Alles Gute zum Geburtstag, Edvard Munch!
Edvard Munch, ein norwegischer Maler und Grafiker, war eine Schlüsselfigur der expressionistischen Bewegung. Sein Werk zeichnet sich durch die suggestive Behandlung psychologischer Themen aus, die auf einigen der wichtigsten Lehren des Symbolismus des späten 19. Jahrhunderts beruhen. Munchs berühmtestes Werk, “Der Schrei”, verkörpert diesen Ansatz und vermittelt tiefe Existenzangst – eine bahnbrechende Darstellung von emotionalen und psychologischen Zuständen in der bildenden Kunst. Sein innovativer Stil, der sich vom Realismus seiner Zeit absetzte, beeinflusste die deutschen Expressionisten und war ein Vorbote vieler moderner Kunstentwicklungen. Munchs Erforschung tiefer menschlicher Ängste, Befürchtungen und Gefühle war in der Malerei beispiellos und machte ihn zu einer entscheidenden Brücke zwischen traditionellen und zeitgenössischen Kunstformen.
Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Edvard Munch (ISBN: 9781683256380), von Ashley Bassie und Elizabeth Ingles herausgegeben von Parkstone International.
Obwohl er nicht wagte, seinem Vater zu widersprechen und nicht in die Kirche zu gehen, war er zu Beginn seines dritten Lebensjahrzehnts zu der Überzeugung gelangt, dass Gott nicht existiere und es keine Ewigkeit gebe. Der Glaube an die Nicht-Existenz Gottes erfuhr im Verlauf seines Lebens keine wesentliche Änderung mehr, während er bezüglich der Möglichkeit eines Lebens nach dem Tode seine Meinung änderte. Munch brachte den Mut auf, sich zu entschließen, Maler zu werden, anstatt Ingenieurwissenschaften zu studieren, wie es sein Vater fest für ihn vorgesehen hatte.
Der aber stimmte schließlich aufgrund der Ratschläge eines befreundeten Zeichners widerwillig zu. Eines von Munchs frühesten Selbstbildnissen, das etwa ein Jahr später entstand (Selbstbildnis, 1881-1882), zeigt einen sensibel, ja leicht kränklich aussehenden jungen Mann mit großem bleichen Gesicht, vollen runden Lippen und abfallenden Schultern, der keine nennenswerte körperliche oder psychische Stärke vermuten lässt.

In dem klaren Blick jedoch verbirgt sich eine gewisse Herausforderung an den Betrachter. Man sieht eine Persönlichkeit. Nach dem Tod ihrer Mutter fanden die Kinder einen gewissen Trost in der Ankunft der jüngeren Schwester ihrer Mutter, Karen, die in die Familie kam und die Rolle der Haushälterin und Erzieherin einnahm. Sie hatte selbst ein wenig gemalt und erkannte rasch Edvards ungewöhnliches Talent.
Später in seinem Leben erkannte Munch den Wert dieser Ermutigung, obwohl er sie zu Beginn nicht sehr ernst nahm. Ein Porträt seiner Tante aus dem Jahr 1884 (Karen Bjølstad in einem Schaukelstuhl) stellt eine gewisse Wiedergutmachung dar – die ruhige junge Frau sitzt an einem Fenster und schaukelt sanft mit dem Stuhl. Munchs Porträts aus dieser Zeit sind bemerkenswert reif, besonders jenes seiner Schwester Inger, das ein junges Mädchen mit großer Charakterstärke in ihrem traurigen, ein wenig abgewandten Blick zeigt (Porträt Inger Munch, 1884).

Norwegen war zu dieser Zeit ein künstlerisches Niemandsland – die wenigen wichtigeren Maler dieser Zeit waren Christian Krohg, Fritz Thaulow und Erik Werenskiold, die die vor allem durch ihren Naturalismus charakterisierte einheimische Schule konstituierten. Sie organisierten im Jahr 1882 eine zunächst von der Kritik mit Missbilligung aufgenommene Herbstausstellung, die erste in einer regelmäßigen Serie. Ihr Idol und Leitstern war Manet.
Munch war ein Anhänger dieser Schule und erlernte von Krohg im Verlauf einiger Monate den Gebrauch der Farben. Munch war dennoch überzeugt, er müsse ins Ausland gehen, um den Stimulus und die Ausbildung, die er benötigte, zu erhalten.
Im Jahr 1885 versetzten ihn die Großzügigkeit von Thaulow, der ihn stets unterstützte, und Zuwendungen verschiedener Organisationen in die Lage, nach Paris zu gehen. Thaulow – zufällig der Schwager Gauguins – half ihn im Angesicht feindlicher Kritiker nicht nur moralisch und finanziell, sondern er erwarb auch eines seiner ersten gelungenen Bilder Am Morgen aus dem Jahr 1884.

Vor seiner Abreise nach Paris begegnete Munch der Frau, die ihm wohl den tiefsten Kummer und seinem Gefühlsleben schweren Schaden zufügte, Emilie (Milly) Thaulow. Munch war 22 Jahre alt, sie war 24, mit seinem Cousin Carl verheiratet und hatte keine Skrupel bezüglich einer außerehelichen Affäre. Sie war auf eine klassische skandinavische Art schön, blond, von Bewunderern umgeben und spielte nur mit Munch, der tiefe Liebe für sie empfand.
Ihre Beziehung war zunächst idyllisch, aber Munch konnte das Interesse dieser sinnlichen und unmoralischen Frau an ihm nicht lange aufrechterhalten. Munch stellte weiterhin Werke in der regelmäßigen Herbstausstellung in Oslo aus, aber die Kritiker zeigten für seinen Beitrag zur Ausstellung von 1887 nicht das geringste Interesse.

Während er sich als Maler unverstanden und beleidigt fühlte, fiel er in eine tiefe Neurose, als er auch noch erkennen musste, dass die erfahrene Milly ihm nicht treu war. Seine Liebe zu ihr war schon immer ein wenig ungesund gewesen, aber nun wuchs sie sich zu einer Besessenheit aus, die dadurch, dass sie ihm sehr deutlich machte, für ihn unerreichbar zu sein, noch verstärkt wurde. Es gelang ihm nur mit Mühe, nicht dem Wahnsinn zu verfallen, indem er seine Gefühle seinen halb fiktiven Tagebüchern anvertraute, eine Methode, auf die er sein gesamtes Leben vertraute.
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