auch gleichzeitig der Führer der englischen Sozialistischen Partei.

Wir wollen über Ruskin und Morris jedoch nicht die Führer der neuen Bewegung vergessen: den Architekten Philip Webb und Walter Crane, den kreativsten und reizvollsten, über große Fantasie und Eleganz verfügenden Raumausstatter seiner Zeit. Um sie herum gruppierte sich eine ganze Generation ausgezeichneter Designer, Illustratoren und Dekorateure, die wie in einem pantheistischen Traum eine weise und reizende Fuge mit einer feinen Melodie aus auf Fauna und Flora, sowohl menschlich als auch tierisch, basierenden Ornamenten verschmolzen. Die englischen Künstler des Jugendstils erinnern mit ihrer Kunst der Ornamentik, Filigranmuster und Arabesken sowie durch ihre unendliche Geschicklichkeit an die wunderbaren und überschwänglichen Ornamentkünstler der Renaissance. Sie kannten und studierten diese in all den heute so unterschätzten Stichen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, ebenso wie sie die zeitgenössische Münchener Schule in ihren Nielloarbeiten und Kunstwerken aus Kupfer und Holz studierten. Obwohl sie die Kunst der Vergangenheit häufig verarbeiteten, kopierten die Designer des englischen Jugendstils sie niemals lediglich ängstlich und ehrerbietig, sondern bereicherten sie mit Gefühl und der Freude an der Erschaffung von etwas Neuem. Man muss sich nur alte Kunstzeitschriften wie Studio, Artist oder das Magazine of Art ansehen, in denen man (vor allem in Ausgaben von Studio) Entwürfe für dekorative Einbände und alles mögliche Schmuckwerk finden kann. Man beachte ferner, welch großes Talent in den von Studio und South Kensington gesponserten Wettbewerben bei den teilnehmenden Künstlern, darunter Frauen und junge Mädchen, zum Vorschein kommt. Die neuen, die Innendekoration verändernden Tapeten, Stoffe und Drucke mögen von Morris, Crane und Charles Voysey geschaffen worden sein, während sie an die Natur dachten, aber sie hatten dabei gleichzeitig die traditionellen, im Orient und in Europa von authentischen Dekorateuren der Vergangenheit gelehrten wahren Prinzipen der Ornamentik im Auge.

Julia Margaret Cameron, Profil (Maud), Jugendstil, England
Julia Margaret Cameron, Profil (Maud). Fotografie, 32,3 x 26,5 cm. Musée d’Orsay, Paris.

Schließlich waren es englische Architekten, die die einheimische Geschicklichkeit und Kunst anwandten, die die alte Kunst Englands wieder belebten und den einfachen Reiz der englischen Architektur aus der Zeit der Queen Anne und vom 16. bis zum 18. Jahrhundert offenbarten. Angesichts der Ähnlichkeit des Klimas, der Länder, der Sitten und einer gewissen ethnischen Verwandtschaft passte es, dass sie in diese Rückbesinnung auf die einheimische Kunst auch die dekorativen und architektonischen Formen Nordeuropas integrierten, die farbige Architektur der Region von Flandern bis zum Baltikum, in der Backstein und rote Ziegel gegenüber grauem Stein vorherrschten und sich so harmonisch mit dem besonders robusten Grün der Bäume und Wiesen Nordeuropas verbanden.

Die Mehrheit dieser Architekten fand nichts dabei, gleichzeitig als Dekorateure zu arbeiten. Ganz im Gegenteil – sie konnten sich kaum vorstellen, wie man sonst eine perfekte Harmonie zwischen dem Äußeren und der Innenausstattung eines Hauses erreichen könnte. Auch im Hausinneren strebten sie Harmonie an und komponierten aus Einrichtungsgegenständen und Wandteppichen ein Ensemble aus zueinander passenden Formen und sanften, gedämpften und ruhigen Farben.

Zu den am meisten geachteten Architekten gehörten Norman Shaw, Thomas Edward Collcut und die Firma von Ernest George und Harold Ainsworth Peto. Sie brachten zurück, was gefehlt hatte: die Unterordnung aller angewandten Kunst unter die Architektur, ohne die es unmöglich war, einen identifizierbaren Stil zu entwickeln.

Wir verdanken ihnen Neuheiten wie Pastelldekore (wie im 18. Jahrhundert) und die Rückkehr der architektonischen Keramik (vermutlich orientalischen Ursprungs), die sie studiert hatten und bei der sie es durch stete Übung zu einer größeren Meisterschaft als jemals jemand vor ihnen brachten. Dank diesen Architekten traten helle Farben wie Pfauenblau und Meergrün an die Stelle der öden Braun-, Grau- und sonstigen traurigen Farbtöne, die immer noch Verwendung fanden, um ohnehin schon hässliche Verwaltungsgebäude noch abstoßender zu machen.

Die Reform der Architektur und der angewandten Kunst in England war deshalb zunächst ein nationales Phänomen. Dies wird in der Arbeit von Morris nicht auf den ersten Blick deutlich. Aber die Grundhaltung dieses Künstlers und (bewusst oder unbewusst) der Menschen in seinem Umfeld bestand in der leidenschaftlichen Hinwendung zur englischen Kunst und Geschichte. Dies resultierte in einer Rückkehr zu Farben, Formen und Profilen, die nicht länger griechischen, römischen oder italienischen Ursprungs waren, also in einer englischen und nicht länger klassizistischen Kunst.

Charles Rennie Mackintosh und Herbert McNair, Plakat für „The Scottish Musical Review”, c. 1896, Jugendstil, England
Charles Rennie Mackintosh und Herbert McNair, Plakat für „The Scottish Musical Review”, c. 1896. Farblithographie. The Museum of Modern Art, New York.

Neben Tapeten und Wandteppichen wurden nun auch eindeutig englische Möbel hergestellt, die neu und modern waren und häufig eine großartige Linienführung aufwiesen. Englische Innenräume waren nun oft durch dekorative Ensembles charakterisiert, die ähnlich großartige Entwürfe, Zusammenstellungen und Farben aufwiesen. Schließlich entwickelte sich in England der Wunsch, zurückzugehen und alles, von der grundsätzlichen ornamentalen Struktur über das Haus und das Mobiliar bis hin zu den einfachsten Haushaltsgegenständen, neu zu gestalten. Bei einer Gelegenheit wurde sogar ein Krankenhaus ausgeschmückt, eine Idee, die später in Frankreich aufgenommen wurde.

Um einen besseren Einblick in Jugendstil zu erhalten, setzen Sie dieses spannende Abenteuer fort, indem Sie auf:

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