Christus in der Kunst
Art,  Deutsch

Göttliche Darstellungen: Der Christus in der Kunst durch die Jahrhunderte

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Christus in der Kunst (ISBN: 9781783106837) von Ernest Renan, herausgegeben von Parkstone International.

Eine Geschichte der Anfänge des Christentums müsste die gesamte dunkle, unergründliche Epoche umfassen, die sich von den ersten Anfängen dieser Religion bis zu dem Zeitpunkt erstreckt, als ihre Existenz eine öffentliche, anerkannte und vor aller Augen liegende Tatsache wurde. Allerdings würde eine solche Geschichte einen erheblich größeren Umfang haben, als er hier zur Verfügung steht, deswegen behandelt dieser Text nur das eigentliche Faktum, das dem damals neuen Kultus als Ausgangspunkt gedient hat und wird ganz und gar von der Persönlichkeit Jesu ausgefüllt.

Der Text handelt nicht von den Aposteln und ihren unmittelbaren Schülern oder, um es genauer zu bestimmen, er beschreibt nur die Zeit bis etwa zum Jahr 100, als die letzten Freunde Jesu gestorben und alle Bücher des Neuen Testaments in der Form festgeschrieben waren, in der wir sie heute lesen können, und er berichtet von den Umwälzungen, die der religiöse Gedanke in den beiden ersten christlichen Generationen erlebte.

Hugo Van der Goes, Die Kreuzigung Christi, um 1470, Christlichen
Hugo Van der Goes, Die Kreuzigung Christi, um 1470. Öl auf Holz. Museo Correr, Venedig.

Damit schildert der Text auch nicht den Zustand des Christentums im zweiten nachchristlichen Jahrhundert unter den Antoninen, den römischen Kaisern von Antoninus Pius (86 bis 161) bis Lucius Aurelius Commodus Antoninus (161 bis 192), so dass man auch die langsame Entwicklung und Führung des fast unablässigen Krieges gegen das römische Reich nicht erkennen kann. Ein Reich, das den äußersten Gipfel seiner administrativen Vervollkommnung erreicht hatte und von Philosophen regiert wurde, ein Reich, dass diese wachsende, das römische Reich hartnäckig negierende und heimlich untergrabende Sekte als eine geheime, theokratische Gemeinschaft bekämpft.

Der Text beschreibt auch nicht die entschiedenen Fortschritte des Christentums von der Zeit der syrischen Kaiser an und deren Eroberung des Westens oder den Zusammenbruch der gelehrten Regierungen der Antonine, den unwiderruflichen Verfall der antiken Zivilisation sowie das aus diesen Zusammenbrüchen Nutzen ziehende Christentum.

Michelangelo Merisi da Caravaggio, Die Heilige Familie mit dem Johannesknaben, um 1607, Christlichen
Michelangelo Merisi da Caravaggio, Die Heilige Familie mit dem Johannesknaben, um 1607. Öl auf Leinwand, 117,5 x 96 cm. Collection Clara Otero Silva, Caracas.

Es ist die Zeit, in der Jesus im Geleit der Götter und gottgewordenen Weisen Asiens eine Gesellschaft in Besitz nimmt, der die Philosophie und der bloße bürgerliche Staat nicht mehr genügte. Da erst wandelten sich gründlich die religiösen Ideen der um das Mittelmeer gruppierten Völker, die orientalischen Kulte gewannen überall die Oberhand. Das Christentum, das seiner Kirche eine zahlreiche Anhängerschaft beschert hatte, vergaß vollständig seine Träume von einem tausendjährigen Reich, zerrissen waren die letzten es an das Judentum fesselnden Bande, es ging schließlich ganz in die griechische und lateinische Welt über. Die sich schon offenkundig zeigenden Kämpfe und die literarische Arbeit des dritten Jahrhunderts müssten eigentlich in breiten Zügen dargestellt werden.

Die Darstellung der Verfolgungen zu Anfang des vierten Jahrhunderts werden ebenso ausgelassen wie die letzten Anstrengungen des römischen Reiches zur Wiederherstellung seiner alten Prinzipien, die dieser religiösen Vereinigung jeden Platz im Staatswesen versagten. Der Text berichtet auch nicht über den Wechsel in der Politik, der unter Kaiser Konstantin I., der Große (nach 280 bis 337), die Rollen tauscht und aus der freiesten, freiwilligsten religiösen Bewegung einen offiziellen Kultus macht, der, dem Staat unterworfen, nun ebenfalls zum Verfolger wird.

Fra Filippo Lippi, Madonna und Kind mit Engeln, um 1455, Christlichen
Fra Filippo Lippi, Madonna und Kind mit Engeln, um 1455. Tempera auf Holz, 95 x 62 cm. Galleria degli Uffizi, Florenz.

Damit ist deutlich geworden, was dieses Buch nicht enthält: die Geschichte der Apostel, der Stand des christlichen Bewusstseins während der ersten Wochen nach dem Tod Jesu, die Bildung des Sagenkreises der Auferstehung, die ersten Handlungen der Kirche von Jerusalem, das Leben des heiligen Paulus, die Krise zur Zeit Kaiser Neros (37 bis 68), die Erscheinung der Apokalypse, den Untergang Jerusalems, die Gründung der hebräischen Christengemeinden von Batanea, die Abfassung der Evangelien und der Ursprung der großen, von Johannes ausgehenden Schulen von Kleinasien. Durch eine seltene Eigentümlichkeit in der Geschichte sind die Vorgänge in der christlichen Welt vom Jahre 50 bis 75 deutlicher als die zwischen den Jahren 100 und 150 zu erkennen.

Die diesem Buche zugrunde liegende Idee lässt es nicht zu, in den Text lange, kritische Erörterungen über strittige Punkte aufzunehmen. Es ist durchaus möglich und wahrscheinlich, dass für Leser, die sich weniger mit dem Thema beschäftigt haben, weitere Erläuterungen nötig sind, aber Dinge, die bereits an anderer Stelle und vielleicht sogar sehr gut dargestellt wurden, müssen nicht unbedingt hier noch einmal wiederholt werden.

William H. Johnson, Der Kalvarienberg, um 1944, Christlichen
William H. Johnson, Der Kalvarienberg, um 1944. Öl auf Pappe, 70,5 x 84,9 cm. Smithsonian American Museum of Art, Washington, D.C.

Hinsichtlich der alten Zeugnisse wurden bis zur Fertigstellung dieses Textes hoffentlich keine Quellen der Forschung übergangen. Über Jesus und die Zeit, in der er lebte, sind, abgesehen von einer ganzen Anzahl anderer, hier und da verstreut vorkommender einzelner Angaben, im Grunde fünf große Sammlungen von Schriften erhalten geblieben: die Evangelien und im Allgemeinen die Schriften des Neuen Testaments, die Werke, die Apokryphen des Neuen Testaments, die Werke Philons von Alexandria (um 25 v. Chr. bis um 40 n. Chr.), die Werke des Geschichtsschreibers Flavius Josephus (um 37 n. Chr. bis um 100) und der Talmud.

Die Schriften Philons haben den unschätzbaren Vorteil, uns die Gedanken zu zeigen, die zu Jesu Zeit die mit den großen religiösen Fragen beschäftigten Menschen beschäftigten. Philon lebte zwar in einer ganz anderen Provinz des Judaismus als Jesus, aber er hatte sich genau wie Jesus durchaus von den in Jerusalem herrschenden Kleinlichkeiten gelöst; Philon ist in dieser Beziehung wirklich wie ein älterer Bruder von Jesus. Er war zweiundsechzig Jahre alt, als der Prophet von Nazareth auf dem Zenit seiner Tätigkeit war und überlebte ihn noch um etwa zehn Jahre, und es ist durchaus schade, dass ihn der Zufall nie nach Galiläa geführt hat – was hätte er uns sonst nicht alles lehren können!

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