Barock
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Von Bernini bis Caravaggio: Ikonen der italienischen Barockkunst

Videonachweis: Arch-Venedig-Architektur in Italien Video von Caelan und Kennel historisches Zentrum von Dresden Video von Glorydays2012pro von Pixabay.

Der untenstehende Text ist ein Auszug aus dem Barock von Victoria Charles und Klaus H. Carl, herausgegeben von Parkstone International.

Die Barockkunst in Italien entstand im 17. Jahrhundert und zeichnet sich durch dramatische und dynamische Kompositionen, kunstvolle Verzierungen und emotionale Intensität aus. Beeinflusst von den Bemühungen der katholischen Kirche im Zuge der Gegenreformation, religiöse Inbrunst zu wecken, wollten die Barockkünstler den Betrachter auf einer emotionalen Ebene ansprechen. In der Architektur brachte diese Epoche grandiose Bauwerke wie den Petersdom in Rom hervor, der von Gian Lorenzo Bernini entworfen wurde. Die Barockmalerei erlebte ihre Blütezeit mit Künstlern wie Caravaggio, der für seinen dramatischen Einsatz von Helldunkel und Naturalismus bekannt war. Bildhauer wie Gian Lorenzo Bernini und Alessandro Algardi schufen beeindruckende Meisterwerke, die sich durch Detailreichtum und Bewegung auszeichneten. Die Barockkunst in Italien ist ein Zeugnis für die Kraft der Emotionen, der Spiritualität und der künstlerischen Innovation, die diese lebendige Epoche prägten.

Baldassare Longhena, Santa Maria della Salute, 1630-1631 begonnen, barockkunst
Baldassare Longhena, Santa Maria della Salute, 1630-1631 begonnen. Venedig.

Der italienische Barockstil hat sich in der Bau- und Bildhauerkunst konsequent aus der Hochrenaissance entwickelt. Er folgte den geistigen Strömungen der Zeit und steigerte alle dekorativen und konstruktiven Einzelheiten in ihrer Wirkung durch eine Anhäufung von Baugliedern, durch eine willkürliche Veränderung der klassischen Bauformen und durch eine Neigung zum Malerischen, die bis zur Aufgabe aller geraden Linien ging. Alles, was bisher horizontal war, wurde gebogen, gekrümmt oder geschweift und selbst das Urbild des Standfesten, die Säule, wurde bei Gian Lorenzo Bernini, dem Großmeister der barocken Baukunst, zur gewundenen Säule, der colonne torse, die aber vereinzelt auch schon in der spätromanischen Baukunst aufgekommen war.

Für den Kirchen- und Palastbau im Barockstil ist Rom der Hauptschauplatz. Daneben sind noch Neapel und Palermo zu beachten, die ihre architektonische Physiognomie erst dem 17. Jahrhundert verdanken. Basis aller Barockkirchen ist die von Michelangelos Nachfolger als Baumeister des Petersdoms, dem Baumeister Giacomo Vignola entworfene, von Giacomo della Porta gebaute Jesuitenkirche mit den hier erstmals gegebenen Grundmotiven. Es ist die Verbindung von Zentral- und Langhausbau mit möglichst großen Haupträumen ohne Rücksicht auf die Seitenschiffe und den von der Barockkunst aufgenommenen und weiterentwickelten Fassaden mit ihren geschweiften Umrissen und den krönenden, in der Innenwölbung mit Malereien geschmückten Kuppeln. In dieser Kirche kommt mit dem Altar des heiligen Ignatius, des Stifters des Jesuitenordens, und dessen Architektur, Skulptur und Malerei die gesamte Kunst des italienischen Barocks zusammen, die hier ihren Höhepunkt erreicht hat. Daneben verblasst alles, was eine von der Gunst der Kirche und der Fürsten zugleich getragene Kunst in fast zwei Jahrhunderten in Italien und Deutschland geschaffen hat. Der Schöpfer dieses Altars, der in Trient gebürtige Jesuiten-Laienbruder, Maler (als der er auch die Jesuitenkirche in Frascati ausgemalt hatte), Baumeister und Bildhauer Andrea dal Pozzo steht allerdings bereits am Ende der Alleinherrschaft des Barockstils.

Gian Lorenzo Bernini, Aeneas und Anchises, 1618-1619, barockkunst
Gian Lorenzo Bernini, Aeneas und Anchises, 1618-1619. Marmor, H: 220 cm. Galleria Borghese, Rom.

Am Anfang dieser Entwicklung standen Männer, für die das Maß ein Gesetz des künstlerischen Schaffens war. Dazu gehören etwa Carlo Maderna, ab 1603 einer der Baumeister des Petersdoms und führender Architekt nach Vignola, oder der päpstliche Architekt Domenico Fontana, der Erbauer der Fassade des Lateranpalastes und der Säulenhalle an der Nordseite der Kirche San Giovanni. Schließlich gehört auch der schon erwähnte Maler, Baumeister und Bildhauer Gian Lorenzo Bernini, der Skulptur und Architektur in Italien, Spanien und den Ländern nördlich der Alpen maßgeblich beeinflusste, zu dieser Gruppe.

Gerade Bernini war als Architekt ein Meister im Schaffen großartiger Räume mit sicherer Berechnung der perspektivischen Wirkungen. Davon zeugt bis heute vor allem der Platz vor dem Petersdom mit den ihn umfassenden Säulenhallen oder die Scala regia des Vatikans. Bernini hat nach Madernas Tod die Fassade und die Vorhalle fertig gestellt und für das Innere das berühmte bronzene Tabernakel über dem Hochaltar geschaffen.

Die Schnelligkeit eines Sinneswandels, mit der die Begeisterung für die Antike abnahm, beweist der Umstand, dass die Zeitgenossen an diesem Tabernakel am meisten rühmten, dass es in nichts mehr an diese Antike erinnere und nun den Höhepunkt einer selbstständigen Kunst bezeichnet. Bernini sind außerdem noch der Palazzo Barberini mit seiner meisterlichen Treppe und mehrere kleinere Kirchen zu verdanken. Wie wichtig und lebendig in dieser Zeit eine Vorplatzgestaltung war, zeigt die Anlage der beiden kleinen Kuppelkirchen Sa. Maria di Monte Santo und Sa. Maria dei Miracoli am Nordeingang des Corso, die von Carlo Rainaldi entworfen und von Bernini und seinem Schüler Carlo Fontana ausgeführt wurden. Sie haben der Piazza del Popolo erst zu ihrer großartigen Wirkung und Vollendung verholfen.

Michelangelo Merisi da Caravaggio, Das Martyrium des heiligen Matthäus, 1599-1600, barockkunst
Michelangelo Merisi da Caravaggio, Das Martyrium des heiligen Matthäus, 1599-1600. Öl auf Leinwand, 323 x 343 cm. San Luigi dei Francesi, Rom.

Im Petersdom befinden sich auch Berninis Hauptwerke auf dem Gebiet der religiösen Bildhauerei: die Statue Der heilige Longinus und die Grabmäler der Päpste Urban VIII. und Alexander VII., beide besondere Förderer der Kunst und der Wissenschaften, mit ihren hervorragenden Porträtstatuen. Der kunstbegeisterte Papst Urban VIII. war derjenige, der in seiner Zeit als Kardinal dem Galileo Galilei noch durchaus gewogen war, ihn aber 1632 auf das Drängen der Inquisition hin anklagen und zu lebenslanger Haft verurteilen ließ.

Am wohlsten fühlte sich Bernini aber in der dekorativen Bildhauerei, und hier hat er sich mit seinen Brunnenanlagen (dem Triton auf der Piazza Barberini und dem Hauptbrunnen auf der Piazza Navona, dem schönsten Platz Roms, ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Allerdings griff er bei diesen Brunnen mit ihren Fluss- und Meeresgottheiten doch wieder auf die Antike zurück, die schon in den drei Hauptarbeiten seiner Jugend, dem Aeneas und Anchises, dem den Stein schleudernden David und der Apollo und Daphne in der Villa Borghese in Rom, die er als 17-jähriger schuf, Arbeitsgrundlage war.

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