Deutsch
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Sünde, Versuchung, Höllenqualen – Die Höllen-Landschaften des Hieronymus Bosch
Keiner konnte das Böse so gut darstellen wie Hieronymus Bosch (1450- 1516). Seine an Wimmelbücher für Erwachsene erinnernden Darstellungen sind voller Bestien, Anspielungen und Symbole. Symbole werden in der bildenden Kunst zwar bereits seit der Prähistorik verwendet, aber anders als bei Symptomen wie „…wo Rauch ist, ist Feuer“ besteht zwischen dem Symbol und seiner Bedeutung jedoch keine direkte, auf den Symbolgehalt hinweisende Beziehung. Das Symbol besitzt seine bestimmte Bedeutung nur aufgrund von Konventionen. Mit dem Spracherwerb lernen wir im Kindesalter gleichzeitig die Symbolsprache. Am Horizont aufquellende schwarze Wolken stehen für Unglück, die vom Himmel fallende Sternschnuppe hingegen wird mit Glück assoziiert. In unserer Kultur weiß das jedes Kind. Die Kunst…
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Seelisches Fernweh – Van Gogh und der Japonismus
Es ist kein Geheimnis, dass Vincent van Gogh (1853-1890) nicht in der besten psychischen Verfassung war, jahrelang führte er einen inneren Kampf gegen sich selbst, litt unter Depressionen und Wahnvorstellungen und wurde in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. In diesen Zeiten der Qual und teilweise nahe dem Wahnsinn, schuf er einige seiner größten Meisterwerke. Höchst verwunderlich ist darüber hinaus, dass er sich in den 1890er Jahren ausgerechnet einen Künstler zum Vorbild nahm, der gegenteiliger nicht hätte sein können: der im heutigen Tokio geborene gelernte Holzschnittkünstler Utagawa Hiroshige (1797-1858), dessen Kunst wie die traditionelle japanische Kunst im Allgemeinen auf Ruhe, Stärke und inneren Frieden basieren. War van Goghs Faszination für die japanische Kunst…
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Das Licht am Horizont
Viele kennen das seltsame Gefühl, wenn man weit draußen auf dem Meer ist, wenn kein Horizont in Sicht und einfach nichts anderes als Wasser um einen herum ist, Wasser und darüber der grenzenlose Himmel. Die Ferne, die Leere, das Ungewisse mag unter anderen Umständen vielleicht ein Gefühl der Freiheit auslösen, nach einer gewissen Weile jedoch, insbesondere, wenn man nicht weiß, wie weit das Ziel noch entfernt ist, ob man es erreichen wird oder wenn man sich gar in den Weiten des Meeres verloren glaubt, überwiegt das Unbehagen und das Gefühl des Verlorenseins. Wie viel bedeutet es in solchen Momenten, wenn man tief in seinem Inneren weiß, dass man nicht alleine…
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Beute oder Trophäe?
Die Antwort liegt im Auge des Betrachters! Die „Trophäenkommission“ der Roten Armee transportierte nach dem Zweiten Weltkrieg als Entschädigung für die Verwüstungen der Wehrmacht in der Sowjetunion und als Ausgleich für die Verluste eigener Sammlungen deutsche Kunstschätze nach Russland. Ende der 1990er Jahre wurden dann die sich noch im Land befindlichen Trophäen kurzerhand zum Eigentum Russlands erklärt. Nach international gültigen Bestimmungen, die auch Russland anerkannte, ist diese Einbehaltung von Kunstwerken rechtswidrig. Auf deutscher Seite spricht man hingegen von „Beutekunst“. Damit gemeint ist die kriegsbedingte Verlagerung von Kunstgegenständen – eine zeitlich begrenzte Verlagerung zum Schutz und Erhalt der Werke. Und genau diese in der Begriffsbestimmung implizierte unterschiedliche Auffassung – Trophäe und…
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La Belle Époque – Eine Hommage auf die Freizeit
Ein gemeinsames Frühstück im Grünen, danach ein Ausritt oder vielleicht eine Kutschfahrt? Zum Mittagessen in eines der schönen Restaurants am Grand Boulevard, dann ein ausgedehnter Schaufensterbummel, ein kurzer Plausch im Café und abends vielleicht ins Theater, in die Oper oder doch lieber zum Ballett? Eine der großen Neuerungen, die die zweite Welle der Industriellen Revolution in Frankreich mit sich brachte, war die „Freizeit“. Die materielle und politische Absicherung des Bürgertums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ die Menschen der sogenannten Belle Époque optimistisch in die Zukunft blicken. Mit dem Wirtschaftsaufschwung ging auch ein kultureller Aufschwung einher: Neue Cafés, Ateliers, Galerien, Salons und Konzertsäle mit einem vielfältigen kulturellen Freizeitangebot…
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Andy Warhol – Masse oder Klasse?
Gestapelte Pizzakartons und zu Pyramiden aufgetürmte leere Bierdosen sich das typische, an Studenten-WGs haftende Klischee – anstelle eines halbwegs akzeptablen Abendessens wird da schnell mal eine Dose geöffnet. Die gestapelten Dosen des Pop-Art-Künstlers Andy Warhols (1928-1987) erinnern jedoch nur auf den ersten Blick an unaufgeräumte Junggesellenbuden, zu akkurat sind die Dosen aufeinandergestapelt, jedes Cover genau dem Betrachter zugedreht. Warhol, der als Begründer und wichtigster Vertreter der in den 1960er Jahren entstandenen Bewegung der Pop-Art gilt, versetzt uns mit seinem Werk 100 Campbell’s Soup Cans in die Welt eines penibel sortierten Supermarktes, vollgepackt mit in Massenproduktion hergestellten Dosensuppen. Der Supermarkt als wichtiger, da häufig aufgesuchter Ort des Großstadtlebens und seine Waren…
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Vom Werden und Vergehen – Ophelia und die Präraffaeliten
Die Szenerie ist malerisch: Ein kleiner, klarer Bach schlängelt sich durch den Wald, eine Weide neigt sich über ihn, am Ufer wachsen Nesseln, Hahnenfuß, Maßliebchen und Kuckucksblumen. Eine junge Frau flechtet Blumenkränze, die sie zum Trocknen an den niedrigen Weidenzweigen aufhängt – doch plötzlich bringt ein falscher Schritt sie aus dem Gleichgewicht, sie strauchelt, findet keinen Halt und fällt ins Wasser. Der Bach, der sich urplötzlich zu einem regelrechten Wildwasserstrom entwickelt, reißt sie in die Tiefe, ihre Kleider saugen sich voll Wasser, die junge Frau schnappt verzweifelt nach Luft, doch ihre Lungen haben sich schon mit Wasser gefüllt, sie ertrinkt elendiglich. Das Gemälde Ophelia des britischen Malers John Everett Millais…
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Zwischen Realismus und Impressionismus, zwischen privatem und öffentlichem Raum
Der französische Impressionismus hat viele große Namen hervorgebracht: Bazille, Cézanne, Degas, Gauguin, Manet, Monet, Sisley, Morisot, Pizarro und Renoir, um nur einige zu nennen. Sie alle waren Impressionisten, strebten nach einer Erneuerung der Kunst, waren der Freilichtmalerei verpflichtet und trotz gleicher Ziele war doch jeder für sich einzigartig. Ergänzen Sie der (Un-)Vollständigkeit halber diese Aufzählung noch um einen weiteren Künstler, der in der deutschen Kunstgeschichte erst in den letzten Jahren wirklich Beachtung fand: Gustave Caillebotte (1848-1894). Der Künstler, der bisher noch mehr Bedeutung als Mäzen und Sammler erlangte und in enger Freundschaft zu Monet, Renoir und Sisley stand, wurde zum ersten Mal 1994 in einer größeren Ausstellung in Paris gewürdigt.…
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Caillebotte
Man muss auch in dickleibigen oder vielbändigen Lexika lange nach Informationen über Gustave Caillebotte (1848-1894) suchen, bevor man meistens recht dürftige Auskünfte erhält. Am ehesten findet man sie in den zeitgenössischen Exemplaren der Zeitschrift Le Yacht, die über den begeisterten Segler und erfahrenen Bootsbauer, der auf die über zwanzig von ihm entworfenen und gebauten Yachten zu Recht stolz war, berichten. Anfangs segelte er auf der Seine, später aber von seinem normannischen Domizil aus sowie von Le Havre oder Trouville, dem Nachbarort des damals recht mondänen Badeortes Deauville, als erfolgreicher Regattateilnehmer vor der Küste der Normandie. Sein Selbstporträt (etwa 1892; Musée d’Orsay, Paris) zeigt einen selbstbewussten, wettergewohnten Mittvierziger, weist aber nicht…
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Attr. Rubensfrau, 42/160/90, NR, O.f.I. sucht jung gebliebenen Endvierziger 24/7, … AG, BmB.
So oder so ähnlich lesen sich zahlreiche Kontaktanzeigen in der lokalen Presse oder dem Internet. Und auf der Suche nach einem zeitweiligen Partner oder gar einem fürs Leben sind wir erst einmal herausgefordert, die zahlreichen Informationen zu dechiffrieren, die uns dieser Einzeiler gegeben hat. Neben all diesen Abkürzungen, Zahlenkombinationen und der Frage „Was zum Kuckuck ist ein jung gebliebener Endvierziger?“ findet sich auch eine recht poetische Selbstbeschreibung – Rubensfrau. Die „Rubensfrau“ als Synonym für eine gut gebaute, füllige Frau mit deutlichen weiblichen Rundungen und einem üppigen Hinterteil – eine Frau halt, die „etwas zum Anfassen“ hat, würde vielleicht der ein oder andere männliche Zeitgenosse sagen. Dieser Peter Paul Rubens (1577-1640)…






























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